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Alle Rezensionen zu Olav Anton Thommessen
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

Olav Anton Thommessen: Bull's Eye. A symphonic Wrapping Of Ole Bull's »Concerto Opera I«, Please Accept My Ears, Cantabile
(2006, BIS SACD-1512)

»Mein Konzert ist in einem ziemlich neuen Stil abgefasst, dramatisch sozusagen.« Das schrieb 1834 der norwegische Violinvirtuose Ole Bull, der zwar den Part des Orchesters notierte, seine Solostimme aber immer improvisierte. 170 Jahre später setzt Olav Anton Thommessen (geb. 1946) genau hier an: Er formt aus der Musik der Vergangenheit etwas Eigenes, vollkommen Neuartiges – ein Spagat zwischen romantischem Melos und zeitgenössischem Klangband.

Herausgekommen ist dank der von ihm neu komponierten Soloviolinstimme eine Reise zwischen den Zeiten, die auch dem unerfahrenen Hörer die Ohren für aktuelle Klänge aufgehen lässt. Denn der 1946 in Oslo geborene Thommessen will mit »BULL'S EYE« (2002) nicht provozieren, sondern sucht bewusst den Zugang zum Publikum. Musikgeschichte als Steinbruch? Warum nicht, wenn der Rohstoff so genial aufpoliert wird! Als Zugabe folgen zwei nicht minder anregende ältere kammermusikalische Werke. (mku)

Olav Anton Thommessen: Olav Anton Thommessen: Bull

 

Olav Anton Thommessen: The Hermaphrodite
(2 CDs, 2016, Aurora/Naxos ACD5049)

Über den norwegischen Komponisten Olav Anton Thommessen, der im Mai 2016 seinen 70. Geburtstag feiern konnte, haben wir auf diesen Seiten bereits des öfteren geschrieben und auf die unangepassten Qualitäten seines komplexen Schaffens hingewiesen. Das Engegård Quartet präsentierte unlängst ein spätes experimentelles Streichquartett, Marianne B. Kielland und Nils A. Mortensen legten eine herausragende Einspielung seiner ebenso hochambitionierten wie monumentalen Fortführung von Griegs »Haugtussa«-Liedzyklus vor, und auch Peter Herresthal zeigte mit den Osloer Philharmonikern, wie Thommessen Musikgeschichte als Steinbruch nutzt, in diesem Fall Ole Bulls Violinkonzert. In seinem Heimatland ist der Komponist längst als einer der wesentlichen Komponisten der »Neuen Musik« anerkannt, über die Landesgrenzen hinaus hingegen nur marginal ein Begriff. Im Laufe seiner Karriere war er aktiv auch in der Vermittlung von zeitgenössischer Musik, auch weil sein Ansatz sperrig und beeindruckend eigenwillig blieb.

Das große norwegische Avantgarde-Label Aurora legt nun, 40 Jahre nach seiner Teil-Uraufführung im Jahr 1976, die erste Veröffentlichung der Kammeroper »Hermafroditten« (»Der Hermaphrodit«) als Doppel-CD vor, die Thommessen »zwischen 1970 und 1980« nach Texten von D.H. Lawrence, Isidore Ducasse und nach Teilen aus dem »Geheimen Markusevangelium« verfasste. Er selbst beschreibt das Werk als »Ballett-Oper« in sieben Teilen, die jeweils auch als unabhängige Kammermusikwerke betrachtet werden können, aber sich durch eine Darbietung in Folge zu einer szenischen Gesamtheit addieren. Inhaltlich ist das Werk als Allegorie des menschlichen Erwachens der Sexualität zu verstehen.

Genaueres ist über das Werk nicht ohne weiteres herauszufinden. Das Beiheft bietet zwar die Texte und fasst die assoziative Handlung zusammen, doch bedauerlicherweise mangelt es an einordnenden Liner Notes, die gerade bei derartigen (Erst-)Veröffentlichungen eigentlich zwingend wären. Da sich »Der Hermaphrodit« nicht so leicht erschließt und musikalisch auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat, wie so manches damals »modische« kompositorische Stilmittel deutlich macht, würde man sehr gerne mehr erfahren - nicht zuletzt auch darüber, warum diese Aufnahme der Oslo Sinfonietta unter der Leitung von Chefdirigent und künstlerischem Leiter Christian Eggen erst nach zehn Jahren im Archiv nun auf CD erscheint. Fotografien von einer der Inszenierungen wären ebenfalls schön gewesen, statt dass ausschließlich ein und das selbe Bildmotiv in zahllosen Ausschnitten die gesamte Gestaltung beherrscht. (ijb)



Siehe auch:
Oslo Sinfonietta
Christian Eggen

Olav Anton Thommessen: Olav Anton Thommessen: The Hermaphrodite



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