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Alle Rezensionen zu Bent Sørensen
(Genre »Klassik«, Land »Dänemark«)

 

Bent Sørsensen: Snowbells – Works for choir
(SACD, 2016, dacapo/Naxos 6.220629)

Der Anfang dieser eindrucksvollen CD führt ein wenig in die Irre, doch er tut dies auf eine produktive, auf eine befreiende, reinigende Klarheit schaffende Weise: Das gut einstündige Chorprogramm »SNOWBELLS« beginnt mit »Sneeklokken (The snowbell)«, das der Tenor Adam Riis alleine darbietet. Erst nach dem dem vierminütigen Solo erklingt »Sneklokker (Snowbells)«, das der CD den Titel gibt, ein knapp halbstündiges Werk für 5 Stimmen und: Kirchenglocken. Auch das hört man nicht oft, jedoch könnte man einwenden, dass die Glocken ein wenig over the top sind; die acht kurzen Sätze der »Sneklokker« sind in dieser Interpretation des Danish National Vocal Ensemble unter der sicheren Leitung Paul Hilliers intensiv und poetisch genug, auch ohne die eingespielten Glocken-Zäsuren. Der Zyklus entstand für eine Kunstinstallation, was den Einsatz der Kirchenglocken besser zuordnet. Für Sørensen spielt deren Jahrhunderte überdauernde, latent enigmatische Klang eine wichtige Rolle. Acht verschiedene dänische Dorfkirchen dienten hier als Inspiration für die Lieder und läuten als »Samples«, wie ein Kehrreim, den Themenkreis von Leben und Tod, von Liebe und Übernatürlichem ein – Motive, die auch in den übrigen hier vertretenen Werken wiederkehren.

Während der 1958 geborene Bent Sørensen in Skandinavien ein bekannter Name in der zeitgenössischen Musikwelt ist, vergleichbar etwa mit Wolfgang Rihms Status in Mitteleuropa, ist er trotz der Auszeichnung mit dem renommierten Musikpreis des Nordischen Rates (Nordic Council Music Prize) vor mittlerweile zwanzig Jahren (1996 für sein Violinkonzert »Sterbende Gärten«) außerhalb nordischer Regionen nur Kennern ein Begriff. Dabei ist sein Œuvre, verglichen mit manchen anderem Komponisten der letzten Jahrzehnte nicht schwer zu erleben und durchdringen, wie diese eindringlich dargebotene Zusammenstellung belegt. Warum Sørensens Chormusik nicht zumindest ansatzweise so gerne gehört wird wie etwa das Werk Arvo Pärts, darüber kann nur gemutmaßt werden. Paul Hillier bezeichnet den Dänen als »Romantiker mit modernistischen Tendenzen oder Modernist mit romantischen Neigungen« und beschreibt seine Musik als von zeitloser Schönheit durchdrungene »Erinnerung an Vergangenes«. So kann man festhalten: Es entstanden so etwas wie zarte Motette der Vergänglichkeit.

Trotz der Klarheit und gefühlten Einfachheit von Sørensens Vokalkompositionen sind die Stücke alles andere als einfach zu singen, warten mit verschiedenen herausfordenden Raffinessen für die Interpreten auf. Zwei Werke entstanden 1985, der Rest zwischen 2005 und 2010, wobei sich Sørensen (dänische und lateinische) Texte aus recht unterschiedlichen Quellen und Altersstufen als Ausgangspunkt nahm. Oftmals gewinnen die Lieder durch eine emotionale Direktheit, die sich, wie bei vielen großen Komponisten, umstandslos vermittelt, auch wenn man nicht Herr der gesungenen Sprache ist. (ijb)



Siehe auch:
Paul Hillier, Theatre of Voices: Dietrich Buxtehude
Ísafold Kammersveit: Bent Sørensen
Arvo Pärt
Niels Rønsholdt

Bent Sørensen: Bent Sørsensen: Snowbells – Works for choir

Video-Link

 

Air – Bent Sørensen / Hans Abrahamsen
(2016, ECM/Universal ECM New Series 2496)

In der gegenwärtigen Musikwelt, zumindest in Europa, gibt (wenn überhaupt) wenige Akkordeonisten vom Format Frode Haltlis. Der Norweger, der seit langem mit der Avantgarde-Komponistin und freigeistigen Noise-Musikerin Maja S. K. Ratkje nahe Oslo zusammen lebt und hin und wieder auch mit ihr gemeinsam spielt, ist seit vielen Jahren international für eine große stilistische Spannweite bekannt, von traditioneller skandinavischer Musik über zahlreiche Jazzalben (einige gemeinsame Projekte mit Saxofonist Trygve Seim erschienen bei ECM) in die Pop- und Chanson-Musik hinein. Doch besonders seit seinem ECM-Debüt »LOOKING ON DARKNESS« (2002), das ihn als Solist mit Werken von Sørensen, Schaathun, Lindberg, Lindborg und Ratkje präsentierte, ist er eine feste Größe in der europäischen Neuen Musik. Regelmäßig ist er mit neuen Werken zeitgenössischer Komponisten zu erleben, als Solist oder im Avantgarde-Trio Poing, das häufiger Uraufführungen und Ersteinspielungen präsentiert.

Sowohl das Arditti Quartett als auch die Trondheim Soloists sind ebenfalls seit langem renommierte Interpreten der klassischen und Neuen Musik. So ist diese gemeinsame CD eine sichere Bank in jeder Hinsicht. Selbst wenn Ihnen die beiden dänischen Komponisten nicht vertraut sind – Bent Sørensen wurde von Nordische Musik schon häufiger empfohlen, und Hans Abrahamsen ist durch Musikpreise und einige Projekte, z.B. bei Winter & Winter in den letzten Jahren auch hierzulande langsam, aber sicher ein Begriff – mit diesem intensiven Programm können Sie skandinavische zeitgenössische Musik so konzentriert und innovativ erleben wie selten.

Die Dramaturgie geht vom Großen zum Kleinen, beginnend mit Sørensens Konzert für Soloakkordeon und Streichorchester, »It Is Pain Flowing Down Slowly On A White Wall« (2010), über Abrahamsens elfminütiges solistisches Titelstück (2006) und seine »Drei Kleinen Nocturnes« (2005) für Streichquartett und Akkordeon endet die Reise mit »Sigrids Wiegenlied« (2010), wiederum von Sørensen, das, ursprünglich ein Klavierstück, als einziges Werk dieser CD nicht eigens für Haltli komponiert wurde. Dieser Aufbau ist schlüssig, aber auch ambitioniert, denn die kürzeren und unmittelbarer eingängigen Stücke sind die vier kurzen im letzten Viertel. Wer mit der nicht so häufig zu erlebenden Verbindung aus Streichern und Akkordeon wenig vertraut ist, erhält mit diesen Werken und den Meisterinterpreten eine nachdrückliche Einladung, die Sinne zu öffnen und assoziationsreiche Stücke im Grenzbereich von Tradition und Avantgarde, von charmanten bis spröden Melodien und ungewohnter Klangpoesie zu erfahren. Während die beiden Soli für das Zu-Sich-Kommen in Form klarer und bewusster Reflexion sorgen, wagen sich die Streicherwerke extrovertiert in die großen Geschichten, in volle Farbspektren hinein.

Paul Griffiths lieferte gewohnt fokussierte und bereichernde Liner Notes, die weitaus besser als eine knappe Rezension in die Musik und die Aufnahmen einzuleiten vermögen. (ijb)

Bent Sørensen: Air – Bent Sørensen / Hans Abrahamsen



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