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Alle Rezensionen zu The Mary Onettes
(Genre »Pop«, Land »Schweden«)

 

Islands
(2009, Labrador LAB 125)

Ist die Melancholie von ihrer Natur her nicht ein leiser Zustand? Die Mary Onettes sehen das anders. Sehr anders. Beschauliche Innerlichkeit und zärtlich-sentimentale Rückschau sind ihre Sache nicht. Ganz im Gegenteil. Auf ihrer zweiten Veröffentlichung »ISLANDS« kommen Songs mit Titeln wie »Once I Was Pretty« und »The Disappearance Of My Youth« im pink-neon-grün-gestreiften Plastik-Outfit des 80er-Synthiepop daher. Hier wird so dick aufgetragen, als wollten A-ha, The Human League und Ultravox in der Revival-Disco Ringelpietz mit Anfassen spielen. Der Zuckerguss läuft nicht in Rinnsalen an dieser Aufnahme herunter, sondern in Flutwellen.

Künstlich, sehr künstlich klingt das. So wie früher Prickelpit schmeckte oder Waldmeisterbrause. Sehr stylish klingt das, sehr modebewusst und sehr, sehr konstruiert. Jede dieser kühl kalkulierend entworfenen Popmelodien, die nun durchaus catchy sind, trägt ein Statement mit sich: Du hast mich zu lieben, weil ich so perfekt mit dem 80er-Retro-Revival spiele! Wehe wenn nicht! Aber so funktioniert das nicht mit der Liebe: Man kann sie nicht am Reißbrett entwerfen und sie sich auf diese Weise verdienen. Woraus unweigerlich folgt, dass die Mary Onettes in all ihrer Opulenz eine merkwürdige Kälte ausstrahlen. Ich friere. Und ich möchte sofort ein Heringbrötchen mit viel Zwiebeln. Bitte. (emv)

The Mary Onettes: Islands

Offizielle Website

Offizielle Website      http://themaryonettes.net

   

Portico
(2014, Labrador/Broken Silence)

Eine Reise in unendlichen Weiten: Die Mary Onettes besteigen in ihrer Mini-EP »PORTICO« das Raumschiff und entschweben heftig trockeneisumnebelt gen Weltall. Aber ach, auch weit entfernt von irdischen Gefilden kann man dem eigenen Hang zum hochwertigen Melodrama doch nicht entkommen. Denn die Schweden klingen in Tracks wie »Silence Is A Gun« zwar spaciger als zuvor (sprich: noch mehr elektronische Efffekthaschereien), aber halten die Fahne des überkandidelten 80er-Synthie-Pops unverdrossen hoch. Völlig schwerelos die Dinge vergessen und das große Nichts finden will man, erklärt Sänger Philip Ekström den intellektuellen Überbau des Werkes. Wenn das Nichts so gepflegt plüschig klingt, dann kann es nicht der unangenehmste Zustand sein.

Die Lieblinge des Labrador-Labels schwelgen hier in bittersüßen Gefühle. Spüren der 70er-Sehnsucht nach, dass Lichtjahre entfernt ein besseres Universum zu finden sein muss. Und hey, zugegenermaßen: Im Instrumentalstückchen »Portico 2014«, durch das ein verstimmtes Barklavier irrlichtert, öffnet sich das Herz dann doch ganz weit für unbekannte Welten. Die natürlich unerreichbar sind. (emv)

   

Hit The Waves
(2013, Labrador/Broken Silence LAB145)

Die Mary Onettes klingen auf ihrem dritten Album »HIT THE WAVES« so, als trügen sie weiße Bundfaltenhosen, als hätten sie alle Model-Freundinnen und als urlaubten sie in einem exklusiven Club-Tropicana-Resort. Der 80er-Synthpop soll edel gewesen sein, pah! Da setzten die vier Schweden noch einen drauf, mit solch glattpoliert-perfekten Sounds, dass sich die Originale von Talk Talk, Spandau Ballet und ABC schon fast angeschmuddelt anhören. Ein schicke Melancholie zieht sich durch Songs wie »Don´t Forget (To Forget About Me)«. Sänger Philip Ekström leidet dekorativ am modernen Leben. Das hört sich sehr gepflegt, aber auf Dauer ein bisschen eintönig an. Fast wünscht man sich, dass doch endlich ein Pickel Ekströms Dandy-Stirn verunzieren möge. Vergeblich.

Songs wie das elegant seufzende »Black Sunset« hätten wunderbar auf den Soundtrack von 80ies-Teenie-Filmen wie »The Breakfast Club« gepasst, so gefällig-pastellig kommen sie im Retro-Charme des Föhnwellen-Jahrzehnts daher. Mit dem neuen Produzenten Dan Lissvik hat eine satt flirrende, südliche Opulenz in das Oeuvre der Stockholmer Einzug gehalten, was als Gegengift zum bislang unterkühlten Charme bestens wirkt. Dass viele der zehn Tracks recht austauschbar klingen, konnte auch Szene-Veteran Lissvik nicht verhindern. (emv)

   

Mary Onettes
(2007, Labrador LAB103)

Sie wissen Bescheid. Der Zeitgeist klingt ganz sicherlich anders. Wavepop mit viel Keyboardkleister und hochfliegenden Hymnensounds ist momentan nicht das, was Begeisterungsstürme auslöst und Verkaufszahlen auf Rekordniveaus hievt. Es ist der leicht angestaubte Klang der 80er, von The Cure und Echo & The Bunnymen, der mit feuchtem Tuch abgewischt und neupoliert wird.

Der akustisch gehaltene und wunderschöne Opener »Pleasure Songs« führt kurzweilig noch auf eine falsche Fährte. Flehend ergibt sich spätestens bei »Lost« und »Void« Philip Ekström in die Wogen der schmachtenden Synthies und der original retrogetrimmten Sechssaiter. Immer hin zu Höherem, gar Höchstem – wie es auch Strip Music zelebrieren. Denn auch wenn kaum jemand so charismatisch schwelgen kann wie Ekströn, ringt er um Geborgenheit. Doch sind die Songs oftmals nicht so clever, wie sie hätten sein können, um aus dieser guten Platte eine sehr gute zu machen. Eine, die dem exzellenten Artwork vollends entspricht. Aber das wissen sie sicherlich auch. (maw)



Siehe auch:
Strip Music



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