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Alle DVD-Rezensionen zu Arvo Pärt
(Genre »Avantgarde«, Land »Grenzgänger«)

 

The Lost Paradise – Arvo Pärt / Robert Wilson
(2015, Accentus Music ACC 20321)

Bereits der Anfang dieses Dokumentarfilms – die im deutschen Fernsehen übliche Bezeichnung »Dokumentation« wäre zu geringschätzig für Günter Attelns starke Arbeit – lädt auf angemessene Weise in Arvo Pärts Welt ein: unprätentiöse Naturbilder, der Komponist geht unruhig durch ein Waldstück, die Kamera nah dran, als wolle sie den Künstler einfangen, doch er entzieht sich, da ihm die eigene Suche wichtiger ist. Auf der Tonebene sagt er nur einen Satz über das Adams-Gleichnis, der Pärts künstlerischen Weg charakterisiert und auf die in diesem Film dokumentierte Arbeit neugierig macht. Wie es sich für einen wirklich gelungenen Film gehört, kreist das Porträt schlüssig klug um das im Titel vorgegebene Thema, »Das verlorene Paradies«, das Günter Atteln als Grundthema des Komponisten ausmacht.

Vom ersten Bild, der ersten Szene an ist offenkundig, dass es sich hierbei nicht um eine typische WDR/arte-Produktion handelt, in der (zu) viele Studiointerviews mit üblichen Verdächtigen die Stationen und Infos zu Leben und Werk des Porträtierten abhaken. Mit 55 Minuten ist diese Veröffentlichung zwar recht kurz für eine reguläre, normalpreisige DVD-Veröffentlichung ohne Extras, zumal der Film vorher bereits für alle frei verfügbar im Fernsehen lief. Doch die exzellent aufgemachte Verpackung mit 20-seitigem Beiheft mit vielen Farbfotos rahmt die ungewöhnlich ruhige und offene Produktion, die durch eine qualitative Klarheit besticht, die sich ganz auf Augenhöhe Pärt und seinen interessierten Zuhörern begibt. »Das verlorene Paradies« ist weit mehr als nur ein »Making of«-Begleitfilm zur parallel als DVD veröffentlichten Produktion »Adam's Passion«, in der der Bühnenregiestar Robert Wilson erstmals eine eigens für die Bühne konzipierte Arbeit mit dem großen estnischen Komponisten entwickelt.

Wenige und kurze, aber essenzielle und prägnante Interviewkommentare von Sofia Gubaidulina, Paul Hillier und Gidon Kremer bieten mehr Anregung als jeder konventionelle Fernsehsprecher mit viel Informationsgehalt liefern könnte. Dass ausgerechnet Pärts größter Unterstützer und langjähriges musikalischer Partner, der Produzent Manfred Eicher, nicht mitwirkte, ist am Ende vielleicht sogar ein Gewinn, da sich Pärts Status so auch ECM-unabhängig überaus prägnant vermittelt. Und letztlich ist der Dokumentarfilm auch ohne übliches Blabla trotzdem eine Biografie, die dem Pärt-Gelegenheitshörer einiges mitzuteilen vermag. Mit Sofia Gubaidulinas Worten: »Er hat eine Kunst geschaffen, die uns alle anspricht und die wir alle benötigen.« (ijb)

Arvo Pärt: The Lost Paradise – Arvo Pärt / Robert Wilson



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