Nordische Musik » CD-Rezensionen » Nach Land » Rock » Island
Zur Hauptseite
Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Zur ersten Rezension

Zurück

Lange Rezensionen 1 - 10 von 32 im Genre »Rock« und Land »Island« (insgesamt 60)

Weiter

Zur letzten Rezension

Zeige   5 | 10 | 20 | alle   Rezensionen auf einer Seite

Nach oben

Mugison: Lonely Mountain
(2003, Lifelike /Zomba LL18CD )

Auf den ersten flüchtigen Blick erinnert die Aufmachung des Debüts von Ornelius Mugison an Sigur Rós – ein simpler Pappumschlag, bedruckt mit kleinen Bildchen und Zeichnungen. (Die Cover wurden übrigens von Mugisons Familie Stück für Stück mit der Hand während dunkler Wintertage zusammengenäht.) Und in diesem Tempo geht es weiter.

Denn Mugison ist ein spröder Singer/Songwriter, der eigenwilligen Charme verströmt. Rockig und kraftvoll und im nächsten Moment wieder schräge, schüchtern und verrätselt kommen seine Songs daher. Manchmal singt er eine Art Kinderlied, dann wieder schreckt er gerade diese zu Tode. Mal scheint er sich im Ungefähren zu verlieren, um kurz darauf gerade daraus sein Glück zu ziehen - wobei ihm die akustische Gitarre ebenso dienlich ist wie der Rekorder. Eine sehr spannend-ungewöhnliche Produktion, die auch nach mehrmaligem Hören ihre Geheimnisse nicht preisgibt. (frk)



Mehr CDs von Mugison



Siehe auch:
Sigur Rós

 Mugison: Lonely Mountain

Offizielle Website

Nach oben

ADHD: 3/4
(2013, Contemplate CMN 13001/13002 )

Ein ganz eigenes Klanguniversum: Irgendwo zwischen nordischem, nicht swingenden Jazz und gegniedeltem Indie-Rock kann man ADHD einreihen, aber es gibt kaum Vergleichbares. Óskar Guðjónsson (sax), sein Bruder Ómar (g, b), Davíð Þór Jónsson (org, p, g) und Magnús Trygvason Elíasson (dr) gründeten die Band bereits 2008, diese Doppel-CD musste ihrer Ansicht nach sein, weil das Material für eine zu umfangreich war. Wie man sich doch täuschen kann.

»3« macht deutlich, warum die Band bei genau diesem Label ist: kontemplativere Musik kann man sich kaum vorstellen. Die Musiker gehen so behutsam zu Werke, dass es fast schmerzt. Da reichen Melodien für lange Minuten, da wird ein Saxofon-Solo mit wenigen Tönen zur gefühlten Stundennummer. Da gerät der Hörer von Entspannung in Tiefenentspannung. Zumindest ansatzweise ist bei »4« nachzuvollziehen, warum ADHD Kultstatus genießen. Die Stücke sind nicht mehr ganz so schläfrig, zumindest ab »Nautn«, in dem aber Saxophonist Óskar Guðjónsson seltsam verloren wirkt. »Á Sama Stað« erinnert dann komplett an Bands der Weilheimer Szene der mittleren 90er Jahre. Und dann geschieht es: die Band wacht auf, im vorletzten Stück »Vog«! Ein kurzes Strohfeuer, mehr nicht.

Klares Fazit: für eine richtig gute LP-Seite reicht‘s. (tjk)

 ADHD: 3/4

Offizielle Website

Nach oben

Pétur Ben: God´s Lonely Man
(2012, Eigenverlag)

Braucht Island einen Mann in Schwarz? Unbedingt! Denn Pétur Ben kämpft auf seinem zweiten Solo-Album »GOD´S LONELY MAN« mit einer Intensität gegen Gott, Dämonen, Tod und Teufel, bis einem Hören und Sehen vergeht. Der spindeldürre Musiker mit dem Rumpelstilzchen-Charme bewegt sich hier in der Tradition großer Schmerzensmänner von Johnny Cash bis Nick Cave. Die düstere Seite des Daseins erkunden und dabei nicht emotional verbrennen: Das ist eine Gratwanderung, die nur souveränen Künstlern gelingt. Und oh Universum, wenn es mit rechten Dingen zuginge, dann wäre Pétur Ben berühmt und wüde große Hallen füllen. Denn das Wüten und das Aufbegehren sind keinesfalls eine Sache für Dumpfbacken: Wenn man sich diesen Gefühlen ernsthaft hingibt, dann wird man nur mit sehr viel Disziplin und ungeheuerer Leidenschaft zum Ziel gelangen. Daran scheitern die meisten. Pétur Ben ist die große Ausnahme.

Wenn er im Titelstück zu großer Geste ausholt und der Indierock nur den passenden Hintergrund für einen inneren Titanenkampf liefert, dann seufzt man tief: Genau so fühlt es sich an, wenn nichts mehr hilft und man auf sein rohes Selbst zurückgeworfen wird. Aber aufgeben? Niemals! Wer nun Angst vor zu viel Gefühl bekommen hat, dem sei gesagt: Bange machen gilt nicht! Denn das Schönste, was es auf diesem Album zu entdecken gilt, ist eine unbequeme Art von Zärtlichkeit. Und wie hingebungsvoll Pétur Ben das zelebriert! (emv)



Siehe auch:
Kippi Kaninus

Pétur Ben: God´s Lonely Man

Offizielle Website

Nach oben

Egill S.: Tonk Of The Lawn
(2000, Smekkleysa Records SM86CD )

Rock muss beileibe nicht einseitig sein. Rock kann mehr sein als nur ein öder Rückgriff auf vergangene Zeiten, als man noch auffiel, wenn man auf einer frisierten Mofa durch die Siedlung fuhr, während man zugleich bange auf den Benzinanzeiger schaute. Dann nämlich, wenn man die Geschichte des Rocks wie einen Steinbruch nutzt, um Neues zu kreieren. Egill Saebjörnsson ist so feinfühliger Kraftprotz, der über zwei grundlegende Fähigkeiten verfügt, den Rock zu dekonstruieren: handwerkliches Können (Musik machen können) und Humor (der angenehme Distanz schafft).

In diesem Sinne verwurstet Egills S. Deep Purple und Rod Stewart ebenso hintersinnig wie Thin Lizzy oder Queen. Frei nach der Devise: »I'm going out for a walk/I'm going to get some curtains/get something to cover my head«. Dabei kommt er angenehm unangestrengt daher, mit Lust an der Musik und fern jedes theoretisch intendierten Anliegens. Und man ertappt sich dabei, wie man zuweilen fröhlich mitschnippt, als sei es nochmal so wie damals, als man jeden Song für bare Münze nahm und noch an das gute Rebellische glaubte. (frk)

 Egill S.: Tonk Of The Lawn

Nach oben

For A Minor Reflection: Reistu þig Við, Sólin Er Komin Á Loft
(2007, Eigenverlag)

Man traut es sich angesichts der offenkundigen Unfertigkeit der Band kaum laut zu sagen, aber heraus muss es trotzdem: Die Debüt-EP dieser vier jungen Isländer, an einem einzigen Wochenende eingespielt, ist ein Triumph in Rohlingform. Mit einem großen Versprechen in die Zukunft. Warum? Weil trotz aller allzu offenkundigen Mängel beim Sound und trotz allerlei Holpereien beim Songwriting die unbedingte Leidenschaft dieser zum Zeitpunkt der Aufnahme kaum 18jährigen mitreißt wie ein Sturzbach. Kein Widerstand möglich.

Der Postrock mit seinem endlosen Verglühen in repetitiven Klangmustern ist ein reichlich von Dinosauriern zertrampeltes Territorium. For A Minor Reflection orientieren sich mit ihrer instrumentalen Variante des Genres klar an Vorbildern wie Mogwai oder Explosions In The Sky. Der Hang zum romantischen Ausleben zarter Gefühlstiefen könnte in der Familie liegen: Gitarrist Kjartan Holm ist der kleine Bruder des Sigur-Rós-Bassisten Georg Holm. Die nächste Generation aber steht mit den Jungspunden auf diesem sechs Songs umfassenden Minialbum in den Startlöchern: Mit einer naiven, aber selbstbewussten Ernsthaftigkeit. Mit dem Versprechen, über Grenzen zu gehen. Mit einer Fähigkeit zur Hingabe, die es einem eng ums Herz werden lässt. Und einem Lächeln, das trotz aller heftigen Ausbrüche durch die Songs leuchtet. Übersetzt lautet der Albumtitel: »Steh auf und strahle, die Sonne ist aufgegangen«. Wow. Passt. (emv)



Mehr CDs von For A Minor Reflection



Siehe auch:
Sigur Rós

 For A Minor Reflection: Reistu þig Við, Sólin Er Komin Á Loft

Offizielle Website

Nach oben

Fufanu: Few More Days To Go
(2016, One Little Indian)

Kürzlich hat Björk ihren 50. Geburtstag gefeiert. Und da die bekannteste Isländerin der heimischen Musikszene als Mitglied der legendären Sugarcubes entscheidend zum Durchbruch verholfen hat, kann man nach 30 Jahren von einer gewissen Traditionsbildung sprechen. Denn die Sprösslinge der Rebellen von einst drängen nun mit Macht ins Rampenlicht. Vorhang auf für Fufanu: Düster und unbestreitbar intensiv klingen diese Youngsters. Der Sänger vibriert vor nervöser Spannung. Brennt auf beunruhigende Weise. Das konmmt uns doch irgendwo bekannt vor, und das nicht zu Unrecht! Denn dieser Kaktus Einarsson ist der Sohn von Sugarcubes-Derwisch Einar Örn. Dass das Fufanu-Debütalbum »FEW MORE DAYS TO GO« nun bei Björks Stammlabel One Little Indian erscheint, ist irgendwie nur folgerichtig!

Fufanu, einst als Techno-Projekt gestartet, strebt mit heftigen Gitarren und ausufernden Songstrukturen in Richtung Postrock, Postkraut, Postpunk und Post-Joy-Division, um hier hier mal ansatzweise aufzuzeigen, wohin die Reise geht. Wer die alten Bauhaus-Alben wertschätzt, dürfte bei Fufanu wesensverwandte Geister finden. Klar, dass diese auf fünf Live-Mitglieder angewachsene Truppe ganz in schwarz gekleidet daherkommt. Kaktus Einarsson bewegt sich mitunter noch ungelenk und findet seine Posen erst noch. Aber diese dreiviertelerwachsene Jungspund strahlt eine unwiderstehliche Energie aus, wenn er in seine dunkelgrauen Gefühlszustände abtaucht. Songs wie das mitleidlos treibende »Now« entwickeln eine düstere Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Kaktus könnte der neue stylishe Schmerzensmann werden. Existentielle Angst: Örn Junior scheint schon in jungen Jahren zu ahnen, wie sich das anfühlt. Zuckerstück dieser Deluxe-Edition sind übrigens Remixe vom engen Freund der Familie: Damon Albarn! (emv)



Mehr CDs von Fufanu



Siehe auch:
Sugarcubes
Björk


 Fufanu: Few More Days To Go

Audio-Link Offizielle Website

Nach oben

Gavin Portland: Views Of Distant Towns
(2006, 12 Tonar 12T040 )

Island ist eine Idylle. Kein Volk stellt auf die Einwohnerzahl bezogen mehr Nobelpreisträger und Schönheitsköniginnen. Die Menschen sind glücklich. Manche Statistiken sprechen sogar vom glücklichsten Volk der Erde. 290.000 Menschen, irgendwo knapp südlich des Polarkreises. Nur eine Band ist sauer, schreit und reißt Furchen in den Teer der wenigen Straßen auf Island. Spekulativ ist der Inhalt – man versteht nun mal kein Wort, wenn Þórir und Kolli loslegen.

Aber das tut der Krawallstimmung keinen Abbruch, im Gegenteil. Es wird gegrollt; die Dynamiken überschlagen sich, wie es Jesus Lizard oder Jr Ewing nicht besser hinbekommen hätten. Hakenschlagende Tempowechsel lassen der Brutalität freien Lauf, Hardcore und Alternative-Rock umgarnen sich mit Todesstößen. Nur vereinzelt darf ein isländischer Mann Lyrik rezitieren oder lässt sich eine Melodielinie blicken – um dann in feinster Donnermanier unter dem aufkommenden Lärm bestattet zu werden. Die Band notierte: Aufgenommen und gemixt in 14,5 Stunden in Keflavik. Das ist ausdrücklich als Huldigung zu verstehen. Die alte Punkschule. Hart und roh. (maw)



Siehe auch:
Jr Ewing
My Summer As A Salvation Soldier


 Gavin Portland: Views Of Distant Towns

Offizielle Website

Nach oben

Gisli: How About That
(2004, Capitol /EMI 0724357888226 )

»Lesbischer Sex ohne Umschnallpenis« – so charakterisiert Gisli selbst sein künstlerisches Treiben. Was soll man auch sagen, wenn die Palette der Einflüsse schillert wie ein Benzintropfen in einer isländischen Gletscherpfütze? Lyrisch so ausgereift wie Adam Green präsentiert er mit seinem typisch verschnupften Gesang spröd-rockige Songs in Tradition von J. Mascis, wandergitarrige Kleinode aus Elliott Smiths Abstellkammer oder stolpernde Beinahe-Raps.

Schon im Kindesalter – so besagt es die Sage – hat Papa Gisli neben Frischfisch auch noch jede Menge Platten von seinen Kutterfahrten mitgebracht, was den Sprössling schon früh zu einer musikalischen Karriere veranlasste. Mit 18 zog es ihn dann nach Norwegen, wo er für eine Punkband Felle malträtierte. Seiner überbordenden Kreativität jedoch wurde dieser Kokon bald zu eng, und so entschloss er sich nun zum Einzelgängertum. Ein bisschen »Novocain For The Soul«, ein bisschen »Loser« und immer schön mit Wind in den zerzausten Haaren. (maw)



Mehr CDs von Gisli

 Gisli: How About That

Offizielle Website

Nach oben

GlerAkur: The Mountains Are Beautiful Now
(2017, Prophecy Productions /Soulfood )

Dunkel dräuende Sounds: Elvar Geir Sævarsson alias GlerAkur (übersetzt: Glasfeld) bewegt sich auf seinem Debütalbum »THE MOUNTAINS ARE BEAUTIFUL NOW« souverän zwischen sanften Ambientklängen, ausuferndem Post-Rock und rohen Doom-Gitarrensounds. Scheu vor der großen epischen Geste hat der Musiker nicht: Im 15-Minüter »Strings« macht sich Sævarsson selbstbewusst auf, um sich zum der heidnischen Hohepriester melodramatischer Klanglandschaften aufzuschwingen, die durchaus auch als Filmmusik für beunruhigende Untergangsphantasie dienenn könnten. Dass sich der Meister von der wilden Natur und der uralten Mystik seiner Heimatinsel inspirieren ließ, wird durch die Entstehungsgeschichte des Albums deutlich: Ursprünglich wurde die Musik für eine im Jahr 2015 entstandene Aufführung von Jóhann Sigurjónssons Drama »Fjalla-Eyvindur & Halla« am isländischen Staatstheater geschrieben, eines der ersten isländischen Dramen seit den Sagas des Mittelalters.

Zartbesaitete sollten sich jedoch von der Einspielung mit vier Gitarristen, zwei Schlagzeugern und einem Bassisten nicht abschrecken lassen. Hier finden sich in Tracks wie dem geheimnisvollen »Fagurt Er Á Fjöllum Núna« auch introvertierte Passagen, die mit ihrer zarten Melancholie überzeugen, ehe der Track wieder zu krachenden Gitarrensounds abhebt. Es ist vor allem diese unberechenbare Mischung aus Gefühl und Härte, mit denen Sævarsson hier überzeugt. (emv)

 GlerAkur: The Mountains Are Beautiful Now

Offizielle Website

Nach oben

Grísalappalísa: Ali
(2013, 12 Tonar 12T060 )

Menschen mit sensiblen Ohren werden die Töne, die Grísalappalísa von sich geben, als wüstes Geschrei bezeichnen. An Schöngesang sind die sieben Nachwuchskräfte um den ehemaligen Jakobínarína-Frontmann Gunnar Ragnarsson und den dichtenden Pizzabäcker Baldur Baldursson in der Tat nicht interessiert. Auf ihrem selbstbewusst dahingerotzten Debütalbum »ALI« setzen die anarchischen Sieben auf eine wüste Mischung aus isländischem Sprechgesang, wüstem Punk und krautrockigen Elementen und setzen als giftgrüne Cocktailkirsche verzerrte Saxofon-Sounds obendrauf. Unter einem Mangel an postpubertärer Rotzbengel-Energie leiden diese Mitzwanziger ohnehin nicht.

Die fast schon gewalttätigen Live-Auftritte des Sextetts sind in der isländischen Hauptstadt legendär: Vor dem Sprung in die Menge ist den Grísalapplísas sowieso nicht bange. Nur: In Albumform kommt diese fiebrige Fickerigkeit nicht so unmittelbar herüber wie auf der Bühne. Tauchen nach dem vierten Track, der nach dem gleichen Grundmuster aufgebaut ist, leise Ermüdungserscheinungen auf. »ALI« ist ein Jungs-Album. Dem irgendwann die kreative Puste ausgeht, wenn sich die Aggression irgendwann einmal erschöpft hat. (emv)



Siehe auch:
Jakobínarína

 Grísalappalísa: Ali

Offizielle Website

Zur ersten Rezension

Zurück

Lange Rezensionen 1 - 10 von 32 im Genre »Rock« und Land »Island« (insgesamt 60)

Weiter

Zur letzten Rezension



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche | Seite empfehlen

                     


© 2000 - 2017, Design & Programmierung: Polarpixel