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Alle Rezensionen zu Esa-Pekka Salonen
(Genre »Klassik«, Land »Finnland«)

 

Esa-Pekka Salonen: Wing On Wing
(2005, Deutsche Grammophon/Universal 00289 477 5375)

»Volle Kraft voraus« – so lautet die pragmatische Überschrift Esa-Pekka Salonens drei orchestralen Weltersteinspielungen. Schon das dreiteilige Einleitungswerk »Foreign Bodies« konfrontiert den Hörer im wahrsten Sinne des Wortes mit »Fremdkörpern«. Musikalisch verweben sich die drei ineinander übergehenden Sätze als ein Konglomerat aus kammermusikartigen Passagen und rhythmisch vertrackten Elementen; sie erinnern zuweilen an Frank Zappas Orchesterstücke oder Ligetis mikropolyphonalen Stil. Stets umgibt die Musik eine Aura sphärischer Spannung. Salonen gelingt es eindrucksvoll, den Klangkörper des Finnischen Radio Symphonie-Orchesters dafür zu sensibilisieren.

Geradezu gemächlich und ausgesprochen leise entwickelt sich hingegen das zweite Stück »Wing On Wing« mit dem finnischen Sopran-Geschwister-Duo Anu und Piia Komsi. Der ruhige Grundtenor bleibt – bis auf eine etwas dynamischere Passage gegen Ende – erhalten, und so endet das Stück verhallend, wie es begonnen hat: im pianissimo.

Bei »Insomnia« wechseln sich bedrohliche Klänge vor den Crescendi und Decrescendi insbesondere der Bläsergruppen und des Schlagwerks ab: Man fühlt sich unweigerlich an John Williams Filmmusik zu »Star Wars« oder die »Unheimliche Begegnung der dritten Art« erinnert. Die Musik schwingt sich zu einem apokalyptischen Finale empor, um sich dann überraschend in der Weite des Alls zu verflüchtigen. Ein glanzvolles kompositorisches Zeugniss des hierzulande eher als Stardirigent bekannten Finnen. (ano)



Siehe auch:
Salonen dirigiert Lindberg
EMO Ensemble
Salonen dirigiert Hillborg

Esa-Pekka Salonen: Esa-Pekka Salonen: Wing On Wing

 

Esa-Pekka Salonen: Out Of Nowhere — Violin Concerto · Nyx
(2012, Deutsche Grammophon/Universal 00289 479 0628)

Es sind bereits ein paar Jahre vergangen, seit wir neue Werke von Esa-Pekka Salonen auf CD genießen durften, zu beschäftigt ist der Komponist wohl in seiner Tätigkeit als Dirigent (die ohne Frage nicht weniger wertvoll in der zeitgenössischen Musik zu gelten hat). Die spektakulären Orchesterwerke seiner letzten Werkschau bei der Deutschen Grammophon gehören sicherlich zum Besten, was die finnische, wenn nicht gar die europäische Orchestermusik im letzten Jahrzehnt hervorgebracht hat.

Aus dem halbstündigen Violinkonzert, für Leila Josefowicz geschrieben, spricht Salonens intensive - und intime - Kenntnis des Orchesterapparats, die er als Dirigent bis zur Meisterschaft verinnerlicht hat. Daher überrascht es nicht, wenn er eröffnet, für ihn sei dieses Werk »gleichermaßen Porträt von [Josefowicz] wie auch meiner eher privaten Geschichte, eine Art Zusammenfassung meiner Erfahrungen als Musiker und Mensch am Wendepunkt von 50 Jahren«. Natürlich, Salonen beherrscht die Komplexität und effektvolle, ja rauschhafte Wendigkeit und die kaleidoskopischen Möglichkeiten des Orchesters wie derzeit kaum ein anderer Komponist; sicher hat er seinen Lindberg gut studiert und achtet darauf, dieser Konkurrenz nicht leichtfertig gegenüber zu treten. Somit ist aber auch klar, dass Salonens jüngst mit dem höchst prestigevollen Grawemeyer-Preis gekröntes Werk ebenso Orchestersuite ist wie Violinkonzert - und darin ein wesentlicher Reiz besteht. Streckenweise vergisst man gar, dass man zu einem Virtuosenkonzert für die Geige geladen ist.

Anhand dieser exzellenten CD kann man spielend nachvollziehen, mit welch enormer Kraft und emotionaler Achterbahn Salonen als Komponist und Dirigent jeden Orchestersaal zum Beben und das Publikum zum kollektiven Orgasmus führen kann. Trotz klarer Bezugnahme auf die tonale Tradition - etwa Strawinsky oder Bartók - haftet seiner Musik nichts Altbackenes an. Im Gegenteil: So lebendig und nah am Menschen kann Neue Musik auch heute sein.

Die Orchesterphantasie zu Ehren der Göttin der Träume und des Schlafes, »Nyx«, erweist sich als perfekte Ergänzung des Violinkonzerts, als würde die Erzählung um ein weiteres Kapitel fortgeschrieben, nicht gar so extravagant und dramatisch, eher als ein dunkleres, in anderen Farben und Helligkeiten sowie vorrangig leiser schillerndes Nocturne für Orchester, in dessen mysteriöse Stimmung einzutauchen durchaus viel mit Traum und Nachtfantasien gemein hat. (ijb)



Siehe auch:
Magnus Lindberg

Esa-Pekka Salonen: Esa-Pekka Salonen: Out Of Nowhere — Violin Concerto · Nyx



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