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Alle Rezensionen zu Jon Balke
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Warp
(2016, ECM 2444 | 476 6047)

Selbst im Alter von 60 Jahren ist Jon Balke noch immer und weiterhin auf der Suche nach originellen Wegen und neuen Konventionen, nach ungehörten musikalischen Erfahrungen. Sieben Jahre nach der Veröffentlichung seines stilbildenden Meisterwerks »SIWAN« und den Aufnahmen der zweiten Klangforschung mit Batagraf sowie bereits fast zehn Jahre seit Einspielung seiner letzten Pianosoloplatte »BOOK OF VELOCITIES« legt Balke eine neue vor, wie es bislang keine vergleichbare gab – auch nicht bei ECM.

Dabei haben Solo-Piano-Alben seit jeher einen besonderen Stellenwert im Gesamtwerk von ECM/ Manfred Eicher, immer zwischen Jazz-Tradition und -Innovation. Etliche Klassiker des Genres fanden da ihren Weg zum Publikum. Gut möglich, dass sich »WARP« in diese Riege einreihen wird. Jon Balkes Album fügt lichte, zumeist kurze Pianoimprovisationen in eine »Klangarchitektur« ein, wie er es nennt. Er sei »am Klang von Räumen interessiert und daran, wie er uns beeinflusst. Können wir Klang als eine physische Umgebung erleben?«

Konkret hört sich das anders, weniger abstrakt und weitaus sinnlicher an, als man vermuten würde; zu hören sind die unterschiedlichsten »Environments«: atmosphärische Field Recordings aus der Natur am Randsfjord, wo Balke und Audun Kleive nach den Pianoaufnahmen im Rainbow Studio an den Sound Images bastelten, aus der Straßenbahn in Oslo, elektronische Elemente, ferne Gesangaufnahmen mit Mattis Myrland und Wenche Losnegaard oder auch mal die akustische Kulisse eines Spielplatzes, nie aufdringlich und vordergründig wohlgemerkt.

»Mir gefällt es, wenn der Hörer eigene Assoziationen mit den Sounds verbindet. Es ist gar nicht wichtig, was die Klangquellen tatsächlich sind. Vielmehr interessiert mich, was beim Hörer ausgelöst wird,« sagt Balke. Doch der Fokus ist zu jedem Zeitpunkt der Flügel, die poetischen, ebenfalls impressionistischen Improvisationen, die Balkes hohe Meisterschaft als Maler am Flügel ausweisen. Der Interpret und die künstlich geschaffenen Räume gehen eine faszinierend emotionale, sich durchweg gegenseitig bereichernde Beziehung miteinander ein, eine Einladung, sich das alltägliche Hören zu erleben. (ijb)



Siehe auch:
Wenche Losnegård
Jon Balke | Siwan
Jon Balke & Batagraf
Jøkleba (Jørgensen, Kleive & Balke)

Jon Balke: Warp

Video-Link

   

Book Of Velocities
(2007, ECM/Universal 1733276.5)

Jon Balkes Veröffentlichungs-Liste ist ziemlich imposant – und dennoch ist dies seine erste Solo-Piano-Aufnahme. Die ist dafür umso durchdachter und ausgefeilter – obwohl sie ganz auf Spontaneität beruht. 19 Miniaturen, in fünf Abteilungen gruppiert, jedes der kleinen Stücke erforscht eine andere Ausdrucksmöglichkeit des Klaviers: präparierte Saiten, Hall-Pedal-Effekte, simple Melodien, komplexe Cluster.

Nur der Pianist und sein Instrument, keine Spur von heutzutage allgegenwärtiger Elektronik – obwohl die Sounds, die Balke erzeugt, manchmal so klingen: gläsern, perkussiv, wie aus dem Synthesizer. Die Aufnahme horcht mit großen Ohren in den Flügel hinein, und so entgeht einem keine Nuance von Balkes hochkonzentriertem Spiel. Momentaufnahmen zwar, Schnappschüsse: Aber auf CD gebannt eignen sich viele der Miniaturen zum Immer-wieder-Hören, zum Hineinhorchen, zum Erforschen. Sehr schön, sehr fremd, sehr nah, sehr gut. (sep)



Siehe auch:
Jon Balke & Matthias Eick
The Adventures of a Polar Expedition
Jon Balke Magnetic North Orchestra

   

Rotor
(1998, Curling Legs CLPCD42)

Ein Flügel setzt verschlungene Melodien, sparsame Akkorde, kaum fühlbaren Rhythmus als Intro zu »ROTOR«, das der norwegische Pianist und Kompositionskünstler ausschließlich für sein Instrument und das Cikada Streichquartett geschrieben hat. Dieses steigt ein mit hingetupften Noten, die erst mal stehen bleiben wie eine Stange in der Wüste. Werden mehr, werden harmonisch, werden disharmonisch, scheinen zu quälen – und ergeben mit dem Piano ein spannendes Geflecht aus Klängen, größtenteils durchkomponiert, mit wenig Improvisationsraum ausschließlich für Balke selbst.

Reichlich kühl ist diese Musik, es könnte Filmmusik sein für einen düsteren Endzeit-Film in Schwarz-Weiß, in dem nur wenige überlebende Menschen sich durch karge, atomverseuchte Landschaften aus Stein ihren Weg bahnen. Nichts desto trotz ist »ROTOR« faszinierend, wenn man den verschiedenen Stimmen lauscht und sich überraschen lässt, was passiert – und was nicht passiert, denn zu Balkes Konzept gehört auch die Pause, das Nicht-Spielen als musikalisches Element. Jon Balke fordert seine Mitspieler und die Zuhörer; wer sich darauf einlässt, wird belohnt. (tjk)



Siehe auch:
Cikada String Quartet
Cikada Ensemble



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