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Alle Rezensionen zu Lars Graugaard
(Genre »Klassik«, Land »Dänemark«)

 

Lars Graugaard & Thomas Hejlesen: Tears of Dionysius
(DVD, 2015, Eigenverlag/clang.cl RN002)

Zwar handelt es sich bei dieser Veröffentlichung um eine DVD mit einem rund 65 Minuten langen Experimentalfilm, doch womöglich wird man dem Werk besser gerecht, wenn man es erst einmal als Musikstück rezipiert und sich nicht gleich den Bildern aussetzt. Die Musik ist nämlich für sich ambitioniert und hypnotisch genug, um sich davon, nun ja, verzaubern zu lassen. Das isländische CAPUT Ensemble, 2011 Träger des Preises des Nordischen Komponistenverbands (Council of Nordic Composers) und für zahlreiche Veröffentlichungen von Werken verschiedenster Komponisten geschätzt, bietet eine solide Interpretation von Lars Graugaards sanft mäanderndem Stück, das über eine (relativ lange) Stunde nie so recht zur Ruhe kommt, auch wenn die – unter anderem wegen ihrer spröden englischen Aussprache leider nicht wirklich überzeugende – Erzählerin Graugaards nicht gerade zwingenden Text nach Auszügen aus Friedrich Nietzsches »Geburt der Tragödie« (bitte selbst nachlesen!) hin und wieder aus der sich schnell einstellenden Gleichförmigkeit und Unprägnanz der Komposition enthebt.

Das Werk soll in 13 Szenen Geschichte und Natur der Sexualität des modernen Mannes behandeln. Ambitioniert, sicher – doch in der Ausführung letztlich wenig bestechend. Zu beliebig und allgemein werden die Motive dann auch noch durch den Film von Thomas Hejlesen umnebelt. Der montierte »lange vergessene erotische Szenen«, was konkret bedeutet: Allerhand Material aus ungenannten pornografischen, zwischen 1920 und 1940 gedrehten Filmen, teils verfremdet mit altmodischen (aber höchstwahrscheinlich digitalen) Experimentalfilmtechniken, Wiederholungen, Verlangsamungen und Verzerrungen. Zugegeben, die Bilder masturbierender Frauen und anderer Hardcoreszenen sind nett anzuschauen. Ob »Tears of Dionysius« deshalb provokativ oder gar innovativ ist, wie auf Lars Graugaards Webseite beschrieben wird...? Eher nein. Phasenweise immer wieder von musikalischem Reiz, jedoch vor allem dann, wenn man die Aufnahme unabhängig von den Bildern genießt. (ijb)



Siehe auch:
Lars from Mars
Lars Graugaard, Moritz Baumgärtner & Keisuke Matsuno
Infernal Machines
Lars Graugaard & Jean-Michael Pilc

Lars Graugaard: Lars Graugaard & Thomas Hejlesen: Tears of Dionysius

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      l--l.dk

 

Lars Graugaard: Venus
(2015, dacapo/Naxos 6.220628)

Zählt er mittlerweile auch schon langsam zur älteren Generation, so kann man Lars Graugaard eindeutig als zeitgenössischen Komponisten par excellence bezeichnen. Das vielseitige Schaffen des 1957 geborenen Dänen bewegt sich ungezwungen zwischen improvisierter Performance und Komposition, zwischen clubnaher, programmierter Elektronik und sperriger Orchestermusik, verbindet künstlerische Ausdrucksformen, ist ebenso philosophisch und theoriebeladen wie andererseits spontan und mit offenem Ausgang experimentierend. Das macht ihm so leicht keiner nach.

Mit »VENUS« präsentiert dacapo, das ambitionierte Label für zeitgenössische Musik, vier Werke, die für unterschiedliche Ensemblegrößen der New York University Steinhardt School of Culture, Education, and Human Development in Greenwich Village geschrieben wurden. Zwar sind diese Werke nach Partituren gespielt worden, doch für Graugaard sind das Komponieren mit Computer, etwa auf der Basis von IT-Forschung, und kognitive Musikwissenschaft wichtige Einflüsse und Teil der Performance. Mit dem Stichwort »interaktive Musik« zielt er auf ein einzigartiges und radikales Klangerlebnis ab. Zum Teil lässt sich dies in den vorliegenden Stücken finden und nachvollziehen, und der ausführliche und fundierte Beitext des chilenischen Komponisten Alejandro Guarellos liefert etliche wertvolle Verständnishilfen und Anstöße dazu.

Handelt es sich bei »Book of Throws« um das Wagnis eines improvisierten Klavierkonzerts (mit Ensemble), das Jean-Michel Pilc angeblich ohne jegliches Vorwissen über die Komposition eingespielt haben soll (mit beeindruckendem Erfolg, wie man unumwunden festhalten muss), ist »Venus« eine Art Konzert für Violine und Kontrabass, mit dem NYU-Sinfonieorchester das wohl klassischste, eingängigste Stück der CD. Die Solisten, vor allem der Pianist, werden zu einer Vielzahl stilistischer Ausdrucksformen aufgefordert; sperrige Gegensätze sind unbedingt erbeten. Im etwas überdrehten »Layers of Earth« treffen 15 druckvolle Perkussionisten, ein unbequemer Oboist und ein interaktiver Computer aufeinander. Sirenengeheul scheint Graugaards Musik zudem mit einiger Freude am enervierenden Zwischenruf vor jeder Gemütlichkeit bewahren zu wollen. Alles, nur nicht konventionell, dürfte des Komponisten Motto sein. (ijb)



Siehe auch:
Graugaard & Jean-Michel Pilc
Infernal Machines

Lars Graugaard: Lars Graugaard: Venus

Offizielle Website

Offizielle Website      l--l.dk



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