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Alle Rezensionen zu Marja Mattlar
(Genre »Pop«, Land »Finnland«)

 

Kuu
(2012, ISIS Records ISD 121)

Fünf Jahre hat sich Marja Mattlar Zeit gelassen, die letzten beiden an dieser CD gearbeitet. »KUU« ist eine Hommage an den Mond, die Texte stammen wie die Kompositionen von ihr selbst. Sehr persönlich wie immer, ihre Texte (im Booklet auch in Englisch) sagen mit wenigen Worten viel.

»Se Mikä On« ist so ein schönes, fast schlichtes Liebeslied, nur mit Gitarre und ein wenig Piano. Generell sind die Songs zart instrumentiert: Marja Mattlar spielt Gitarre, als Arrangeur und Multiinstrumentalist fungiert Jaakko Viitala, mit dem Mattlar schon lange zusammenarbeitet. Dazu ein wenig Violine und Kantele, ab und zu ein Männerchor. Die Stücke werden teilweise durch instrumentale Brücken verbunden, die ganze CD wirkt dadurch als Einheit. Sehr intim klingt das, ihre Stimme steht im Vordergrund – ganz selbstverständlich, ohne sich aufzudrängen. Sie hat mit Ende 50 eine ganz feine und reife Ausstrahlung, auch wenn sie leise singt, kann man sich ihr nicht entziehen. (tjk)


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Marja Mattlar: Kuu

Offizielle Website

Offizielle Website      marjamattlar.net

   

Varhaisten Parhaita
(2010, ISIS Records ISD 101)

Ihre ersten Aufnahmen machte die 1953 geborene Marja Mattlar bereits 1970, ihre erste CD erschien allerdings erst 1993. Dazwischen machte sie Radioaufnahmen, Konzerte und bekam drei Kinder. Für diese Kollektion hat sie 12 Songs aus dem Keller ans Licht gezogen, die auf keinem der bisherigen Alben vertreten sind, und drei in leicht veränderten Arrangements.

Ihr erstes Lied war »Sateen Jälkeen« (dt. Nach dem Regen), für gut befunden und hier enthalten. Ihre frühen Songs sind deutlicher Folk-orientiert als spätere. »Entinen Ystävä« klingt fast amerikanisch, bevor Violine und Akkordeon sogar in Richtung Country ausschlagen. Sogar ihr Mann Tapio Mattlar ist hier und da zu hören, bei den späteren ist schon Jaakko Viitala aktiv, der ihr wichtigster Partner die ganze Karriere hindurch wurde. Bei ein paar der Songs mag man bedauern, dass sie bislang nicht veröffentlich wurden, »Kesken Jää Kertomus Rakkauden« beispielsweise, »Jäljet« und die oben genannten. Es sind aber auch ein paar Songs enthalten, die nicht unbedingt veröffentlicht werden müssen. »Todeksi Muuttunut Leikki« gehört dazu, da ist sie stimmlich nicht auf der Höhe. Für Fans zur Vervollständigung der Sammlung, ansonsten verzichtbar. (tjk)

   

Vuorenkylässä
(2008, ISIS Records ISD-081)

Aus Vuorenkylä – so der schlichte Titel des Live-Albums. Und es ist leicht zu erraten, was die in Helsinki geborene Künstlerin mit dieser Titelwahl bezwecken möchte. Sie will dem mitten im finnischen Nirgendwo liegenden Dorf ein musikalisches Denkmal setzen. Dem Ort, der zugleich für ihren ganz persönlichen Lebensentwurf steht: einerseits die räumliche Zurückgezogenheit zu suchen und andererseits offen für Neues zu sein und sich den damit verbundenen Herausforderungen zu stellen.

Geradezu symptomatisch fällt die technische und künstlerische Umsetzung ihrer Platte aus. Wie schon bei »POLKU« konnte sie Tyko Saarikko und Ilmari Issakainen als Produzenten gewinnen. Ihnen ist es zu verdanken, dass die vor allem von »TULI« und »VESI« stammenden Stücke nun etwas dunkler klingen. Gleichzeitig besinnt sich Mattlar auf das Elementare ihrer Musik; sämtlicher Zierrat bis auf Gitarre und Kantele musste weichen. Eine gute Entscheidung, tun sich doch in der vermeintlichen Einfachheit die tiefsten Abgründe auf. (map)

   

Polku
(2007, ISIS Records/MM Music ISD-071)

Vuorenkylä liegt etwa 200 Kilometer nördlich von Helsinki. Sonderlich viel gäbe es über das Dorf in Süd-Mittelfinnland wohl nicht zu berichten, wären da nicht Marja Mattlar und ihr Mann Tapio. Während Erstere für ihre Qualitäten als moderne Folkvirtuosin bekannt ist, hat sich Zweiter als Dorfaktivist verdient gemacht. Wer sich fragt, wie das zusammenpasst, muss nur in Marja Mattlars fünftes Studioalbum »POLKU« reinhören. Schon nach wenigen Takten glaubt man, die Silhouette Vuorenkyläs vor sich zu erkennen. Mit jedem Violinenzupfen kommt man der Natur ein Stückchen näher, mit jedem Flötenton atmet man mehr finnische Landluft.

Wunderbar unprätentiös taucht Marja Mattlar unter die Oberfläche alles Fassbaren. Sie besingt ein Leben im Einklang mit der Natur, ohne groß Worte zu verlieren. Vieles bleibt bloß angedeutet, so als misstraue sie etwas ihrer menschlichen Wahrnehmung und somit auch ihrem Menschsein. Die musikalische Umsetzung unterstreicht diesen Konflikt – vor allem dann, wenn sich hinter lieblichen Melodien beinahe zärtlich Dissonanzen zu erkennen geben und der Hörer Vuorenkylä wieder aus seinem Blickfeld verliert. Obwohl Marja Mattlar diese Zerrissenheit nicht auflöst, schafft sie es, ein ganzheitliches Bild zu vermitteln. Wie Zahnrädchen fügen sich die einzelnen Stücke ineinander und verschmelzen zu einer Einheit. Urwüchsig und kosmopolitisch zugleich. (map)

   

Tuli
(2003, ISIS Records ISD-032)

Viele denken bei Finnland an immerwährende Finsternis, wortkarge Menschen oder arktische Kälte. Der eine oder andere vielleicht auch noch an den (auf den ersten Blick) chronisch mies gelaunten Regisseur Aki Kaurismäki. Dabei sind dies die klischeehaftesten aller Klischees, denn Finnland ist genau das Gegenteil: hell, laut und warm. Wer das Vergnügen hat, Marja Mattlars »TULI« zu hören, wird verstehen, was gemeint ist.

Da wird in tiefstem Moll finnischer Pathos zelebriert (»Sinuun Kuuluu«) oder sich mutig in die seichten Gewässer der Weltmusik geworfen (»Irti«). Oder auch ganz zart und anders und vertraut alles Vorherige auf den Kopf gestellt (»Sudenhetki«). Ein wunderbarer Beweis, dass man auch Klischees etwas Positives und Wahres abgewinnen kann. Und Marja Mattlar – die finnischste aller Europäerinnen – tut das mit solcher Überzeugungskraft, dass man nicht umhin kommt, nach Norden zu blicken und den Winter herbeizusehnen. (map)

   

Vesi
(2000, ISIS Records ISD-2001)

Marja Mattlar präsentiert sich auf ihrem dritten Studioalbum »VESI« von ihrer ruhigen und nachdenklichen Seite. Während sie auf dem Vorgänger »LUMI« noch hemmungslos dem Kitsch frönte, weiß sie nun durch ernsthafte Töne zu gefallen. Sie besinnt sich zusehends auf ihre folkloristische Seele und bricht die poppigen Strukturen auf ein Minimum herunter: eine Offenbarung, da Marjas verspielte und melancholische Ader in keinerlei Wettstreit mehr liegen.

Dennoch bleibt es unverkennbar ein Tonträger von Marja Mattlar. Fröhlich- und Traurigkeit liegen immer noch dicht beieinander, nur mit dem Unterschied, dass die Übergänge jetzt wesentlich subtiler sind. Passend dazu ist die Instrumentierung angenehm zurückhaltend und dient vornehmlich dazu, Marjas Gesang stimmungsvoll und nuanciert herauszuarbeiten. Marja entwickelt sich kontinuierlich weiter und schaut dabei nach links und nach rechts, immer nach vorne und selten nach hinten. Das Ergebnis sind mehr Ecken und Kanten, wodurch Künstlerin und Kunst weiterhin an Profil gewinnen. (map)

   

Lumi
(1996, ISIS Records ISD-962)

Kunst und Künstler aus der Retrospektive zu beurteilen, ist immer ein bisschen vertrackt. Einerseits weiß man um die musikalische Entwicklung, behält sozusagen den Überblick über die Schaffensphasen und kann einfacher Zusammenhänge erkennen. Andererseits – gerade dann, wenn man mit einem späteren Werk anfängt und sich nach vorne arbeitet – ist es schwierig, die ersten Eindrücke nicht auf das Gesamtwerk zu übertragen.

In solch einem Dilemma steckt der Autor dieser Rezension. Zum ersten Mal begegnete er Marja Mattlar, als er ihr von Tenhi produziertes fünftes Album »POLKU« hörte. Und letzteres tat er auch nur – das gibt der Rezensent gerne zu –, weil es eben von Tenhi produziert wurde. Seine Begeisterung war groß, geradezu gewaltig, sodass er in all seiner Naivität glaubte, auch die früheren Alben würden klingen wie »POLKU«. Doch das tun sie nicht, was insbesondere für »LUMI« gilt: nicht dunkel und vielschichtig, sondern hell, einfach und nicht selten kitschig. (map)

   

Pariisi – Vuorenkylä
(1993, ISIS Records 82885-2)

Mit ihrem Debüt »Pariisi – Vuorenkylä« schafft Marja Mattlar spielend den Spagat zwischen tiefgründigem Musikverständnis und einer luftigen Spielweise. Ihr lieblicher Pop wurzelt zwar in der finnischen Folklore, zitiert aber stilsicher den französischen und italienischen Chanson. Daran nicht ganz unschuldig sind wohl die beiden Pariser Produzenten Gabriel Yacoub und Patrice Clementin, die Marjas Musik sozusagen international veredeln.

Titel wie »Yön haastaja« oder »Kukkiva kivi« spiegeln Marjas gesamte musikalische Bandbreite. Was klebrig beginnt und die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten droht, entfaltet nach einer Weile eine ungeheure Dichte und Vielseitigkeit. Marjas Gesang fügt sich nahtlos in das zarte Gitarren- und unaufdringliche Pianospiel ein und wird schließlich selbst zu einem Instrument. Ein paar Längen auf dem Album machen allerdings deutlich, dass Marja Mattlar ihr Potential noch nicht vollends ausgeschöpft hat. (map)



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