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Alle Rezensionen zu Dietrich Buxtehude
(Genre »Klassik«, Land »Dänemark«)

 

Dietrich Buxtehude: Vocal Music Vol. 1
(2007, dacapo/Naxos 8.557251)

Pünktlich zu Buxtehudes 200. Todestag landet Naxos einen richtigen Coup. Denn mit der Wiederveröffentlichung dieser CD (sie erschien einst beim dänischen Label dacapo) wird der leider noch immer viel zu wenig beachtete norddeutsche Meister nun hoffentlich auch einem breiteren Publikum bekannt werden. Er darf als einer der wichtigsten Komponisten des so genannten »Stylus phantasticus« gelten – und ohne die trockene Theorie zu bemühen, wird man die mit diesem Begriff verbundene unerschöpfliche Kreativität wohl auch besser hörend begreifen.

Als Lübecker Marienorganist hatte Dietrich Buxtehude (1637–1707) vor allem die musikalischen Bedürfnisse seines kirchlichen Brötchengebers zu bedienen – doch man muss nicht gleich die Hände falten, um an den hier eingespielten geistlichen Kantaten sein Vergnügen zu haben. Ohnehin lohnt die Produktion allein schon wegen des wundervollen glockenreinen Soprans von Emma Kirkby. Kurz und gut: für wenig Euros viel zu hören! (mku)

Dietrich Buxtehude: Dietrich Buxtehude: Vocal Music Vol. 1

 

Dietrich Buxtehude & Johann Adam Reinken: Sonaten
(2009, Mirare MIR 074)

Eine Einspielung voll zarter Töne und klanglicher Raffinesse. Und vielleicht kann es wirklich nur einem französischen Ensemble gelingen, diese intimen Sonaten des norddeutschen Barock in solche angenehm unaufgeregter Weise zum gefälligen Klingen zu bringen. Zugleich erzählt die CD die Geschichte einer musikalischen Freundschaft zwei Komponisten, die sich Ende der 1650er Jahre in der Hamburg als Schüler des großen Heinrich Scheidemann kennen lernten und die für mehr als ein halbes Jahrhundert währte – Reinken (um 1635–1722) schrieb später eine Hochzeitsmusik für den inzwischen in Lübeck wirkenden Buxtehude (1637–1707).

Beide waren als Organisten so stilbildend, dass später auch der junge Johann Sebastian Bach eine Pilgerfahrt gen Norden unternahm, um beide zu hören und deren Kunst zu studieren. Denn die Kunst dieser älteren Generation ist wahrlich meisterhaft! Dies zumal, wenn wie hier die poetischen und rhetorischen Element der Kompositionen belebt werden, ohne dass dabei eine bestimmte Interpretationshaltung als Ideologie in den Vordergrund gerückt wird.

Dass der auch aufnahmetechnisch rundum gelungenen Produktion ein durchdachtes Konzept zugrunde liegt, zeigt schon das Cover. Der Ausschnitt aus einem Gemälde von Johannes Voorhout (aus dem Jahre 1674) zeigt Buxtehude und Reinken beim gemeinsamen Musizieren ... (mku)

Dietrich Buxtehude: Dietrich Buxtehude & Johann Adam Reinken: Sonaten

 

Buxtehude and his Circle
(SACD, 2016, dacapo/Naxos 6.220634)

Wenn man weiß, dass Paul Hillier einst Gründungsdirektor des Hilliard Ensemble war, hört man beim Theatre of Voices und dieser CD gleich mit anderen Ohren hin. Letzteres Ensemble besteht indes bereits seit 1990, wurde von Hillier in Kalifornien gegründet, ist mittlerweile allerdings in Dänemark zu Hause. Erst in den letzten Jahren wurden Theatre of Voices über Kennerkreise »Alter« und zeitgenössischer Chormusik bekannt, obwohl ihr Repertoire außergewöhnlich vielseitig und ihre Interpretationen teils überragend, preisgekrönt und beim Publikum ausgesprochen beliebt sind.

Dieses erschöpfende, 75-minütige Programm mit Komponisten aus dem Buxtehude-Kreis während der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zeigt die Stärken des Ensembles mustergültig auf: die sieben SängerInnen und acht InstrumentalistInnen (2 Violinen, 2 Bratschen, Cello, Violon, Fagott und Orgel) gehen so sehr in den Werken auf, dass man sich wie in einer andere, ferne Zeit versetzt fühlt – und das gelingt ihnen eben so sehr, dass die Musik tatsächlich größer und präsenter wird als ihre Interpreten.

Ein nicht geringes Verdienst, denn ähnlich wie das Ensemble selbst ist auch das Werk des Organisten und Komponisten Diet(e)rich Buxtehude (dänisch Diderik Buxtehude) bislang weit weniger Menschen vertraut als das Schaffen einiger seiner Eleven, etwa Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel. Als er 1707 starb, war das anders, und der Kreis (heute wurde man Netzwerk sagen), der sich um ihn und seine Kunst zwischen Danzig, Lübeck, Kopenhagen, Göteborg und Stockholm bildete, soll im Rahmen dieser ambitionierten und wohlüberlegten Zusammenstellung ins Gedächtnis gerufen werden und zu Wieder- und Neuentdeckungen einladen. Komponisten wie Christian Geist, Franz Tunder oder Kaspar Förster aus der Zeit des Hochbarock, die Hillier und sein multinationales Theatre of Voices ausgesucht haben, sind derzeit vermutlich nur sorgfältigen Kennern ein Begriff. Umso wertvoller dieses Engagement, sie aus dem Schatten der Musikgeschichtsschreibung zu ziehen.

Dazu trägt auch das exquisite, mehrsprachige Beiheft mit ausführlichen Informationen und den gesungenen Texten maßgeblich bei. Klanglich bietet die SACD (mit dem entsprechenden Wiedergabesystem) eine makellose Mischung und ein eindringliches Erlebnis. (ijb)



Siehe auch:
Hilliard Ensemble
Paul Hillier / Jóhann Jóhannsson
Theatre of Voices: Pelle Gudmundsen-Holmgreen
Paul Hillier: Bent Sørensen

Dietrich Buxtehude: Buxtehude and his Circle



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