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Alle Rezensionen zu Atomic
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

Pet Variations
(2018, Odin Records CD 9568)

Mit für Jazzbands seltener Kontinuität existiert diese Band nun schon seit 2000, nach wie vor bewahrt sich das aus Norwegern und Schweden zusammengesetzte Quintett eine große Eigenständigkeit und klingt so fast gar nicht nach Nordeuropa. Ihre Haupteinflüsse sind eher Ornette Coleman und Charles Mingus, George Russell und Albert Ayler – entsprechend sind Atomic zwischen Modern Jazz und Free Jazz oder Avantgarde zu verorten, wenn’s denn sein muss.

Auf »PET VARIATIONS« haben sie sich ausschließlich mit Fremdkompositionen beschäftigt, abgesehen vom Titelstück, dass vom Pianisten Håvard Wiik stammt, allerdings in Brian Wilsons »Pet Sounds« übergeht: Ein Beach Boys-Stück hätte man bei Atomic nicht unbedingt erwartet. Das trifft auch auf Kompositionen von Edgar Varese und Olivier Messiaen zu, darüber hinaus haben sie bei Steve Lacy, Jimmy Giuffre und Garbarek zugegriffen – mit beeindruckendem Ergebnis. Fredrik Ljungkvist (Tenor- und Baritonsaxophone und Klarinette), Trompeter Magnus Broo, Ingebrigt Håker Flaten am Kontrabass, Drummer Hans Hulbækmo und der erwähnte Wiik bearbeiten das Material unterschiedlich stark, aber immer so, dass etwas völlig Neues dabei herauskommt. Alle fünf Musiker sind Großmeister, auf »PET VARIATIONS« ist diese Band in jedem Fall mehr als die Summe seiner Teile. (tjk)



Siehe auch:
Fredrik Ljungkvist
Magnus Broo
Ingebrigt Håker Flaten

 Atomic: Pet Variations

   

Theater Tilters
(2010, Jazzland/Universal 0602527334110)

Schon das achte Album des skandinavischen Quintetts. Und es ist nicht nur ein Doppelalbum (bei Bedarf auch in Form von zwei Einzel-CDs erhältlich), sondern vor allem ist es eine superbe Live-Platte. Wer die Chance bislang versäumt hat, Atomic im Konzert zu erleben, der hat zwar echt was verpasst, kann die Bildungslücke aber mit diesem Zustammenschnitt zweier Abende aus dem Oktober 2009 im Stockholmer Teater Lederman zumindest ein wenig verengen.

Mitreißend und vielseitig jazzrocken sich die fünf durch zehn zumeist zehnminütige klasse Stücke. Wenn man da noch sitzen bleibt, ist wohl Hopfen und Malz verloren. Atomic spielen beileibe nicht nur sperrige Free-Jazz-Nummern, sondern kreuzen unterwegs auch altmodischen Postbop, ein wenig Latin Jazz und eingänige Melodien. Bassmann Ingebrigt Håker Flaten und Drummer Paal Nilssen-Love sind die kraftvolle Basis, die das Tempo geschickt forcieren, wo Pianist Håvard Wiik die beiden heißen Bläser Fredrik Ljungkvist (Sax und Klarinette) und Magnus Broo (Trompete) gerne mal zu unerwarteten Wendungen einlädt. Die »Theater-Kipper« ist ein durchaus passender Zweiname für diese Energiebündelband. (lha)



Siehe auch:
Fredrik Ljungkvist
Paal Nilssen-Love
Ingebrigt Håker Flaten
Magnus Broo

   

Feet Music
(2002, Jazzland/Universal 016-558-2)

Denkt man an norwegischen Jazz unserer Tage, fallen einem fast automatisch die Musiker des ECM-Labels ein. Ihre meist weichen und »vermittelnden« Spielweisen haben den Jazz auch für Zuhörer geöffnet, die sonst schnell den Stop-Knopf drücken, wenn man Jazz-CDs auflegt.

Doch dank Bugge Wesseltofts Label »Jazzland« geht es auch anders: Die Band Atomic um den Trompeter Magnus Broo und den Saxofonisten Fredrik Ljungkvist hat sich entschlossen, das Verquere, das Sperrige, das Anstrengende des Jazz hochzuhalten und dennoch Klangerfahrungen zu vermitteln. Orientiert an Vorbildern wie Ornette Coleman oder Charles Mingus musiziert das Quintett mutig und entschlossen, aber auch verspielt. Und wenn man nur lange genug durchhält, wird ihre Musik tatsächlich sehr funky, sehr bildhaft - und die eben noch eben empfundene Anstrengung löst sich in Luft auf. (frk)



Siehe auch:
Parish
Fire! Orchestra
Circulasione Totale Orchestra
Scorch Trio



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