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Alle Rezensionen zu Christian Wallumrød Ensemble
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Outstairs
(2013, ECM/Universal ECM 2289)

Dass Christian Wallumrød international bislang nicht die Bekanntheit vieler anderer (norwegischer) ECM-Musiker oder seiner jüngeren Schwester Susanna zuteil wurde, lässt sich vielleicht am ehesten damit erklären, dass der Stil, den er über die fünfzehn Jahre seit seinem Debüt immer weiter ausgefeilt und zur Meisterschaft verfeinert hat, so gänzlich ungreifbar und so flüchtig sensibel wie seine Kompositionen zwischen mehreren Genres wandeln, ohne sich jemals auf eine dieser Seiten zu schlagen. Seit dem famosen Trioalbum »NO BIRCH« als zum Aufnahmezeitpunkt 25-Jähriger spielte Pianist Wallumrød unter der Produzentenhand Manfred Eichers und mit stets wechselnden Ensembles ein halbes Dutzend Alben ein, von denen eins reichhaltiger und wundersamer als das andere ist.

»OUTSTAIRS« macht da keine Ausnahme. Einziger fixer Partner bleibt Schlagzeuger und Vibrafonist Per Oddvar Johansen. Mit Saxofonist Espen Reinertsen steckt nun das eigenwillige Bläserduo Streifenjunko (Trompeter Eivind Lønning ersetzte bereits zuletzt Arve Henriksen) gemeinsam im derzeit als Sextett aktiven Ensemble. Am Cello kam außerdem Tove Törngren für Tanja Orning. Vervollständigt wird die Gruppe nach wie vor von Gjermund Larsen, der die Position an Violine, Hardangergeige und Viola ab dem Album »The Zoo is far« von Nils Økland übernahm.

Wie gehabt komponiert Wallumrød keine Lieder, die Jazzstandards sein wollen, sondern feingliedrige, oftmals gar fragile Stücke, die ebenso gut als »Neue Musik« in der ECM New Series erscheinen könnten. Aus der Stille entstehen immer wieder vorsichtige Melodien, die stets andere Wege nehmen, als man das erahnen könnte. Jedes Instrument bekommt klanglich wie kreativ seinen eigenen Raum; in diesem Ensemble scheint es keine Tutti oder Soli zu geben, allein einen eindringlich dahingleitenden Fluss lyrisch-melodischer Stimmungen.

Zum prototypischen ECM-Projekt wird Wallumrøds Ensemble aber auch durch die wahrlich Grenzen sprengende Stilistik, die sich gleichermaßen aus der Kammermusik des 20. Jahrhunderts (Feldman, Cage, Kurtág...), norwegischer Folklore und sogar »Alter« bzw. kirchlicher Musik speist. »OUTSTAIRS« schreibt mit Leichtigkeit und doch emotionaler Intensität Wallumrøds exzellentes ECM-Gesamtwerk (inkl. dem kongenialen Quartett Dans les arbres) fort. (ijb)



Siehe auch:
Streifenjunko
Gjermund Larsen
Dans les arbres
Koboku Senjû

Christian Wallumrød: Outstairs

   

Kurzsam and Fulger
(2016, Hubro/Grappa HUBROCD/LP2573)

In den Jahren seit der letzten (mit dem »norwegischen Grammy« Spellemannpris ausgezeichneten) CD seines Ensembles veröffentlichte Christian Wallumrød drei Alben bei Hubro: seine erste Piano-Solo-Platte, eine LP im Duo Brutter und die Zusammenarbeit mit dem Trondheim Jazz Orchester. So ist es wohl konsequent, wenn das sechste Album unter dem Ensemble-Namen auch bei diesem Label erscheint. Es wird gemunkelt, dass dem Pianisten die Wartezeiten im zunehmend überfüllten release schedule von ECM zu lange wurden... Doch auch hier liegen geschlagene 18 Monate zwischen Aufnahme und Veröffentlichung, und es scheint eher naheliegend, dass Eicher und Wallumrød hier aus anderen Gründen nicht zusammenkamen.

Dem brillanten »OUTSTAIRS« einen Nachfolger hinterher zu schicken, dürfte ohnehin eine erschlagend schwierige Aufgabe gewesen sein; wohl auch deshalb ist »KURZSAM AND FULGER« eher vorsichtig, zurückhaltend, spröde und fragil ausgefallen. Wallumrøds stets im Wandel begriffenes Ensemble spielt diesmal im Quintett mit Trompete, Saxofon, Cello und Vibrafon, selten mit Schlagzeug statt letzterem. Es beginnt und endet melodisch, fast eingängig; dazwischen spielt die Truppe minimalistischer als je zuvor, introspektiv und getragen, nicht unähnlich Håkon Stenes Aufnahmen von Laurence Crane sowie anderer Hubro-CDs. Es ist, als würde das Ensemble langsam zerfallen, doch tut es dies in aller Seelenruhe und mit großer Aufmerksamkeit fürs Detail. (ijb)



Siehe auch:
asamisimasa: Laurence Crane
Håkon Stene
Tanaka / Lindvall / Wallumrød

   

Fabula Suite Lugano
(2009, ECM/Universal 2711269)

Nicht immer erschließt sich der Sinn der Stücke und Zwischenstücke auf Wallumrøds »FABULA SUITE«, die er mit seinem Ensemble in LUGANO aufnahm. Mit kompletter Besetzung entwirft er ein ganz eigenes Klanguniversum, das Barock, zeitgenössische Musik, Improvisation (nicht Jazz), imaginäre skandinavische Folklore und sogar fernöstliche Farben als Fixsterne trägt. Trompeter Eivind Lønning, Gjermund Larsen mit Violine, Viola und Hardanger-Fiedel, die Cellistin Tanja Orning und Giovanna Pessi an der Barockharfe tupfen, tasten, zirpen, streichen die Phantasien des Meisters zu Tönen, unterstützt von Schlagwerker Per Oddvar Johansen.

Allerdings werden diese teilweise längeren Stücke immer wieder durch Miniaturen unterbrochen, bei denen Wallumrød Klänge der einzelnen Instrumente, vor allem Piano und Harfe, aber auch »Drum« eine trügerische Stille durchdringen lässt. Dadurch steigt die Anzahl der Stücke auf 18 und die Spielzeit auf 65 Minuten, erlaubt sei jedoch die Frage: Was soll das? (tjk)



Siehe auch:
Giovanna Pessi & Susanna Wallumrød
Christian Wallumrød
Trondheim Jazz Orchestra & Christian Wallumrød

   

A Year From Easter
(2005, ECM/Universal 982.413.2)

Gut Ding will Weile haben: Dies gilt nicht nur für das Ensemble, das laut Wallumrød aufgrund einiger Konzerte endlich wie ein solches klingt, sondern auch für die Kompositionen. Sehr bedächtig, behutsam baut der Pianist seine Stücke auf; Linien werden wiederholt, leicht verändert, miteinander verwoben. Da steht ein wenig John Cage Pate, wie auch schon der CD-Titel verrät.

Bemerkenswert ist auch das Zusammenspiel von Arve Henriksen (tp) und Nils Økland an Violine und Hardanger Fiddle; ebenso bemerkenswert, wie diese beiden Instrumente harmonieren. Dazu kommt der höchst eigenwillige Schlagzeuger Per Oddvar Johansen, inzwischen als einer der innovativsten Drummer häufig bei spannenden Projekten anzutreffen. Wallumrød gibt mit Piano und Harmonium die Richtung vor: Im Spannungsfeld zwischen Jazz (oder besser: Improvisation), zeitgenössischer Komposition und Minimal Music errichten die Musiker ein Klanggebäude, das viel Aufmerksamkeit vom Hörer verlangt, diesen aber dann auch entsprechend belohnt. (tjk)



Siehe auch:
Christian Wallumrød Trio
Arve Henriksen
Nils Økland
Susanna Wallumrød

   

Sofienberg Variations
(2003, ECM/Universal 017.067-2)

Nach dem Trio das Ensemble. Und nicht nur der Sound ist voller geworden, sondern auch die Themen offensiver - nun unter Mithilfe von Nils Økland (Violine und Hardanger Fiedel), Arve Henriksen (Trompete) und Per Oddvar Johansen (Drums). Als Gast dabei ist nicht nur Trygve Seim am Tenorsaxophon, sondern mithin die ganze Garde der norwegischen Jazzmusik.

Zuweilen setzen die Musiker ihre individuellen Akzente auch gegeneinander durch, wenn auch weiterhin nicht die Stellen fehlen, in denen sich die Musik ins fast Unhörbare begibt. Hier ein Psalm, dort etwas Liturgisches. Hier eine filmische Sequenz, dann wieder dramatische Partitur. Und erneut muss man sich wundern, wie hell und dunkel zugleich Musik sein kann. (frk)



Siehe auch:
Per Oddvar Johansen mit T. Seim & Ø. Brække
1982
Nils Økland & Sigbjørn Apeland



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