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Alle Rezensionen zu Susanna (aka Susanna Wallumrød)
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

The Forester
(2013, SusannaSonata/Cargo)

Die Grenzen zwischen Kunstlied und Kammerpop sind hier fließend: Für ihr neues Albumprojekt »THE FORESTER« hat sich Susanna Wallumrød mit dem norwegischen Neue-Musik-Klangköper Ensemble neoN zusammengetan. Und dabei eng mit den beiden zeitgenössischen Komponisten Julian Skar and Jan Martin Smørdal zusammengearbeitet. Wobei die beiden letzteren die Kompositionen von Susanna einfühlsam neu arrangiert und damit auf aufregende Art verfremdet haben. Konkret heißt das: Wir hören hier ein achtköpfiges Ensemble agieren, das aus den fünf Stücken eine dreiteilige Suite geschaffen hat und diese unter Live-Bedingungen in einem Stück eingespielt hat. Das hört sich in der Theorie kompliziert und kopflastig an, erweist sich in der Realität aber als sorgfältig zurückgenommenes, reduziertes Kopfkino. Das irgendwo zwischen Traum und Poem durch immer dichtere Baumfluten irrlichtert. Ein menschliches Urthema übrigens: Die Angst, sich im Wald zu verirren!

Ganz sachte gehen hier die Gewissheiten verloren. Der Schritt vom Wege als Bedrohung oder als Offenbarung: Die Pianistin und Sängerin hält die Dinge bewusst in der Schwebe. Experimentiert mit romantisch-schwärmerischen Kompositionen ebenso wie mit sachten experimentellen Klangspielen. So entzieht sich ihre geheimnisvolle Waldwelt geschickt allzu simplen Verortungen. Und bleibt mit Tracks wie »Oh I Am Stuck« flüchtig wie ein Reh hinter Laubbäumen: Schön, geheimnisvoll und flüchtig. (emv)



Siehe auch:
Wallumrød/Pessi
Susanna & Jenny Hval
Ensemble neoN

 Susanna (aka Susanna Wallumrød): The Forester

Offizielle Website

Offizielle Website      susannamagical.com

   

Triangle
(2016, SusannaSonata CD026)

Anfangs, mit ihrem »Magical Orchestra«, als eigenwillige Interpretin von Popsongs bekannt geworden, hat sich Susanna längst weit vom Pop entfernt. Nach Kammermusik mit dem Ensemble neoN, Voice-Avantgarde mit Jenny Hval, »Alte Musik«-Songwriting mit Giovanna Pessi und einer Poesie-CD mit Gunvor Hofmos Lyrik sollte man bei Susanna quasi auf alles gefasst sein. Und mit »TRIANGLE« ist sie nun in der Tat bestrebt, alles zu bieten: 22 Lieder, über 70 Minuten, mit 15 sehr unterschiedlichen MusikerInnen (z.B. mehrere aus Bands wie Moskus und Splashgirl), eine ambitionierte Reise durch den grenzenlosen Kosmos, der heute Susannas »magisches Orchester« ausmacht.

Das erinnert nicht selten an Björks ambitionierte letzte CDs, doch Susanna hegt noch weniger Interesse, Popmelodien überhaupt zu bemühen. Ihr Sinn steht nach Kunstliedern, die sich unkonzentriertem Hören strikt verweigern. »Triangle« will bewusste Hingabe von uns, und in den besten Songs wie dem sechsminütigen schrägen Cello-Opus »The Fire« oder dem Noise-Synth-Voice-Experiment »Burning Sea« geht ihr Gesang eine faszinierende Beziehung mit der Musik ein. Insgesamt wurde ihre Stimme jedoch arg vordergründig gemischt, so dass die vielen Instrumente leider zu oft in den Hintergrund gedrängt werden. Nicht nur deshalb stellt sich über die Länge der CD doch eine latente Monotonie ein. (ijb)



Siehe auch:
Björk, Kate Bush, Stina Lordenstam, David Lynch
Harpreet Bansal
Moskus
Splashgirl

Audio-Link

   

Wild Dog
(2012, Rune Grammofon/Grappa RCD2128)

Wie schon beim Vorgängeralbum gesagt: Es ist der Fluch des perfekten Debuts. Als Susanna ihres 2004 zusammen mit ihrem Magischen Orchester Morten Qvenild vorlegte, da war die Perfektion der Songs, ihre Balance zwischen Kargheit und Intensität, fast erschreckend. Heute arbeitet die Sängerin mit der Ausnahmestimme mit wechselnden Musikern zusammen - hier unter anderem mit Supersilent-Computermann Helge Sten und dem Experimentalgeiger Ole Henrik Moe. Das zumindest ließe ein Album vermuten, das ebenso konsequent und herausfordernd wäre wie das Debut.

Dem ist leider nicht so. Susanna Wallumrød geht den Weg des geringen Widerstands und legt zehn Songs vor, die schön sind - aber deutlich unter den Möglichkeiten bleiben. Den Möglichkeiten ihrer Stimme, der sie keine Extreme abverlangt, weder die Kraft noch die Verletzlichkeit auslotet, die eigentlich drin steckten. Den Möglichkeiten der Songs, die viele gute Ideen bieten, aber deren Arrangements doch in allzu vielen Konventionen steckenbleiben. So plätschert das Album dahin - und lässt nur dann und wann, im plötzlichen dreckigen Aufheulen einer E-Gitarre oder im minimalistischen Muster eines Klavierpatterns, Erinnerungen wachwerden an das perfekte Debut damals. Mit diesem Fluch wird Susanna Wallumrød wohl leben müssen. (sep)



Siehe auch:
Helge Sten
Ole Henrik Moe

   

Jeg vil hjem til menneskene - Susanna Wallumrød synger Gunvor Hofmo
(2011, Grappa/Musikkoperatørene GRCD4337)

Und dann hat sie es doch getan! Direkt nach der Aufnahme ihres »Alte Musik«-Popalbums mit Barock-Harfenistin Giovanna Pessi ging sie mit einer norwegischen All-Star-Band in Stockholm ins Studio, um Gedichte der 1995 verstorbenen Poetin Gunvor Hofmo zu singen. Doch wer nun ein weiteres Kapitel verhalten-verträumt-introspektiver Melancholie erwartet, hat sich gründlich getäuscht: Mit dem famosen Akustikquartett aus Tastenmann Ståle Storløkken (Humcrush, Supersilent), Bassist Jo Berger Myhre (Mariam The Believer, Splashgirl), Multi-Perkussionist Erland Dahlen (Madrugada, Aarset) und besonders überraschend: Hans Magnus Ryan, Motorpsycho-Frontmann, an der E-Gitarre legt Susanna, diesmal ausnahmsweise mit vollem Namen, richtig los - und rockt (ein bisschen).

Dass die mitreißende CD hierzulande kaum vermarktet wurde und daher weitgehend unsichtbar (bzw. ungehört) blieb, muss wohl der Tatsache zugeschrieben werden, dass Susanna hier 13 Gedichte (aus den Jahren 1946 bis '55 und 1972 bis '76) einer norwegischen Lyrikerin vertonte, die jenseits ihres Heimatlandes als wohl als uninteressant und unverständlich abgetan wird. Doch welch eine Freude, die Sängerin mal von einer anderen, forschen Seite kennen zu lernen! Die Band ist in Topform, und die Texte sind, so packend interpretiert, so schwer verständlich nun auch nicht. Und, ach ja, Melancholie gibt's freilich auch. (ijb)



Siehe auch:
Hans Magnus Ryan
Ståle Storløkken
Jo Berger Myhre
Erland Dahlen

   

Flower Of Evil
(2008, Rune Grammofon/Cargo RCD 2080)

Susannas erste Alben waren eigentlich letzte Alben, perfekte, dunkel schimmernde Musikjuwelen, und keine Debuts, nach denen man noch besser werden könnte. Die Musik war kompromisslos entkernt, zum Bersten voll mit stillem Schmerz, minimalistisch und universal. Was sollte danach noch kommen?

Darauf hat Susanna Wallumrød bei »FLOWER OF EVIL« keine Antwort, was sie in zwölf neuen Cover- und zwei eigenen Songs beständig zu verbergen versucht. Ihr Ansatz: Die entkernte Musik mit den Mitteln von Arrangement und Klangvernebelung zu vergrößern. Das Ergebnis: Eine enttäuschende Gleichförmigkeit; die Songs funktionieren fast alle gleich, die oft verstörenden Überraschungen des früheren »Magical Orchestra«-Partners Morten Qvenild bleiben fast vollständig aus. Da hilft es auch nicht, dass das Eröffnungsduett mit Bonnie »Prince« Billy in Ruhe und Kraft nah an die ersten beiden Alben heranreicht. Zu viel Anderes ist zu kitschig, zu sentimental, zu glatt. Der Sog der schwarzen Schwermut wirkt nicht mehr, auch wenn Susannas Stimme weiterhin eine Ausnahmeerscheinung ist. Da hilft auch der CD-Titel nicht mehr mit seinem Wink in Richtung des so schön morbiden Bauelaire-Flairs.

Was also tun? Weg mit den Schnörkeln! Vielleicht ist es Zeit für ein Punk-Album. Einfach mal ordentlich die Seele aus dem Leib schreien. Und sie dann in aller Stille wieder in neue Songs hineinholen. (sep)



Siehe auch:
Christian Wallumrød

   

Sonata Mix Dwarf Cosmos
(2007, Rune Grammofon RCD 2066)

Für ihr erstes Soloalbum hat sich Susanna Wallumrød von ihrem magischen Ein-Mann-Orchester Morten Qvenild als festem Partner verabschiedet, dafür aber eine ganze Reihe von Rune-Grammofon-Kollegen ins Boot geholt: ihren Bruder Christian am Klavier, Øystein Greni an der Gitarre, Pål Hausken am Schlagzeug, Helge Sten mit seinem Mellotron, Bassist Ingebrigt Håker Flaten, außerdem eine Harfenistin und Thereminspielerin.

Jetzt sollte man trotzdem nicht mit überbordenden Arrangements rechnen; die Songs bleiben minimalistisch, entkernt, traurig, wenn auch nicht so düster und voller Weltschmerz wie auf den Vorgängeralben. Sanft verrauchte Jazz-Töne dominieren. Die zwölf selbstgeschriebenen Songs sind wohnlicher, ohne die dunkel saugenden Abgründe von »Jolene« oder »Hallelujah« – immer noch eher ein Herbst- als ein Sommeralbum, aber weniger konsequent, weniger kompromisslos melancholisch. Und dennoch ist Susanna mit ihrer verlorenen und doch so stilsicheren Stimme immer noch eine kostbare, schwarz schillernde Perle norwegischer Popmusik. (sep)



Siehe auch:
Susanna and the Magical Orchestra
Ingebrigt Håker Flaten
Christian Wallrumrød
Pål Hausken / In The Country



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