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Alle Rezensionen zu Sidsel Endresen & Stian Westerhus
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Didymoi Dreams
(2012, Rune Grammofon/Cargo RCD2131)

Wer dieses Duo einmal auf der Bühne nur sehen, nicht hören würde, der würde sich wundern. Da sitzt eine Frau (Sidsel Endresen) auf einem Stuhl oder Hocker, neben sich die Handtasche. Blick auf den Boden gerichtet, Hand am Mikrofon, Augen meist geschlossen. Weit von ihr entfernt, ohne Blickkontakt während des gesamten Auftritts, hat sich ein Mann (Stian Westerhus) vor einem Turm aus Technik positioniert, mit Gitarre. Während die Frau reglos sitzt, scheint er in Zeitlupe zu tanzen. Ein weiterer Blick zeigt: Der Tanz wird bestimmt von einer Unzahl von Effektgeräten am Boden rings um ihn herum, die er mit den Füßen bedient.

Nun zum Klang. Er ist das Gegenteil der Optik: Die Musik eines Duos, das so perfekt aufeinander hört und reagiert, dass man es kaum glauben kann. Sicher, man kennt Sidsel Endresens Stimm-Repertoire, den rauen Gesang, die schnarrenden Kehltöne, das Silbenrattern. Und auch Westerhus' Klangwände aus verzerrten, geloopten und geschichteten Gitarrensounds sind nach diversen Soloveröffentlichungen nicht unvertraut. Wie die beiden aber diese Welten zusammenbinden, die ins geräuschhafte erweiterte Stimme und den nahezu unendlichen Klangkosmos, der durch die technische Erweiterung der Gitarre entsteht, ist atemberaubend und dermaßen komplex, dass man nach dutzendfachem Hören immer noch neue Querverbindungen, Kontraste und Klangbiotope entdeckt.

Selten, dass wir dreimal sechs Sterne für ein Album vergeben. Aber manchmal ist Musik so gut, dass man sie durch nichts noch besser machen könnte. (sep)



Siehe auch:
Stian Westerhus
Sidsel Endresen
Puma
Endresen, Wallrumrød & Sten

Sidsel Endresen: Didymoi Dreams

   

Bonita
(2014, Rune Grammofon/Grappa RCD 2164)

Den Plan, aus ihrem gesammelten Live-Material zuerst eine songmäßigere, und später dann eine abstraktere Platte zusammenzustellen, haben Endresen und Westerhus wohl (fürs erste) ad acta gelegt. Obgleich es spannend gewesen wäre, herauszufinden, zu welcher der beiden Kategorien ihr schließlich mit dem Spellemannpris (dem »norwegischen Grammy«) in der Klasse »Jazz«(!) ausgezeichnetes Debüt zählte. Nach gefeierten Tourneen begaben sich die beiden rastlosen, vorwärtsdrängenden Stars der norwegischen Szene dann lieber ins Studio, um im August für ihr zweites Album neue Ideen auszuarbeiten. Und bereits Anfang November wurde »BONITA« veröffentlicht; so flott kommen heutzutage nur selten CDs auf den Markt. Beweis für das große Interesse, das Endresen/Westerhus aktuell zuteil wird.

Der Aha-Effekt vom vielgelobten »Didymoi Dreams« bleibt zwar aus; Unterschiede liegen im Detail. Die Grenzgänger schreiben im Studio ihre Stimm- und Soundskulpuren ohne Edits und Overdubs fort, wählen nicht plötzlich einen ganz anderen Ansatz. Etwas sicherer, fast kontrollierter wirkt das Duo unter Studiobedingungen, wobei Westerhus' Klänge nun harscher, aber auch variabler, vielleicht fordernder gegenüber Sidsel Endresens Parts auftreten. Die Suche nach der Musik der Zukunft geht weiter, mit Erfolg. Nur das Cover ist, mit Verlaub, ein echt uninspirierter Griff ins Klo. (ijb)

Audio-Link



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