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Lange Rezensionen 1 - 10 von 68 im Genre »Pop« und Land »Island« (insgesamt 140)

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Daniel Ágúst: Swallowed A Star
(2008, One Little Indian OLIR463 )

Melancholisch sein. Aber experimentierlustig. Sich in feinsten Verästelungen des befindlichkeitsfixierten Elektropop verlieren. Zerzauste Wolkenfetzen ziehen in rascher Folge über die sanft taubengraufarbene musikalische Landschaft, die der ehemalige GusGus-Sänger Daniel Ágúst auf seinem Solodebüt »SWALLOWED A STAR« entwirft. Das Album darf definitiv den Soundtrack für hoffnungslos verregnete Sonntage bilden. Denn es wärmt wie eine heiße Tasse Tee und dicke Wollsocken. Nur viel, viel subtiler.

Der frühe Tom Waits mit seinen ersten elektronischen swordfishtrombonischen Rhythmusfrickeleien macht sich als inspirierendes Element für den Isländer ebenso gut wie ein klassisches Streichensemble, dem Owen Pallett den Weg zum Indiepop geebnet hat. Beim Mixen des Albums mitgemischt hat übrigens ein Herr namens Bix, der schon mit Madonna, Beck und Sigur Rós gearbeitet hat. Ágústs Pop der großen Gefühle kommt bewusst als Melodrama in Kammerspielform daher. Im Ergebnis macht uns seine Musik nicht unbedingt glücklicher. Aber zumindest können wir uns hinterher besser verstanden wissen. Denn da ist noch einer, der gerne einfach nur weglaufen würde. Ins Graue. (emv)



Siehe auch:
Gus Gus
Sigur Rós


Daniel Ágúst: Swallowed A Star

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The Album Leaf: In A Safe Place
(2004, City Slang CS 20127-2 )

Dieses Album ist eine Mogelpackung. »THE ALBUM LEAF« ist nämlich das Soloprojekt des Multitalentes Jimmy LaValle. Und der stammt aus Kalifornien. Dass es hier trotzdem seinen Platz findet, lässt sich leicht auflösen: Eingespielt wurde das Werk in Reykjavik mit inspirierender Unterstützung von Múm- und Sigur Rós-Mitgliedern. Und deren Einfluss lässt sich hier wahrlich nicht verleugnen.

So werden zärtlich und mit gelassener Erhabenheit die wankenden Stimmungen und verlorenen Landschaften Islands weichgezeichnet. Den vormals halbfertigen Songs mit liebevoll gestreichelten Gitarrenklängen, zärtlich gedrückten Tasten und hymnischen wie wehmütigen Gesängen den isländischen Schliff verpasst. Erhaben, zerbrechlich und wolkenweich perlen süßliche Melodien voll analoger Melancholie die Membranen der Lautsprecher herunter. Fluten elektronische Gischtsprengsel die Klangentwürfe mit echter Atmosphäre. Alles eingekuschelt in eine wärmende Daunendecke.
Dies ist das schönste »Inspired by Iceland«-Album das je ein Amerikaner aufgenommen hat. (maw)



Mehr CDs von The Album Leaf



Siehe auch:
Múm
Sigur Rós


The Album Leaf: In A Safe Place

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Ampop: Made For Market
(2002, Thule Musik)

Ampop sind ein Zustand. Ein Zustand lichtgrauer Melancholie. Regentropfen laufen langsam, geradezu zärtlich halb beschlagene Scheiben hinunter. Vielleicht präsentiert sich das Wetter in Island an 328 Tagen im Jahr so. Vielleicht. Das Trio aus Reykjavik richtet sich bei dauerhaft bedecktem Himmel in seiner Sonderling-Ecke aus Triphop und Ambient ein. Zum Zweck des stilvollen Erkundens komplizierter Gefühlsverästelungen. Dies klingt in der Ampop-Welt so wunderbar vertraut und unendlich einlullend, dass man gerne mit der Band in immer verwunschenere elektronische Seelenlandschaften abtauchen möchte. Was stört es schon, dass sich die Musiker um Mastermind und Sänger Biggi Hilmarsson auf ihrem zweiten Album »MADE FOR MARKET« selbst als Soziopathen sehen? Sind doch richtig interessante Leute!

Empfindsame Electronica. Verspielt und ernsthaft. Eben genau die Gefühlswelten blasser junger Männer, die vielleicht The Teardrop Explodes als früheste musikalische Inspiration angeben würden. Mit einer bewussten Hinwendung in Richtung emotionale Filmmusik und einem richtig guten Händchen für intelligente Arrangements. Diese Romanze in Grau entwickelt sich immer mehr zu einem Markenzeichen des isländischen Elektotro-Synthiepop – denn Daniel Ágúst oder Stafrænn Hákon sind nicht weit. Wobei es bei der eng miteinander verbandelten Szene nicht wundert, dass Hilmarsson auch bei Herrn Hákons Projekt höchst aktiv mitmischt. (emv)



Siehe auch:
Hilmar Örn Hilmarsson

 Ampop: Made For Market

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Anna Maria (Björnsdóttir): Hver stund með þér
(2014, Nordic Notes /Broken Silence NN061 )

Das es so etwas noch gibt: Eine Liebe, die das ganze Leben dauert! Dies isländische Musikerin Anna Maria hat auf ihrem zweiten Soloalbum »Hver Stund Með þér« ihren Großeltern ein musikalisches Denkmal gesetzt. Übersetzt heißt der Titel »Jeder Moment Mit Dir«. Anna Maria Die Künstlerin vertont hier Liebesgedichte, die ihr Großvater über einen Zeitraum von 60 Jahren hinweg an ihre Großmutter geschrieben hat. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Landsmann, dem Singer-Songwriter Svavar Knútur, mit dem sie sich in den Duetten zur harmonischen Einheit verbindet.

Es sind fein verlangsamte, liebevoll arrangierte und wunderbar reduzierte kleine Folkpop-Perlen von ruhiger Schönheit. Die von der klaren, warmen und präzisen Stimme der Sängerin leben und eine intime Stimmung schaffen, in der man mitunter fast den Atem anhalten will, weil man diese absolute Hingabe nicht stören will! (emv)



Mehr CDs von Anna Maria (Björnsdóttir)



Siehe auch:
Svavar Knútur

 Anna Maria (Björnsdóttir): Hver stund með þér

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Olafur Arnalds: Eulogy For Evolution
(2007, Progess(ion))

Es endet meist unschön. Der Tinnitus fräst sich ins Ohr, lässt die Hirnrinden explodieren, den Kopf nimmer stillstehen. Stört, raubt Nerv und Lebensdrang. Das Leben als Drummer in den zwei Hardcorebands Fighting Shit und Celestine bedeutet für Olafur Arnalds neben ungebrochenem Aggressionsabbau vor allem Lärm und Stress. Mit voller Wucht klatscht die Doublebass als wulstiger Stoß durch den Raum, während die Becken ihr Vibrato in den Moshpit impfen.

Dieses lautstarke Leben lässt der blutjunge Isländer bisweilen hinter sich, legt die Sticks dann und wann beiseite und öffnet den Koffer mit der Geige oder versucht sich an sacht geschlagenen Pianoläufen. Sein Kontrastprogramm heißt: Intimität. Dicht verwoben sind die Atmosphären, die sich in den Wortlosigkeiten seines Debüts auftürmen. Meist fragil und in ihrer Unendlichkeit beeindruckend, dann mit überbordendem Pomp und fulminanten Crescendi zu ergreifenden Erstschlägen ausholen. Klassisch instrumentiert und doch mit dem Charakter bekannter Indie-Ästhetik. Und diese Spannungsbögen halten, was sie versprechen. Die Melodien scheinen direkt vom Zuckerbäcker zu stammen, und alles ersprießt letztlich in schauerlich-schönem, melancholischem Wohlklang. Einnehmend und bezaubernd. Und vor allem: leise. (maw)



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Olafur Arnalds: Eulogy For Evolution

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Ólöf Arnalds: Innnundir Skinni
(2010, One Little Indian TPL1065 )

Von wegen, das Einfache sei bloß simpel. Ólöf Arnalds erschafft auf ihrem zweiten Album »INNUNDIR SKINNI« (Unter der Haut) kunstvolle Preziosen in Miniaturform, die gerade in ihrer scheinbaren Einfachheit funkeln wie frisch geschliffene Edelsteine. Die Komplexität und Kunstfertigkeit dieser vom verwunschen Folkpop inspirierten Mini-Dramen erschließt sich erst auf den dritten Blick. Flüchtigkeit ist das Element der isländischen Sängerin mit dem glöckchenklirrenden Sopran. Sie entschwindet wie eine Elfe immer wieder hinter Bäumen. Sehr erdhaft, trotzdem.

Inspirationen wehen wie Nebelfelder durch dieses musikalische Lummerland. Der französische Schlager der 70er, chinesisches Liedgut, der Fado. Sparsam, aber abwechsungsreich instrumentiert. Und mit mehr als nur a little help from my friends: Kjartan Sveinsson von Sigur Rós hat produziert. Zu den Gastmusikern zählt neben Bass-Legende Skúli Sverisson auch die sich in letzter Zeit sehr rar machende Björk, die in »Surrender« eindringliche Backing Vocals singt. Sogar ein unerwarteter Ohrwurm ist hier zu finden: »Crazy Car«, ein Duett mit dem Künstler Ragnar Kjartansson, ist einer der schönsten und herzerwärmend merkwürdigsten Songs des Jahres: Eine Beschwörung an eine liebe Freundin, ihr Glück doch nicht im Ausland zu suchen. »Please don´t go to America. Don´t go in the crazy car«. Sicher nicht der schlechteste Ratschlag. (emv)



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Ólöf Arnalds: Innnundir Skinni

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Bang Gang: The Wolves Are Whispering
(2015, bang ehf /Alive )

Wenn sonst nichts mehr hilft: Menschen im fortgeschrittenen Stadium des Liebeskummers ist dieses Album dringend ans Herz zu legen. Allen anderen aber auch. Sieben lange Jahre hat sich Barði Johannsson mit der Veröffentlichung von »THE WOLVES ARE WHISPERING« Zeit gelassen. Hier schlägt das verletzte Herz mit Macht zurück! Elektropop und Schauerromantik schließen hier einen Bund fürs Leben. Barði Johannsson gelingen traumwandlerische schöne, postwavige Popsongs vom dunklen Rand der Gefühle. Er betreibt hier Schmerzbewältigung in Cinemascope!

Herr Johannsson ist übrigens souverän genug, um sich Verbündete unter ähnlich gesinnten Sängerinnen zu suchen. Denn im Albumhöhepunkt, dem rockig treibenden und dramatischen »Silent Bite«, steht die artifizielle Sirenen-Stimme von Ladytron-Sängerin Helen Marnie im Mittelpunkt. Hier haben sich zwei verwandte Seelen gefunden, die bei mit Neo-Goth-Tönen flirten. Langzeit-Partnerin Keren Ann, mit der Johansson das Nebenprojekt Lady & Bird betreibt, darf hier natürlich nicht fehlen. Ebensowenig wie die vielleicht talentierteste junge Musikerin aus der quirligen isländischen Elektronikpopszene, nämlich Samaris-Sängerin Jofridur Akadottir: Sie verbreitet im Track» A Carved Letter in Stone« eine zarte Hoffnung auf bessere Tage. Aber Barði Johannssen etabliert sich hier nachdrücklich als der dunkle Lord des gehobenen Synthie-Weltschmerzes, der im dunklen Umhang durch die nächtlichen Straßen Reykjavíks streift.
(emv)



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Siehe auch:
Lady & Bird
samaris


 Bang Gang: The Wolves Are Whispering

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Berndsen: Lover in The Dark
(2011, 101Berlin)

Kindergarten-Ästhetik meets Glitzer-Dancefloor: Im legendären New Yorker Studio 54 sind seit Dekaden die Lichter ausgegangen, aber das ficht den isländische Nostalgiker David Berndsen nicht an. Das romantische Spielkind lässt mit seinem Debütalbum »LOVER IN THE DARK« die Hochzeiten der Disco-Ära hochleben. Die Zeiten also, als Synthie-Sounds die Weltherrschaft an sich gerissen hatten. Als das Schreckensregime der Föhnwellenfrisuren und Pastellfarben seinen Terror ausübte. Berndsen schaut seufzend auf die Zeit des ungehemmten Luxuskults zurück, in der nur gefährliche Liebschaften mit Supermodels dem Discojünger kleine Schweißperlen auf die Stirn treiben durften. In Berndsens Retro-Raritätenkabinett wird dieser ungezügelte Hedonismus aufs Putzigste mit Super-Mario-Spielekonsolensounds kontrastriert wie im Song »In Sight«. Uff, eine Waldmeisterbrause-Vergiftung droht!

Man hört lässt sich in diese hochartifizielle Retro-Welt hineinziehen und staunt über die Sogkraft der Harmlosigkeit. Über die anspruchslose Eingängigkeit. Über den ungebrochenen Glauben, dass Flash Gordon oder die Teletubbies irgendwann die Welt retten werden, wenn die Synthies hier zwischendurch ins latent Bedrohliche wechseln wie in »Dark Times«. Man wünscht, man hofft, dass Berndsen bei all seinem Treiben ein kleines ironisches Funkeln in seinem Auge hat, wenn er munter zwischen OMD, Duran Duran und Vangelis hin- und herhüpft. Die Lyrics sind von entwaffnender Harmlosigkeit. »Do you wanna feel the night?« Weiß nicht. Vielleicht mach ich mir lieber eine Tüte Chips auf und schaue mir das den Brat-Pack-Klassiker »St. Elmo´s Fire« an. Ist authentischer. (emv)

 Berndsen: Lover in The Dark

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Biggi: ID
(2006, 12 Tonar 12to32 )

Eine Selbstfindung: Der Sänger der isländischen Band Maus liefert mit seinem Solo-Debüt einen Fingerabdruck seines jetzigen Seelenlebens, seine »ID«. Und der Name »Biggi« statt Birgir Örn Steinarsson ist ein Hinweis darauf, dass der Maus-Frontmann eine internationale Karriere anstrebt, denn sein eigentlicher Name geht Nicht-Isländern schwer über die Lippen. Der in London lebende Steinarsson singt mit großer melodischer Geste elektronisch flirrenden Underground-Pop – eingängig genug, um Pop zu sein, aber auch schräg genug, um sich in dieser Musik zu verlieren und zu wissen, dass das Charts-Radio immer achtlos daran vorbei gehen wird.

Manche Songs werfen ihre Haken durch eine betörende Stimmung aus (»Please Back Off« durchlebt das Ende einer deprimierenden Liebesbeziehung), manche wegen ihres Themas (»Don't Break The Silence« handelt vom letzten Gespräch mit der Großmutter am Totenbett) und manche wegen der berückenden Arrangements: Das einzige nicht englische Lied »Sofðu með Ljósið Á« setzt mit isländisch-finnischen Texten und einem versöhnenden Akkordeon einen würdigen Schlusspunkt. (peb)



Siehe auch:
Maus

 Biggi: ID

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Björk: Volta
(2007, One Little Indian /Universal 1733524 )

Narrenfreiheit ist eine Chance. Nachdem das letzte Experiment in Sachen Avantgarde-Kunst konsequent überforderte und selbst »MEDÚLLA« eine Richtung wies, die den abermaligen Bruch mit der konsequenten Serialität und der kapitalistischen Beständigkeit nur logisch erschienen ließ, geht »VOLTA« den zuletzt eingeschlagenen Weg von Klangabstraktion und ästhetischer Neudefinition nicht weiter. Es heißt, Björk wollte Spaß haben und hat sich deswegen vom Schlagwerk-Kurierdienst afrikanische Trommelkollektive ins Studio bestellt. Organisch und taktkräftig gerät sogleich der Opener »Earth Intruders«, der ungestüm davonstiebt.

Die weiteren von Erfolgsproduzent Timbaland mit dumpfem Groove ausgestatteten Songs betonen muskulös Körperlichkeit und Energie; der »Declare Independence« benannte Killertrack sorgt überdies für das nötige Austicken mit einer Radikalität, die selbst körperlich fordert und beeindruckt. Demgegenüber steht die sakrale Aufgeladenheit von »Dull Flame Of Desire« (zusammen mit Antony von Antony & The Johnsons) und die partiell herausbrechenden, regenverhangenen Trompeten, welche die sich selbst zentrierende Stimme der Isländerin mit gewohnter Exzentrik passend zur Schau stellen. Überbordend und perfekt produziert ist dieses Album ein Synonym für Heterogenität und immer noch bedeutsam und geschickt genug, um jeglichen Anspruch zu erfüllen. (maw)



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Siehe auch:
Sugarcubes
Under Byen



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 Björk: Volta

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