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Alle Rezensionen zu Huntsville
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

For Flowers, Cars and Merry Wars
(LP, 2011, Hubro/Grappa HUBROLP2505)

Das braucht Vinyl. Nadelkratzen in staubigen Rillen. Und psychedelische Tapeten. Am besten noch einen leichten Kater vom Vortag, und einen leeren Nachmittag ohne Pläne. Da hinein passt dieses Album mit dem verschrobenen Namen ganz wunderbar. Es ist hypnotisch wie das gemütliche Wummern einer Waschmaschine im Nachbarhaus, dabei immer schön abwechselnd (nicht zu schnell, zum Glück) verstörend und beglückend. Nicht nur zu Beginn, wo die bezaubernde Hanne Hukkelberg ein paar Zeilen beisteuert. Auch dann, wenn flatternde Loops und Gitarren-Drones sich ineinanderkuscheln und ruckend im Kreis zu rollen beginnen. Das klingt wie eine träumerische Wiedergeburt der guten alten Industrial-Tape-Schnippler, nach Zoviet France in friedfertiger Laune zum Beispiel. Oder nach den wenigen Überbleibseln eines Radio-Archivs aus den USA der 60er, aus denen ein paar Liebhaber sich eine wehmütige Erinnerungsmusik zusammengeklebt haben, die sie immer und immer wieder anhören.

Das reicht. Zu viele Bilder. Einfach schauen, dass man eine der Doppel-LPs ergattert (limitiert, wie sich das gehört für echte Krautrock-Erben). Und dann die Nadel laufen lassen. (sep)



Siehe auch:
Hanne Hukkelberg
Ivar Grydeland
Ingar Zach
O3

 Huntsville: For Flowers, Cars and Merry Wars

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.huntsville.no

   

Pond
(2015, Hubro/Grappa HUBROCD2549)

Wie es scheint, müssen wir uns langsam aber sicher von dem Bild verabschieden, das Huntsville für uns bislang verkörperten: Ausufernde, treibende Postrocksongs, die Erbe und Tradition des »Krautrock« in die Gegenwart herüberretten. Nach dem sehr freien, atmosphärischen »Past Increasing, Future Receding« wartet das norwegische Trio im Jahre 10 seines Bestehens zwar mit einer Spur mehr »Drive« auf, doch eine Rückkehr zum Rock von »For Flowers...« ist dies (leider?) nicht.

Viemehr lassen die nervösen Gitarren- und Rhythmus-Impros an das denken, das einst Tortoise und die Kollegen aus der nordamerikanischen Ecke als »Post-Rock« unter die Leute brachten. Auch die kantigen Geräuschexperimente von Sonic Youth oder Stian Westerhus kommen in den Sinn. Vier Stücke, jeweils zwischen 10 und 16 Minuten lang, auf der Suche nach einem Weg nach vorn präsentieren Huntsville hinter dem eigenartigen Titel »Teich« und dem seltsam profanen Cover. Langweilig wird's mit den Jungs so schnell nicht. (ijb)

   

Past Increasing, Future Receding
(2013, Hubro/Grappa HUBROCD2521)

Nach dem wunderbar mitreißenden Hubro-Einstieg im Krautrock-Stil entschieden sich Huntsville, ihr viertes Album wieder im Kerntrio einzuspielen und begaben sich dazu für drei Tage mit Tonmeister Thomas Hukkelberg ins 1926 erbaute Vigeland-Mausoleum in Oslo, wo unter anderem bereits Stian Westerhus’ jüngstes Soloalbum entstand, da der halbdunkle Raum für seine markante Atmosphäre und den zwanzig Sekunden langen Hall bekannt ist.

Aus nur drei Stücken setzt sich »PAST INCREASING, FUTURE RECEDING« wiederum zusammen, doch leider fehlt diesmal das gewisse Etwas, und die gute halbe Stunde Musik gewinnt nur selten Durchschlagskraft. Klanglich und atmosphärisch beeindruckt das Trio nach wie vor, doch das mäandernde Experimentieren kristallisiert sich fast nirgends zu der unvergleichlichen Dichte, die Huntsvilles bisherige Alben so stark machte. Am ehesten gelingt dies noch in der zweiten Hälfte von »The Flow of Sand«, wo irrlichternde Gitarrensplitter, beharrlich subtil variierter Rhythmus und auf- und abschwellendes Raunen und Dröhnen den Hörer gefangen nimmt. (ijb)



Siehe auch:
Stian Westerhus
Frode Haltli
Vertex/Dörner/Neumann

   

For The Middle Class
(2006, Rune Grammofon/Cargo RCD2058)

Jazz oder Elektronik? Das Trio Huntsville will sich da wohl nicht so recht entscheiden. In dem Fall ist aber gar nichts dagegen einzuwenden, denn die vier Stücke »für die Mittelklasse« gewinnen durch dieses Wabern zwischen den Stilen. Und der Hörer irrt mit: Ist die Perkussion perfekt gespielt oder digital geloopt? Ist das ein Bass oder eine Bassmaschine? Gitarre oder Synthesizer? Handgemacht oder maschinengefertigt lässt sich hier nicht mehr trennen.

Dabei klingt der Anfang noch wie reine Experimental-Elektronik: Nach über drei Minuten schält sich ein Beatmuster heraus, nach acht Minuten schillert der Klang dann hinüber ins Instrumentale. Die Highspeed-Rhythmus-Schleifen der 20-Minuten-Tracks peitschen ordentlich voran; dahinter klimpert, raschelt und zupft es improvisatorisch, plötzlich mit Hawaii-Gitarre oder einem Walking Bass, der die nervöse Trommel-Lokomotive auf einmal grooven lässt. Einfache Musik ist das nicht. Man könnte sie sogar anstrengend nennen, diese ausgestelle Nervosität und Auflösung aller Jazz-Strukturen – wenn sie nicht gleichzeitig so unverschämt lässig wäre. (sep)



Siehe auch:
Dans les arbres
Emo Albino
Mural



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