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Alle Rezensionen zu Sofia Härdig
(Genre »Rock«, Land »Schweden«)

 

And The Street Light Leads To The Sea
(2016, Solaris Empire/Broken Silence FILTHREC007 BS01722)

Nicht täuschen lassen! Beim ersten Stück, »Streets«, meint man noch, Sofia Härdig gehe geradlinig auf der Spur ihres vorigen Albums »THE NORM OF THE LOCKED ROOM« weiter, auf diesem etwas verschleppten, bluesigen Trip, und fast ist man ein wenig enttäuscht: Vier Jahre sind ins Land gezogen, und das kommt dabei raus? Aber nein, »Streets« holt uns nur dort ab, wo wir stehen gelassen wurden, und von da aus geht es kraftvoll zur Sache. Und »AND THE STREET LIGHT...« ist gegenüber den Vorgängern die weitaus bessere CD. Warum? Die Band spielt dichter, die Songs sind besser, der Sound hat mehr Raum – und die Gitarren (Sofia Härdig und John Essing): jetzt mit mehr Druck, mehr Energie, mehr Kraft.

Es röhrt und raunt, dröhnt und zischt: Sofia Härdig und ihre Band klingen nicht mehr wie PJ Harvey, sondern streckenweise eher wie Sonic Youth... diese Gitarren! Und wenn der Blues so richtig kracht, kommt einem vielleicht mal wieder Mark Lanegans Meisterstück »BUBBLEGUM« in den Sinn. Den einzigen Schwachpunkt, den »AND THE STREET LIGHT...« mit »THE NORM...« teilt: Das Album ist mit acht Songs (33 Minuten) schon wieder einfach zu kurz. Da freut man sich, dass hinten noch zwei starke Alternativ-Mixes (remixed und produziert mit Carl Granberg) gehängt wurden. Und ja: Lieber eine fantastische halbe Stunde als unnötige Lückenfüller. (ijb)



Siehe auch:
Knut Finsrud
Carl Granberg


Sofia Härdig: And The Street Light Leads To The Sea

Offizielle Website      www.sofiahardig.net

   

The Norm of the Locked Room
(2012 , Solaris Empire /Broken Silence SolarisEmp24/BS06937 )

Die neue PJ Harvey? Nein, die neue Sofia Härdig! Und sie steht dem großen Vorbild beinahe in nichts nach - allenfalls das Gefühl der Dringlichkeit, und damit das Energielevel, ist nicht ganz so hoch und eruptiv wie bei Pollys energischen Platten. So bietet sich die Schwedin Sofia Härdig mit ihrem neuen Album ein bisschen als deren zahmere Schwester an. Abwechslungsreicher druckvoller Gitarrensound, geistreiche, teils programmierte Drums, ein paar fantasievolle Einfälle auf den Keyboards - und mittendrin im rauen Mix Sofias bluesige, mit Effekten und Cut-Up-Techniken bearbeitete Stimme: »THE NORM OF THE LOCKED ROOM« ist von vorne bis hinten eine starke zeitgenössische, ach was: zeitlose, kantige Rockplatte!

Einziger Wermutstropfen: Sie ist zu kurz. Aber ach, Klagen auf hohem Niveau. Und lassen Sie sich nicht in die Irre führen: Wenn Sie irgendwo lesen, dies sei eine experimentelle Platte, dann bitte gleich wieder vergessen. Es sei denn, Sie stehen sonst auf rosa Blümchenklimperei. Da wären Sie bei Sofia Härdigs eindringlicher, ein wenig düsterer Bluespoesie in der Tat verloren wie ein verwehtes Blatt im Novembersturm. Langweilig war gestern. (ijb)

   

The Need To Destroy
(2006 , Filthy Records FILTHREC004 )

Für einen Moment war es da: das Gefühl glücksverzehren- der Überraschung! Dumpfes Geraschel, ein abbruchreifer Industrialbeat, eine bedrohliche Kontrabasslinie. Der zerkratzte und eigensinnige Beginn zeigt in Sekunden das neue Selbstverständnis von Sofia, die für das Programming wie für die komplette Platte nun alleine verantwortlich zeichnet.

Doch der Rückfall in alte Muster lässt nicht lange auf sich warten: verhärmter und verzerrter Gesang unter Tonnen von Geröll aus Noise-Elementen, extraschäbigem Gitarrensound und ewig vorbeiexerzierenden Wiederwiederholungen. Der Weg des Experiments nähert sich vielmehr der Unhörbarkeit – zumindest, was die volle Albumdistanz anbelangt. Denn weder Anflüge von Schöngeist noch Wille zur totalen Destruktion helfen diesem Album aus dem Morast des Kläglichen. (maw)

   

The Storm In My Head
(2005 , Filthy Records FILTHREC001 )

Nicht selten entscheidet die »Markanz« eines Instruments über gut oder böse, über lieben oder hassen, über Höhenflug oder Absturz. Diese Stimme! Holprig scheppernd beim Anlassen, und im kalten Zustand lauthals nagelnd. Dann kratzig zuckelnd, aggressiv röhrend und kurz vorm Absterben gelegentlich noch einmal luftig leer säuselnd. Störrisch bürstet Sofia mit ihrer unbequemen Stimme Songs gegen den Strich. Mit Schönheit oder gar Wohlklang hat sie es nicht wirklich.

Aber diese Unverkennbarkeit lässt aufhorchen – auch international. Neben vielen Auftritten und Kollaborationen in Schweden ist der Rest der Welt auch schon im Visier. Und ihre nervenaufreibende LoFi-Version von melodischem Blues-Punk dürfte wohl kaum zu überhören sein. Denn Contenance wahren auf ihrem Debut höchstens vereinzelte Pianoparts – die Gitarren und das Schlagwerk rumpeln in finstersten Ecken. Immer dann besonders eindringlich, wenn sich der Würgegriff der Dunkelheit und Bedrohung bei minimalistisch reduzierten Songs um die Kehle schlingt. So pur und filterlos entpuppt sich das Spiel mit dem Untergang nicht nur im Geiste als klassischer Rock'n'Roll. Vor lauter Leidenschaft immer kurz vor dem Abgrund. Und bald schon mehr als nur einen Schritt weiter. (maw)

   

The Demotapes Album
(2005 , Filthy Records filthrec002 )

Ah! Bluesschema, zwei Akkorde, schrammel, schrammel. Akustik-Gitarre, unverzerrte E-Gitarre. Dazu kratzt Sofias nölig-schräges Organ die Ohren blutig. Jedoch fehlt dabei immer dieser eine entscheidende Schrei, die letzte große Pose, um ernsthaft um diese Seele bangen zu können und vor Anspannung in vollster Konzentration gebannt zu sein.

So, wie es Sofia in ihrer Stube versucht hat: drei Wochen lang, abgeschottet und voller innerer Unruhe. Vollkommen abgeschottet? Naja, ein White Stripes-Album hat dann doch noch seinen Platz gefunden, wie »Nothing Can Save« offenherzig preisgibt. Mit Bluesschema, zwei Akkorden, schrammel, schrammel. Und eben nölig-schräg. Diese Lo-Fi-Aufnahme ist vielmehr ein redundantes No-Fi-Demo. Und nötig? (maw)



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