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Alle Rezensionen zu Oddarang
(Genre »Rock«, Land »Finnland«)

 

Agartha
(2016, Edition Records EDN 1079)

Eines sei gleich klargestellt: Der Titel hat nichts mit Miles Davis‘ gleichnamiger CD zu tun, sondern bezieht sich auf einen mythologischen Ort tief im Erdkern. Das finnische Quintett um Drummer Olavi Louhivuori begibt sich auf ihrem Trip ins Innere der Erde weit weg vom Jazz und hin zu Post Rock, Ambient und Prog Rock erkennbar nordeuropäischer Provenienz.

Cello und Posaune tragen häufig die Melodien, unisono kommt dem Hörer da manchmal eine ganze Klangwelle entgegen, vor allem wenn noch Klänge aus diversen Synthesizern dazu kommen – solche spielen nämlich inzwischen alle Mitglieder des seit der ersten CD unveränderten Quintetts. Soli im herkömmlichen Sinne gibt es bei Oddarang kaum, der Band-Sound ist das große Ganze. Mit breiten Wänden und stillen Momenten, mit großer Dynamik und subtiler Elektronik, mit hymnischen Melodien wie im wunderbaren »Central Sun«, verschiedenen Erzählebenen wie im über elfminütigen »Telos / Agartha«, mit zarten akustischen Gitarren, einem melodiösem Bass und gelegentlichen Stimmen, die sich auch in Chöre auswachsen dürfen. Das erinnert stellenweise an Pekka Pohjola, XL und Sigur Rós, Motorpsycho aus den 90ern, sogar an Sibelius hier und da. Man mag Oddarangs Musik stellenweise altmodisch finden und manchmal bombastisch, faszinierend ist »AGARTHA« allemal. (tjk)



Siehe auch:
Pekka Pohjola
XL
Sigur Rós
Olavi Louhivuori

 Oddarang: Agartha

   

Cathedral
(2012, Texicalli Records TEXCD 115)

Fünf Jahre hat es gedauert, bis Oddarang ein zweites Album veröffentlichen – kein Wunder, sind doch alle Bandmitglieder in verschiedenen anderen Konstellationen schwer beschäftigt. Viel verändert hat sich nicht, das Konzept wurde behutsam weiterentwickelt und perfektioniert. Nach wie vor ist der Gesamtklang der Band wichtig, herkömmliche Jazz-Soli finden sich auf »CATHEDRAL« kaum. Klanglich passiert bei Oddarang viel im tieferen Spektrum, Cello und Posaune harmonieren bisweilen so gut, dass sie wie ein Instrument klingen.

»CATHEDRAL« ist über weite Strecken eine meditative Jazz-Platte ohne Jazz – will sagen: Es swingt vordergründig nicht, aber hat einen unwiderstehlichen Flow, auch und gerade in Momenten, in denen die Zeit stehenzubleiben scheint. Louhivuori, der sieben von neun Stücken komponiert hat, lässt sich häufig viel Zeit, die Melodien aus zunächst fragilem Kontext zu entwickeln. Starke klassische und volksmusikalische Einflüsse kommen hier zum Tragen. Atmosphärisch ist das sehr dicht, sehr stimmig, von einer ganz wunderbaren Melancholie geprägt. Erst gegen Ende schichten Oddarang ihre gigantischen Klangwälle auf, die wie eine meisterliche Melange aus Prog Rock und Post Rock erscheinen. (tjk)

   

Music Illustrated
(2007, Laika/Rough Trade 3510230.2)

Gigantisch! Anders ausgedrückt: Diese CD ist ein Juwel! Eine junge Band mit einem gerade 25-jährigen Bandleader, der ausgerechnet Drummer ist. Zudem mit einer Frontline, die es so bisher ganz selten gab: Posaune und Cello, dazu Gitarre, Bass, Drums. Die Kombination aus Cello und Posaune ist ebenso neu wie gelungen: Beide Instrumente umspielen sich in halbdunklen Tonlagen und verschmelzen fast; sowohl Osmo Ikonen (vc) wie Ilmani Pohjola (tb) haben starke Momente. Darüber wuselt der quirlige Gitarrist Lasse Sakara, der toll groovt (»Still Unsure«) und flink soliert.

Lasse Lindgren spielt häufig akustische Bass-Gitarre und harmoniert wiederum glänzend sowohl mit Cello als auch den Drums von Louhivuori. Dieser leistet sich den Luxus, als Bandleader solistisch kaum in Erscheinung zu treten, trommelt aber ausgesprochen phantasievoll und ist immer präsent. Aber das verwundert nicht, wenn man man sein Talent als Komponist bedenkt. Stücke wie das sich fein aufbauende »Still Unsure«, das exstatische »Teema/Sininen Avain« oder »Hetki Vailla Valoa« ragen aus einer insgesamt außergewöhnlichen Jazz-CD heraus. (tjk)



Siehe auch:
Jukka Perko
Kalle Kalima
Kalima Trio
Alexi Tuomarila Trio



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