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Alle Rezensionen zu Jaga Jazzist
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

One-Armed Bandit
(2010, Ninja Tune/Rough Trade ZENCD 152)

Und weiter geht's – mit zwei neuen Mitgliedern steigt das Kollektiv Jaga Jazzist auf Level 5 ein. Zwei Drittel von Puma sind nun Teil des derzeit neunköpfigen Ensembles: Stian Westerhus, der gegenwärtige Gitarrenstar der norwegischen Jazzszene, und der Keyboarder Øystein Moen. Westerhus’ charakteristischer radikaler Sound, bekannt aus seinen anderen Kollaborationen, ist hier allerdings nicht vertreten. Jaga Jazzist zeichnen sich überhaupt dadurch aus, dass kein einzelner Musiker heraussticht. Das ganze Album ist geprägt vom Ensemblegeist. Offenbar bringt auch jeder der neun ein eigenes Genre mit, denn die Einflüsse und Bezüge sind diesmal komplett unübersichtlich. Fast alles, was die Band bisher schon einmal ausprobierte, kommt hier zusammen – und mehr: Filmmusik der 1960er ebenso wie Progressive Rock der Siebziger, Neunziger Downbeat/Elektro, Squarepusher, Frank Zappa, Tortoise und Steve Reich ...

Alles mögliche begegnet sich bunt und quer gemischt, und doch ist das Gesamtbild kein heterogener Gemischtwarenladen. Im Gegenteil: es bleibt absurderweise ein Nachgeschmack von zu wenig Abwechslungsreichtum. Alle Stücke folgen mit treibenden Rhythmen mehr oder weniger dem gleichen Muster und Tempo. Eine Schublade für diese Musik zu finden, ist nicht schwer: Prog-Jazz, denn die Siebziger sind noch am offensivsten beteiligt. Dabei ist »One-Armed Bandit« hin und wieder jenseits der Grenze zum recht glatten Zurschaustellen von musikalischem Ensemblegeist, streckenweise ist die Platte so stromlinienförmig wie die Songtitel beliebig – und damit gehobene Hintergrundmusik. Auch wenn man sich gut eingehört hat, bleibt leider festzustellen, dass man doch irgendwie mehr erwartet (oder erhofft) hatte von Jaga Jazzists fünftem Album, nach fünf Jahren Pause zudem. Mehr Mut – oder vielleicht doch auch mal das eine oder andere Hervorstechen der Mitglieder? Erst das letzte Stück »Touch Of Evil« hebt nach ein paar Solos schließlich mit Moens Keyboards so richtig ab, als wollte hier einer mal aus der Gleichberechtigung und Gleichförmigkeit ausbrechen. (ijb)



Siehe auch:
Stian Westerhus
Matthias Eick
Skadedyr
Puma

 Jaga Jazzist: One-Armed Bandit

Offizielle Website

Offizielle Website      www.jagajazzist.com

   

'94 — '14
(LP, 2014, Ninja Tune / Vinyl Box Set + DL)

Nicht verwirren lassen: Unter dem Titel »'94 — '14« und in verschiedenen Formaten (Vinyl/CD/Download) erscheint zwar eine Jubiläumsplatte zum Zwanzigsten der bekannten und beliebten Zwischen-allen-Stühlen-Band, doch handelt es sich hier nicht um eine sogenannte »Career Retrospective«. Vielmehr entschieden sich die umtriebigen Norweger für eine Neuausgabe ihres 2001er Werks »A Livingroom Hush«, nun für alle Hipster™ auch auf Vinyl — sowie natürlich mit diversem Bonusmaterial (Outtakes, Mixes) die sich anhand der dürftigen Promo nur auszugsweise beurteilen lassen.

Das eigentliche Album dürfte dem geneigten Hörer ohnehin sattsam bekannt sein. Der bunten Stilmixtur hört man mit den Jahren ihre Ursprünge in den späteren Neunziger-Jahren sehr deutlich an, doch tut das dem kreativen und spritzigen Electro-Jazz keinen Abbruch. Nach wie vor eine wirklich feine Sache. Ein zwiespältiges Vergnügen sind die acht »Reworks« aktueller internationaler Szenegrößen (Illum Sphere, Machinedrum, Moiré, Clark...). Als unerwartet cooler Höhepunkt darf hier der »Toccata«-Remix des Stockholmers Invader Ace hervorgehoben werden. Feine Sache. Doch nach welchem System wurden die acht Tracks ausgewählt? (ijb)

   

What We Must
(2005, Ninja Tune ZENCD103)

Kopfhörer auf! Folgen Sie nun den Fußstapfen elektronischer Auswüchse, verlieren Sie sich im Wirrwarr von Postrock und nehmen Sie die Fährte hypnotisierender Synthies erneut auf. Trauen Sie dem Versteckspiel unterschiedlichster Genrefacetten in instrumentaler Brillanz! Lassen Sie sich fallen auf den umsichtig geflickten Teppich dieses zehnköpfigen Kollektivs, das in alle Richtungen stiebt und Grenzen übertüncht. Spüren Sie Sinnlichkeit, welche ausufernde Jazz-Improvisationen nur noch als Schatten wahrnimmt – und Ihnen wird binnen kurzem klar: Die Umbenennung von Jaga Jazzist zu Jaga war nur noch reine Formsache.

Klettern Sie steile Kaskaden empor, überlappen Sie Breaks und lassen Sie sich von verströmter Eleganz fesseln. Gehen Sie über Los und ziehen kanonartig umschlungene Chor-, Gitarren- und Beatparts ein. Lassen Sie sich nun von jovialen Trompeten- und Tuba-Hochgenüssen den nötigen Halt verleihen. Das erleichtert substanziell die Verortung dieser sieben Instrumentalwerke. Jetzt warten nur noch detailreiche Xylophon- und Chor-Infusionen wie hinter einem durchsichtigen Paravent auf Ihre Entdeckung! (maw)

   

Magazine
(2004, Smalltown Supersound/Rough Trade STS082CD)

Wie eine hymnische Ode an musikalische Grenzenlosigkeit klingt das bislang nur in Norwegen erhältliche und mit zwei Bonustracks ergänzte »MAGAZINE« der experimentierfreudigen Allstar-Truppe: Songtitel wie »Jaga ist zu Hause« oder »Swedish Take-Away«, Bläser-gestählte Breakbeats und Vibraphon-Jazz, Cover vom Label-Kollegen Kim Hiorthøy.

Die 1998 als Debüt erschienene und zum zehnjährigen Jubiläum neu ausgegrabene Rarität dieser Megaband, deren Mitglieder als Studiomusiker für zahlreiche norwegische VIPs werkeln, zeigt von Anfang an enorme Fusion-Kompetenz. Mit verstaubtem Jazzrock hat das nichts gemein, sondern erinnert eher an eine sinnstiftende Sythese aus Coltrane, Soft Machine und Tortoise. (peb)



Siehe auch:
Kim Hiorthøy
Frida Ånnevik

   

The Stix
(2003, Ninja Tune/Zomba ZENCD81)

Sehr seltsam und schwer in Worte zu fassen. Durch ihre instrumentelle Komplexität erinnern Jaga Jazzist an Frank Zappa, wobei ihre Wurzeln klar im Jazz liegen. Die Band aus der Nähe von Oslo wurde bereits verglichen mit John Coltrane, Don Cherry, Soft Machine, Stereolab, Aphex Twin und Tortoise ... halt! Das hilft uns nicht weiter.

Die zehn Musiker – alle auch bei Bugge Wesseltoft, Motorpsycho, Big Bang, Euroboys, Jazzkammer, Supersilent, Alog u.v.a. beteiligt – betreiben eine hochgradig vertrackte Mixtur aus Jazz, Electronica und Post-Rock, mit den Klangfarben von Trompete, Posaune, Gitarre, Bass, Tuba, zwei Bass-Klarinetten, Fender Rhodes, Vibraphon und elektronischen Hilfsmitteln. Uff! Das Ergebnis vereint die Entspannung von Acid Jazz und Easy Listening mit der pulsierenden Energie von Free Jazz und Drum'n'Bass. Nicht so abwechslungsreich wie das Debüt, aber dennoch grandios! (peb)



Siehe auch:
Motorpsycho
Motorpsycho & Jaga Jazzist Horns
Alog

   

A Livingroom Hush
(2001, Ninja Tune/Zomba ZENCD76)

Ein Debüt wie Paukenschlag, das überdies zeigt, wie genreverbindend und innovativ Jazz sein kann. Im Vergleich zum Nachfolger »THE STIX« zeigten sich die 10 Norweger hier noch experimentierfreundiger; sie »suchten« noch mehr nach neuen Wegen und lieferten dem Hörer damit ein bunteres und abwechsunlgsreicheres Hörabenteuer.

Schade, dass die CD hierzulande nicht mit dem norwegischen Cover (dem hellen!) auf den Markt kam, das die facettenhafte und vielschichtig zusammengesetzte dieser Jazz-Bigband weit besser illustriert. (peb)



Siehe auch:
Shining



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