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Lange Rezensionen 1 - 6 von 6 im Genre »Rock« und Land »Färöer« (insgesamt 8)

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200: Viva La Republica
(2005, Tutl HJF 121 )

Ups! Hier flötet nicht der Basstölpel sein Hochzeitslied. Hier brandet nicht das Meer an die felsigen Küste. Hier ist keine scheue Einheimische dabei, ein altes Volkslied zum Besten zu hauchen. Statt dessen bratzt die Gitarre, röhrt der Bass und werden die Trommelfelle recht arg beansprucht. Der klassische Dreier also, getragen von Uni Arting (dr), Niels Arge Galán (g) und Mikael Blak (b), den man als Musiker von diversen fähringischen Produktionen her kennt, wie etwa bei Eivör Pálsdottir.

Und wo heftiger Rock am Wirken ist, artikuliert sich sogleich offene Wut. »Es lebe die Republik« ist in diesem Sinne ein flammender Aufruf zur Unabhängigkeit des Inselstaates vom Hausherren Dänemark, ein Plädoyer gegen religiösen Fundamentalismus und Homophobie, gebannt in 16 Songs, die ohne viel Federlesens zur Sache gehen: Schnell sein, wild sein, keine Kompromisse eingehen – das ist Motor wie Lebensgefühl für die drei Jungs. Zuweilen fühlt man sich zurück versetzt in die Anfangsjahre des Punk, dann wieder wird fast klassischer Rock'n Roll geboten, und zwischendurch macht man gar echten Krach. Eine Platte also, die man besser nicht dem Harmonie-orientierten Feingeist schenken sollte. (frk)



Mehr CDs von 200



Siehe auch:
Eivør Pálsdóttir

 200: Viva La Republica

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Gogo Blues: Face To Face With The Devil
(2006, Tutl HJF138 )

Eine gewisse lakonische Souveränität gehört zum Blues wie der Spargel zum Frühling. Die Schläge, die uns diese unberechenbare Macht namens Schicksal verabreicht, die schwächen uns. Aber brechen tun sie uns nicht. Wir machen weiter, trotz vieler Blessuren. GoGo Blues sind ein Trio von den Faröer Inseln, die die wichtigste Grundregel verstanden haben: Jammern gilt nicht! Mit zärtlicher, behutsamer Melancholie nehmen sie die bekannten Versatzstücke des Genres auf, betrachen sie aufmerksam und verwenden sie für ihre Zwecke: an einem fast verlassenen Bahnhof auf den nächsten Zug warten, egal wohin, Hauptsache weg. Oder den mächtigen Fluß als Ort des Trostes. Oh!

Nur wir drei. Ein reduziertes, aber nachhaltig stabiles Grundgerüst. Sänger und Gitarrist Uni Debess, Basser Arnold Ludvig und Drummer Rógvi á Rógur. In der Tradition von Stevie Ray Vaughan. Aber keine servilen Wiederholungstäter. Die Musiker zeigen auf ihrem Debüt »FACE TO FACE WITH THE DEVIL« mit gitarrenlastigen Ausbrüchen und wildem Jammen, dass sie ihren Hendrix kennen. Schön! Und überraschend unberechenbar. (emv)

 Gogo Blues: Face To Face With The Devil

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Knút: On High
(2013, Tutl HJF244 )

Einen wie Knút Háberg Eysturstein hätte man gerne zum besten Freund: Der färingische Musiker hält auf seinem zweiten Album »ON HIGH« die hehren Werte des klassischen US-Americana-Rock der 70er Jahre hoch. Ein ganzer Kerl, aber einer mit Tiefgang, der keine Scheu vor großen Gefühlen hat: Denken wir an Jackson Browne und James Taylor, dann kommen wir der Sache schon näher. Wobei Knút nach allen Seiten offen ist: Gospeleinflüssen ist er jedenfalls nicht abgeneigt! Im feinen Titelstück zelebriert er einen innigen Gefühlspop, der hörbar in Richtung der norwegischen Kollegen von A-ha blickt, bis die souligen Frauenstimmen einsetzen und wir hörbar »hach« seufzen müssen. Weil diese melancholische Sehnsucht sehr ans Herz geht!

Knút ist ein sympathischer Familienmensch: Das Album zur Gänze in Torshaven im Wohnzimmer seiner Schwester aufgenommen worden. Und die wunderbar filigrane Piano-Ballade »I Long To See The City« stammt aus der Feder seines verstorbenen Großvaters und wurde auf dessen Klavier eingespielt. Dass er aber auch das rockige Rauhbein geben kann, macht Knút im kernigen, cowboy-affinen »Revolution Of The Heart« klar, zu der das Retro-Keyboard nach Herzenslust schwelgen und die E-Gitarre ein flottes Solo hinlegen darf. Ernsthaft Herzen brechen tut der färingische Musiker mit »Healing Heart«: Welche Herzensdame hört nicht gerne, dass der Himmel in ihrer Gesellschaft blauer aussieht? (emv)



Siehe auch:
A-ha

 Knút: On High

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Sigmund: Live With The Boogiemen
(2014, Tutl HJF361 )

Was ist denn das für eine Melodielinie im Opener »Shake It«? Ein in Stonerrock verwaschenes Remake von Jimi Hendrix‘ »Foxy Lady«? Und schon ist das erste Stück vorbei. Nach zwei Minuten. Wie der 39-Minüter wohl weiter geht? Ziemlich ähnlich. Alle elf Lieder sind irgendwo zwischen Blues-Pentatonik und Retrosound angesiedelt, mal reiner und balladesker (»Come On«), mal lauter und schriller wie im »Seven Sheep Farm Blues« – der laut Sigmund folgende Geschichte erzählt: »a lonesome farmer, who loathes the modern world that is slowly closing in and suffocating him. All his human friends have long since left this earthly realm and now his only friends include the few sheep on the farm, a haunting ghost in black, and the spirit of a lion.« Noch Fragen?

Das lässig groovende »Late Brunch« lässt ebenso wie »Have Love, Will Travel« kurz aufhorchen und das Bein im Takt wippen, doch insgesamt bleibt leider viel zu wenig von dem hängen, was Sänger/Gitarrist Sigmund und seine Live Crew von den Färöer fabrizieren – nicht mal die »lustigen« Bühnennamen wie »Shoe-Roar the Ghost« (Bass), »John Swine the Lion« (Schlagzeug) und »John the Babtist« (Tamburin/Hype Man). Manches ist vollkommen überflüssig, etwa das einminütige Intermezzo »Look Up And See Yourself«, anderes schon zu oft gehört – nur besser.

Fazit: Diese Band besitzt sehr viel Verbesserungspotenzial. (nat)

 Sigmund: Live With The Boogiemen

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Steso: Proper F**ked
(2012, Tutl HJF202B )

Huch, heidnische Mystik, Postrock und Ambient-Klänge! Das vielköpfige färingische Ensemble Steso setzt auf seinem Erstling »PROPER F**KED« auf atmosphärische Sounds fern allen Esoterik-Kitsches und seichter Mittelalter-Walle-Melodik. Und erschafft eine kraftvolle, latent beunruhigende, Schönheit! Mit Fantasy-Gegenwelten hat die Großgruppe von den Atlantikinseln nichts im Sinn: Man steht trotz der starker Verwurzelung im Vokalgesang ganz m Hier und Jetzt: Heftig hallende Rockgitarren, elektronische Beats und Mini-Moog-Klänge. Und darüber liegen diese engelhaften Frauenstimmen! Benannt hat man sich übrigens nach einem zynischen, kraftvollen Charakter, der im düsteren dänischen Drogenfilm »NORDKRAFT« eine der drei Hauptrollen spielt. Heile Welt ist anderswo!

Sicherheit ist eine Konstante, die man im musikalischen Universum von Steso vergeblich sucht: Zu unberechnbar sind die Sounds, die Hergeir Staksberg, der informelle Kopf hinter dem Projekt, und seine Mitstreiter hier entwerfen: In »Anechoic Chamber« setzt man auf lakonischen Sprechgesang, nur um diesen mit schamanisch klingenden weiblichen Vocals zu kontrastieren, dann in Richtung romantischer Ballade abzudriften, nur um zum Schluss gewalttätige Rockgitarren aufheulen zu lassen! Während beim Track »Ein Zwei Die« psychedelische Gegenwelten und Clubbeats Händchen halten und wüste Hyymnen anstimmen! Bei Steso ist alles im Fluss! Und die Akteure sind bereit zu immer neuen Abenteuern! Nach Veröffentlichung des Erstlings ist Staksberg nach Kopenhagen übergesiedelt und hat neue kreative Köpfe um sich versammelt. (emv)

 Steso: Proper F**ked

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Kári Sverrisson & Bendar Spónir: Nøkur Fá fet Aftrat
(2013, Tutl SHD149 )

Kári Sverrisson ist auf den Färöern seit Ende der 80er Jahre eine feste Größe im Musikleben: Als Singer-Songwriter hat sich der Mann aus der Hauptstadt Torshavn einen Namen gemacht und vor allem als treibende Kraft hinter dem innovativen Folk-Ensemble Enekk. Für das Allbum »NøKUR FÁ FET ATRAFA« hat sich der Szeneveteran mit dem Kollegen Bendar Spónir zusammengetan: Man zelebriert mit angenehmer Zurückhaltung den heimelig-rauhbeinigen Countryfolk mit deutlichem Liedermacher-Einschlag. Auch ohne jegliche Kenntnisse der färöischen Sprache erschließt sich hier sofort, dass hier zwei vom Leben durchaus gebeutelte Männer ohne Wehleidigeit ihre emotionalen Blessuren sortieren. Und natürlich ie kleinen Momente des Triumphs genießen!

Auf den Färöern war der Longplayer im Jahr 2013 unter den drei Kandidaten für das Album des Jahres und der Track »Stóra Lívmóðurin« unter den Nominierten für den Song des Jahres. Keine schlechte Ausbeute für ein Erstlingswerk! Mal polterig, mal feinsinnig, mal fast schon übermütig: Diese beiden gestandenen Kerle zählte man auch abseits der Musik zu besten Kumpeln! (emv)



Siehe auch:
Ennek

Kári Sverrisson: Nøkur Fá fet Aftrat

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