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Alle Rezensionen zu Madrugada
(Genre »Rock«, Land »Norwegen«)

 

Industrial Silence
(1999, Virgin/EMI 8.48181.2)

Als kämen sie aus den Staaten. Schon der erste Song »Vocal« startet mit Gitarren-Akkorden, die wie geschaffen sind für das Kino, für Cinemascope und stimmungsvolle Bilder von einem schweigsamen Neo-Cowboy in der Steppe. Unvermittelt fühlt man sich an den Pathos der Doors erinnert und an den zartbitteren Romatizismus von Chris Isaak oder Nick Cave. Oder eben an »New Country«-Heroen wie Whiskeytown und Wilco, dessen Ex-Gitarrist Bob Egan hier mitspielt.

Nur – Madrugada kommen nicht aus dem Wilden Westen, sondern aus Stokmarkenes, einem kleinen Fischerdorf auf einer Vesterålen-Insel, direkt an einer langen Brücke gelegen, der lebenswichtigen Verbindung zum Festland. Andererseits: Vielleicht ist das ja das Gleiche. Denn dort passt diese klagende, von gelegentlichen Rock-Ausbrüchen durchsetzte Musik auch wieder hin, die an der Seele zerrt und rüttelt wie der vom Atlantik blasende Nordwind. (peb)



Siehe auch:
Sivert Høyem


Zum Artikel über Madrugada

 Madrugada: Industrial Silence

Offizielle Website

Offizielle Website      www.emi.no/madrugada

   

Madrugada
(2008, Malabar Recording/EMI 50999 5203352 0)

Das sechste Madrugada Album ist überschattet vom tragischen Tod des Gitarristen Robert Burås, der vor Vollendung der CD aus dem Leben schied. Für Sänger Sivert Høyem und Bassist Frode Jacobsen waren die Aufnahmen thearapeutisch, berichten sie. Wenig verwunderlich durchziehen Schmerz, Verzweiflung und Wut das gesamte Album. Also eigentlich alles wie immer, könnte man meinen. Balladen wie »Honey Bee« oder das großartige »What's On Your Mind?« bilden die Gegenstücke zu rockigeren Songs, wie »Whatever Happened To You?«.

Mit »Our Time Won’t Live That Long« gibt es auch zum ersten Mal ein Stück, das Burås singt. Das Resultat beendet das Album, das wohl das letzte von Madrugada sein wird. Ein großer Abgesang der Band, die sich Ende 2008 auflösen wird. Wuchtig, dramatisch: Madrugada. (jew)

   

Live At Tralfamadore
(2 CDs, 2006, Virgin/EMI 0946 354761 2)

Natürlich gaben die Norweger ihr Konzert nicht auf dem Planeten Tralfamadore (eine Referenz an Schriftsteller Kurt Vonnegut Jr.), sondern ergänzten einen Mitschnitt aus dem Osloer Spektrum um Songs aus Brüssel, Bodø und vom Øya Festival. Schafft es die Band, den einstigen Zauber von »INDUSTRIAL SILENCE« zu erhalten, der sich von Album zu Album immer mehr verflüchtigte?

Immerhin: Madrugada beschwört diesen Zauber zum Beispiel im dramatischen »Strange Colour Blue« vom Debüt oder bedrohlich-düsteren »Black Mambo« vom zweiten Album; jüngere 0815-Songs dagegen wie »The Kids Are On High Street« sollte man überspringen. Dass das Bodø Sinfonietta Orchestra bei einigen Nummern assistierte, war eine gute Idee: Depri-Nummern wie »Only When You're Gone« oder »Sometimes I Feel Like A Motherless Child« klingen so noch tragisch-klagender. Insgesamt ein qualitatives Wechselbad. (peb)

   

The Deep End
(2005, Virgin/EMI 0724386097026)

Man muss Madrugada immerhin zugute halten, dass sie versuchen, jedem Album einen neuen Drall zu geben. Nach nordischer Rock-Schwermut auf dem epochalen Einstand (»INDUSTRIAL«), Sixties-Twang (»THE NIGHTLY DISEASE«) und Berliner Großstadt-Wut (»GRIT«) sind die vier Nordnorweger nun ins »Land der unbegrenzten Möglichkeiten« gezogen, um mit dort mit Americana-Fachmann George Drakoulias (Produzent von Tom Petty, Black Crowes, Jayhawks, Ride, Primal Scream) aufzunehmen.

Und sie klingen – wen wundert's – auch dementsprechend: nach glattem und wenig konturiertem Rumpel-Rock mit einer Prise R.E.M., Springsteen und eben Tom Petty. Ihre Identität haben sie damit weitgehend verloren: Nur selten flirrt die ehemalige klagende Melancholie wie ein rauer Nordwind durch die Songs. Veränderung – Gern. Aber zu diesem Preis? (peb)

   

Grit
(2002, Virgin/EMI 724354.2438.2)

»Das ist unser bestes Album« meinte Sänger Høyem bei der Veröffentlichung von »GRIT«, doch schon zwei Jahre später korrigierte er im Interview: »Die Hälfte des Albums hasse ich.« Gut nachvollziehbar – Madrugada wirken bei diesem in in Berlin aufgenommenen und von den Einstürzenden Neubauten sowie Can beeinflussten Aufnahmen unkonzentriert und konzeptionslos.

»GRIT« rockt zwar urban und depressiv; es erinnert an die Noise-Versuche von Velvet Underground und Joy Division: Wut statt Traurigkeit. Madrugadas ureigener Sound ging aber dadurch ebenso verloren wie ihre melodisch einprägsame Songwriterkunst. Ob ein Großstadtmoloch wie Berlin den Nordnorwegern wirklich weiterhilft? (peb)

   

The Nightly Disease
(2001, Virgin/EMI 24385.0996-2)

Madrugada – die spanische »blaue Stunde« kurz vor dem Sonnenaufgang. Eine Zeit, in der man besonders offen und verletzlich ist und eine Zeit, zu der man besonders düsteren Gedanken nachhängt. So wie diese nordnorwegische Formation, die im gottlosen Nick Cave-Sound über die »Black Mambo« singt, die einen fangen wird. Fangen wie die tieftraurige Stimung dieses Albums.

Sivert Høyem versinkt noch tiefer in geflüsterter Verzweiflung und halligem Ambiente, Gitarrist Robert Burås streichelt dazu Sixties-verliebt die stets zum Angriff bereite Gitarre, die zwischendurch immer wieder scharfkantig twangend losrockt. Und über allem hängt die theatralischtragische Stimmung der Tindersticks. Ein kleiner Rückschritt nach dem Debüt. Aber immer noch verdammt gut. (peb)



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