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Alle Rezensionen zu Eldbjørg Raknes
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Sense
(2010, MY Recordings MY05)

Bevor man eine Raknes-CD anhört, setzt man sich immer aufrecht hin, atmet nochmal tief durch, macht die Augen zu, schließt die Fenster (wegen der Nachbarn) und macht sich auf was gefasst. Hier jedoch sind diese Vorsichtsmaßnahmen zwecks seelischer Gesundheit und Rücksichtnahme auf die Umwelt gar nicht nötig. Die Experimentalfrau zeigt eine zahme Seite - na gut, klar, vollkommen harmlos ist auch die nicht, aber hörbarer als das meiste, was es sonst von ihr so gibt.

Elf Tracks. Die ersten fünf so nah aufgenommen, als säße einem Raknes auf den Knien und hauche, zischle und gluckse einem ins Ohr. Die nächsten fünf dann auf Distanz, Frau Raknes singt und schreit aus voller Kehle, in einem Raum mit dem perfekten Nachhall. Der letzte Track dann versöhnliches Geklingel und der so charakteristische Raknes-Nonsense-Silbensalat.

Was jetzt vielleicht ein bisschen albern oder doch anstrengend klingt, übt einen starken Sog aus - weil der Hörer diesmal jede wirre Wendung, jede Silbe, jeden Stimm-Loop und jeden Trommelschlag gründlich nachhören und einordnen kann, ohne sich durch hundert andere Soundschichten zu wühlen. So entsteht ein verblüffend intimes Album - ja, wenn man ganz verwegen wäre könnte man sagen: Frau Raknes hat den Blues. (sep)



Siehe auch:
Eldbjørg Raknes & Oscar Grönberg
Stian Westerhus
TINGeLING

Eldbjørg Raknes: Sense

Offizielle Website

Offizielle Website      http://eldbjorgraknes.com/

   

Open
(2013, MY Recordings MY06CD/LP)

Nach zwei Alben in enger Zusammenspiel (und Produktion) mit Stian Westerhus wechselte Eldbjørg Raknes für ihr neues Album zu Audun Kleive, der sich über dreißig Jahre als Bandmitglied an Schlaginstrumenten und als Producer fast der kompletten norwegischen »Jazz«-Szene verdient gemacht hat. Der Klang und die Atmosphäre seines Studios in Skotfoss (Skien) werden von anderen Musikern in den höchsten Tönen gelobt, und davon hat sich offenkundig auch Frau Raknes positiv zum erweiterten Soundgestalten mit ihrer Stimme in und außerhalb ihres Resonanzraums inspirieren lassen.

Die durchschlagende Energie von »From Frozen Feet Heat Came« und die eindringliche Intimität von »Sense« sucht man auf »OPEN« allerdings vergebens. Die norwegische Stimmkünstlerin wirkt ein wenig unterspannt, und das nur fünf Stücke und 36 Minuten kurze Album gefällt sich mehr im spielerischen Probieren roher Stimmfragmente, die mittels Live-Sampling mal mehr, mal weniger verschachtelt werden. Raknes' Stimme bleibt diesmal leider eher Forschungsobjekt hinter Glas denn Instrument dichter Komposition, nuancenreich hin oder her. (ijb)



Siehe auch:
Audun Kleive

   

From Frozen Feet Heat Came
(2008, MY Recordings MY03)

Seit Jahren arbeitet sie an einer eigenen Sprache – das ist ganz wörtlich zu verstehen und bezieht sich nicht nur auf den musikalischen Ausdruck, obwohl man Frau Raknes auch daran immer wieder sofort erkennt. Hier auf dieser CD mischen sich verstehbare Worte von einer seltsamen poetischen Kraft mit Nonsense-Silben – und ebenso mischen Raknes, der Gitarrist Stian Westerhus und Eirik Hegdal mit Saxophon und Klarinette die Stile durch.

Da klingt ein Track mal nach verrauchtem Blues mit hohem Weltschmerz-Anteil, gleich der nächste überfällt den gemütlich zurückgelehnten Hörer mit schneidender Elektronik und zerhackten Samples. Mal lässt das Trio Glocken und Raknes' Stimme viel Luft und Freiraum, mal erstickt die eine musikalische Schicht unter der darüberliegenden. Das Ergebnis ist ebenso heterogen (und deshalb anstrengend) wie spannend – und musikalisch auf einem höheren Niveau als die Erzeugnisse vieler, vieler anderer Elektro-Krachmacher. Für den ganz großen Wurf, den Sprung in eine Liga mit Sidsel Endresen oder Maja Ratkje, fehlt noch ein bisschen Substanz. Aber Frau Raknes hat ja alle Zeit der Welt – und ist auf dem besten Weg. (sep)



Siehe auch:
Eirik Hegdal
Sidsel Endresen
Maja Ratkje
Stian Westerhus

   

Solo
(2006, MY Recordings MY01)

Nähme jemand ein psychiatrisches Kinderzimmer und stellte es an den Abgrund der Welt, um dann aus einiger Entfernung per Fernglas dem entrückten Treiben zuzuschauen, so wären die hoffnungsvoll debilen Lautmalereien und die aus dem Rahmen geruderte Vokalakrobatik eine Komposition, die »Solo« sehr nahe kommt. Nach diversen Kollaborationen im norwegischen Free Jazz-Umfeld und ihrem TINGeLING-Projekt ist ihr Solodebüt eine ausgefallen anspruchsvolle Angelegenheit geworden.

Ob nun Flugzeugstart-Geräusche imitiert werden oder das Schnarchen eines Braunbären im Winterschlaf – die heruntergestrippten stimmlichen Klangmodulationen versprühen immerwährend einen Charakter des Freigeistigen. Auch wenn zwischendurch norwegische oder englische Lyrik zitiert wird, ist sich meist die Improvisation Struktur genug. Wie Traumschleifen vergessener Erinnerungen und mondsüchtiger Poesie klingen die zugänglichsten Stücke. Die sperrigsten, wie »I Want To Go Back«, eher nach einem flüsterndes Rascheln und verwirrten Stoßlauten, die zu Hunderten in einem viel zu engen Käfig gefangen scheinen. (maw)



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