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Alle Rezensionen zu The Source
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Of Christmas – Live
(2 CDs, 2007, Grappa GRCD4215)

»Christmastime and the weather is easy!« Nein, das ist kein Schreibfehler! Dies ist vielmehr die Ouvertüre zu einem ganz wunderbar-schrägen Weihnachts-Live-Doppelalbum, welches das norwegische Quartett The Source mit knapp 50 befreundeten Musikern aus mehreren Kontinenten im Jahre 2005 aufgenommen hat. Und soviel sei schon mal vorweg gesagt: Außer, dass Daddy auch zu Weinachten wohlhabend ist und die Mutti dabei unverschämt gut aussieht, kommt alles anders, als man sich das vorab vielleicht gedacht haben mag. Denn schon in diesem knapp fünfzehnminütigen Eröffnungsstück reißen sie mit der allergrößten Freude sämtliche Weihnachtsalben-Hörgewohnheiten ein, indem sie von Gershwins erwähntem »Sommer«-Hit nahtlos in eine Adaption von Stravinskys »Le Sacre de Printemps« wechseln, um mit »Winter Wonderland« schlussendlich doch noch in der richtigen Jahreszeit zu landen. Zuvor nehmen sie sich aber gerne noch die Zeit für ein paar Takte »Stille Nacht« als Hochgeschwindigkeits-Marsch.
 
Doch damit ist das musikalische Feld für die restlichen 130 Minuten bei weitem noch nicht hinreichend vermessen: So hören wir auf der ersten CD unter anderem einen furios intonieren Auszug aus Bachs Weihnachtsoratorium (»Jauchzet, Frohlocket«) und einige klassische amerikanische Weihnachtslieder (»White Christmas«), mit genretypischem Crooning. Aber The Source wären nicht The Source, wenn sie die Songs nicht bald herzhaften De- und Rekonstruktionen unterziehen würden. Unterstützt wird das Quartett hierbei sowohl von der 27 Köpfe zählenden fantastischen Royal Norwegian Navy Band als auch von brillanten Solisten wie etwa den Mezzosopraninnen Anne-Lise Berntsen und Tora Augestad, sowie den Sängern Jarle Bernhoft und Marvin Charles. Am Ende des ersten Teils bekommt sogar Mecki Messer einen Auftritt. Nicht ganz sauber im Versmaß heißt es dann: »Und der Weihnachtsmann, der hat Zähne…« Weil die bekannten Originale so ungewohnt mutig, aber trotz gelegentlichen Hangs zum Klamauk niemals respektlos angegangen werden, gerät das Doppelalbum bereits zu einer Hälfte zu einem reinen »Fest der Freude«. Wer mag, darf dies für sich auch gerne religiös deuten.

Die zweite CD bringt eine neuerliche Wendung, indem den zahlreichen Gästen, die aus dem Maghreb und dem Nahen Osten angereist sind (Fathy Salama, Cheb Hocine), ein weiter Raum gewährt wird. Sie entführen uns unter anderem in die Welt des Raï und nehmen sich dafür wie selbstverständlich vorzugsweise traditionelle norwegische Weihnachtslieder vor. Das birgt zwar einen großen Reiz, mag an der einen oder anderen Stelle aber für all jene, die sich hier musikalisch nicht so sehr beheimatet fühlen, die eine oder andere Länge bieten.

Das Publikum jedenfalls fühlt sich bestens unterhalten und dankt es den Musikern mit frenetischem Szenenapplaus, den man nicht immer vollständig nachvollziehen kann, weil man auf diesem Tondokument die sicherlich ebenso kuriose Bühnenshow leider nicht nachverfolgen kann. Das Booklet gibt ein wenig Aufschluss darüber und liefert für Eingeweihte noch eine weitere Erkenntnis: Bei diesem Event war Trygve Seim (noch) nicht der zotteligste aller Akteure. Der Weihnachtsmann, der natürlich auch seinen Auftritt hat, war ihm zumindest im Jahr 2005 noch um einige Haaresbreiten voraus... (stv)



Siehe auch:
Trygve Seim
Øyvind Brække & Trondheim Jazz Orchestra
Per Oddvar Johansen
Royal Norwegian Navy Band

The Source: Of Christmas – Live

Video-Link

   

The Source And Different Cikadas
(2002, ECM/Universal ECM 1764 / 0144322)

The Source formierte sich 1993 am Musikkonservatorium Trondheim mit Trygve Seim (ts, ss), Øyvind Brække (tb) und Per Oddvar Johansen (dr). Mit freiem Geist war ihnen, Herakles gleich, keine Aufgabe zu schwer: ob mit Rai- oder Opernsängern, mit Dichtern oder DJs, mit Motorpsycho oder Eishockeyspielern – egal, Hauptsache spannend! Und auch die Aufnahme mit dem Cikada String Quartet meistern sie problemlos.

Schließlich gesellen sich noch ein paar hochkarätige Musiker hinzu, etwa Arve Henriksen (tp) und Christian Wallumrød (p). Musikalisch trifft The Source recht gut das Zentrum eines Kreises aus Vesala und Garbarek, Ornette Coleman und Don Cherry, Stockhausen und Ligeti. Anders ausgedrückt: ein paar schöne Melodien und freiere Passagen in kühlen, ausgeklügelten Arrangements, eher hingetupft als gerührt oder gar geschüttelt. Oder noch anders: viel fürs Hirn, a bisserl was fürs Herz, und die Hüften haben Pause. (tjk)



Siehe auch:
Trygve Seim & Frode Haltli
Arve Henriksen
Christian Wallumrød
Edvard Vesala



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