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Alle Rezensionen zu Boy Omega
(Genre »Pop«, Land »Schweden«)

 

The Ghost That Broke In Half
(2009, Riptide Recordings/Cargo RIP024)

Der junge, blasse Songwriter-Poet als Schmerzensmann. Martin Gustafsson alias Boy Omega hat sich für sein fünftes Album »THE GHOST THAT BROKE IN HALF« ins Homestudio zurückgezogen und die Produktion größtenteils im Alleingang eingespielt. Hat gegrübelt, gelitten und gerungen. Ist mit 15 Songs aus den dunklen Tiefen aufgetaucht. Hat er einen Schatz gehoben mit den Mitteln der musikalischen Katharsis? Leider nein. Denn Gustafsson will hier zu viel: den ganz großen Bogen spannen, alle Zwischentöne der Farbe Schwarz mit feinem Pinsel zeichnen, einen Schritt in Richtung Kammermusik-Schwelgerei machen und trotzdem die Gesetze der Popherrlichkeit nicht vergessen. Aber aus der Fülle wird Beliebigkeit: Hier streut er gesampelte Soundsprengsel ein, dort setzt er auf die üblichen verdächtigen Ausdrucksinstrumente von Streichern bis Synthies. Im Ergebnis wirkt vieles bemüht. Und darüber liegt Gustafssons helle Stimme, die sich scharf an der Grenze zur Wehleidigkeit bewegt.

Weniger wäre mehr gewesen. Denn sie blitzen immer wieder auf hier, die Momente emotionaler Innigkeit, wenn Herz und Songwriting wirklich Händchen halten wie beim berührenden Schlusssong »To Let Go«. Dass seine Freunde Rasmus Kellerman (Tiger Lou), Andrea Kellerman (Firefox AK) und Emelie Molin (Audrey) hier als Gastmusiker mitwirken, fällt übrigens kaum auf. Zu dicht ist das Gewebe selbstbezogener Innerlichkeit hier gewebt. Was gibt es hier für Gustafsson zu lernen? Vor allem diese Lektion: Nicht jeder Song muss zwingend auf eine Platte. (emv)



Siehe auch:
Tiger Lou
Firefox AK
Audrey
The Book Of Daniel

 Boy Omega: The Ghost That Broke In Half

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.boyomega.com

   

Night Vision
(2012, Tapete/Indigo TR239)

Wie ein waidwundes Bambi mit tellergroßen Augen präsentiert sich Boy Omega auf seinem sechsten Album »NIGHT VISION«. Dass Herr Martin Henrik Gustafsson ein großer Leider vor dem Herrn ist, hat er schon auf den Vorgängeralben bewiesen, aber hier versinkt der hochsympathische Musiker in einem klebrigen Zuckerbrei aus Larmoyanz. Unerträglich gespreizt kommt diese emotionale Nabelschau daher. Das erste professionell produzierte Album des Schweden erleidet Schiffbruch in einem Ozean aus Synthie-Limonade. Diese stringent durchgehaltene Betroffenheits-Attitüde, garniert mit bedeutungsschweren Gitarren, wirkt so dynamisch wie das Agieren der lokalen Kraftfahrzeug-Zulassungsbehörde. Schweißperlen entstehen höchstens beim bei den ausladenderen Songs »Trigger« oder »Cannonball«.

Ach, all diese hehren Gefühle! Ach, all diese Wallungen! Diese betont ehrlichen Emotionen, die so dick aufgetragen werden, dass sie letztendlich künstlich wirken. Weiche von mir! Denn dieser windelweiche Heulsusen-Pop macht die normalerweise friedfertige Rezensentin dieses Albums so aggressiv, dass sie Löcher in die nächstgelegene Rigipswand treten will. »Langweilig! Gehen Sie weg!« würde der neue Sherlock Holmes sagen. Mit Recht. (emv)

   

The Black Tango
(2006, Riptide Recordings RIP013)

Das Schöne am Songwriterpop ist seine Einfachheit. Ein Mann samt Holzkasten. Fragile Gitarrenklänge, tränentiefe Stimmen. Und Mollmelodien, die keinen Halt mehr finden. Tränen fallen hie und da ohne Grund über Wangenknochen hinab in die Tiefe. Die Tiefe, die auch Sehnsucht zu sein vermag. Suchend nach Verständnis, nach Liebe, nach irgendetwas, was den Boden zurück unter die Füße schiebt.

Und Boy Omega sucht. Seine Geschichten in die Saiten zerrend und mit Gespür für Songs, die kaum Aufreger sind. Er hat viel zu erzählen! Zwanzig Songs lang, die sich wie Dreißig anfühlen und wie fünf klingen. Sie schimmern und spenden nur so viel Wärme, wie eben nötig, um die kleine Flamme am Leben zu erhalten. Es ist ein bisschen der Sound der Einsamkeit und leider auch ein bisschen der Einfaltigkeit. (maw)

   

The Grey Rainbow
(EP, 2006, Riptide Recordings RIP015)

Nachdem das Großwerk des letzten Albums gerade einmal ein halbes Jahr an Reife gewonnen hat, gibt es nun weitere sieben Songs, die vermehrt an Vielseitigkeit gewinnen. Fast jedes Werk ist durchdrungen von einer eigenen Ästhetik. Mal reduziert und intim, mal ausschweifend mit hochfliegenden Geigen oder hoffnungsvoll romantischen Pianoklängen. Nur der Einsatz von elektronischen Beats gerät wie schon auf »THE BLACK TANGO« etwas plump und unbeholfen.

Oberflächlich betrachtet ist diese Zusammenstellung wohl das positivste Erzeugnis des jungen Schweden. Kraftschöpfend aus überstandenen Tagen und dennoch voller Melancholie, die aber kaum mehr bedrückend wirkt. (maw)

   

I Name You Isolation
(2004, A Westside Fabrication VIL006)

Ein Beinbruch beendete abrupt seine Fußballkarriere. Wenigstens behauptet das Martin Henrik Gustafsson, der Mann hinter Boy Omega. Von dort an verlor er das Ziel, wenigstens mit seinem musikalischen Talent erfolgreich zusein, nicht aus den Augen. Und seine Vorbilder unverkennbar auch nicht. Auf »I NAME YOU ISOLATION« zittert er vor Elliott Smithschem Weltschmerz, wirft sich mit Conor Oberst in die Verzweiflungsgrube und geheimkrämert mit versunkener Intensität eines Nick Drake. Flehend, wimmernd und tastend nach Auswegen.

Meist nur ganz reduziert mit einer Akustik-Gitarre im Anschlag wird Empathie und Fingerspitzengefühl gewiesen. Eine Spur anschmiegsamer werden die schnurrigen Kleinode immer dann, wenn verhalten scheppernde Drumparts, zartschmelzende Piano-Läufe und zusammengebastelte Saxofon-Einsprengsel die Schwermut durch Melancholie ersetzen. Zwischen Countrysong, Songwriter-Befindlichkeiten und Walzer-Anleihen gedeihen hier zwölf Songs voll Feinfühligkeit und Größe. (maw)



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