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Alle Rezensionen zu Einojuhani Rautavaara
(Genre »Klassik«, Land »Finnland«)

 

Rautavaara: Sinfonie Nr. 8 · Manhatten Trilogy
(2008, Naxos 8.570069)

Alter spielt bei Einojuhani Rautavaara nun wahrlich keine Rolle. Am 9. Oktober hat der große finnische Sinfoniker seinen 80. Geburtstag gefeiert, und noch immer ist er schöpferisch aktiv. Stilistisch hat Rautavaara wie nur wenige Komponisten vor ihm einen kaum überschaubaren, weil so facettenreichen Weg beschritten. Was aber wirklich fasziniert: Immer klingt alles so, als ob nur der Dialekt oder die Grammatik gewechselt hätte.

Seit nunmehr zwei Jahrzehnten hat sich Rautavaara wieder ganz der Tonalität verschrieben. Daher sind seine Werke, wie auch die 8. Sinfonie, leicht zugänglich – mehr noch: Sie können mit ihren weiten, of vor Pathos strotzenden Linien auch Sogwirkung entfalten. Auch wenn die etwas älteren finnischen Aufnahmen unter Leif Segerstam mehr in die Tiefe gehen, so bieten Naxos mit der aktuellen CD auf fraglos hohem Niveau eine günstige Alternative zum Reinschnuppern. (mku)

Einojuhani Rautavaara: Rautavaara: Sinfonie Nr. 8 · Manhatten Trilogy

 

Accentus & Eric Ericson: North
(2 CDs, 2005, Naïve V5037)

Unter »NORTH« wird hier, das ist undogmatisch und erfreulich, ein ebenso ambitioniertes wie sympathisch ideologiefreies Programm von Komponisten fast aller skandinavischer Länder versammelt. Der Schwerpunkt liegt, speziell auf der ersten CD, mit einer kleinen Übermacht von Werken der Herren Sibelius, Rautavaara und Kuula latent auf Finnland, doch Schweden holt mit gleich fünf Komponisten stark auf, wobei Jan Sandström als der jüngste der vertretenen zu verbuchen ist. Knut Nysted aus Oslo und Jørgen Jersild aus Dänemark dienen als Repräsentanten der verbleibenden Länder; Island bleibt ausgespart. Nysted und Jersild haben nahezu das komplette 20. Jahrhundert erlebt und gehören mit ihren Geburtsjahrgängen fast exakt dem der berühmten schwedischen Chorleiters Eric Ericson (*1918) an.

Obwohl - weitestgehend - quer durchs vergangene Jahrhundert hindurch entstanden, gelingt der zweistündigen Zusammenstellung durch die Auswahl und Interpretation von Ericson und dem französischen Chor Accentus ein erstaunlich homogenes Gesamtbild. Wer Neue Musik sucht, ist mit dieser Auswahl vollkommen falsch beraten; klassizistische und (post)romantische Werke bilden klar den Schwerpunkt. Oft vergisst man gar die recht unterschiedlichen Herkünfte, Entstehungszeiten und Charakterzüge der Werke und ihrer Autoren. Das kann so positiv wie negativ gewertet werden; schließlich entsteht so ein fast andächtiger Grundton, dem über die Länge von zwei CDs freilich auch ein wenig der Elan abgeht. Gerne hätten oftmals ein paar mehr Kanten, ein wenig mehr Dynamik, womöglich gar mehr Wärme in der Interpretation sein dürfen. Spielt uns hier das eisige Titelfoto einen Streich oder haben Ericson und Accentus das »Norden« zu sehr als tiefwinterliche Richtungsangabe ihrer Aufnahme verstanden? (ijb)



Siehe auch:
Eric Ericson: Europäische Chormusik

Einojuhani Rautavaara: Accentus & Eric Ericson: North

 

Rautavaara: Rubáiyát · Balada · Canto V · 4 Songs from Rasputin
(2016, Ondine/Naxos ODE 1274-2)

Der, wenn man so will, »Grand Old Man of Finnish Music« wird auch mit fast 90 Jahren noch immer nicht müde, neue Werke zu schreiben. Dabei entsteht, zumindest ist dieser neuen Zusammenstellung mit Werken aus den Jahren 2012 bis 2015, freilich der Eindruck einer Reise in eine andere Zeit. Und mit dem für Gerald Finley geschriebenen Liedzyklus »Rubáiyát« für Bariton und Orchester ist das womöglich beabsichtigt, denn die Texte gehen auf den persischen Wissenschaftler und Philosoph Omar Khayyam zurück, der 1048 bis 1131 lebte, und dessen Lyrik den Komponisten bereits in den 1940er Jahren als Student faszinierte. Doch erst 2014 griff er diese Jahrzehnte zurückliegende Idee auf, in Form von fünf kurzen Liedern und vier instrumentalen Zwischenspielen. Von »Rubáiyát« existiert neben dieser Orchesterfassung auch eine für Bariton und Klavier, weshalb das Entstehungsjahr in dieser CD-Veröffentlichung mit 2015 angegeben ist, obwohl die Uraufführung mit Finley bereits im Mai 2014 stattfand.

Wie »Rubáiyát« sind auch die im gleichen Jahr entstandene Kantate für Tenor (Mika Pohjonen), Chor und Orchester »Balada« und die vier Lieder aus der Oper »Rasputin« (2012) überaus dramatische, geradezu mystisch schwere Werke, die sich in großen Gesten ergehen, der an die dunkel-gewaltige Spätromantik anknüpft, und auch der Einfluss eines pastoralen Russlands ist nicht von der Hand zu weisen. Das Sinfonieorchester Helsinki ist mit dem finnischen Altmeister selbstredend (und preisgekrönt) seit Jahrzehnten vertraut und liefert unter John Storgårds eine souveräne Leistung ab.

Das spannendste Werk der Zusammenstellung bleibt indes das Orchesterstück »Into the Heart of Light« aus der seit den 1960er Jahren geführten »Canto«-Serie, in dem Licht und Dunkelheit in reizvolle Beziehung zueinander treten. (ijb)



Siehe auch:
John Storgårds mit Avanti!: Hämeenniemi
John Storgårds, Lapland-Kammerorchester: Nordgren u.a.
John Storgårds: Per Nørgård
Helsinki Philharmonic Orchestra

Einojuhani Rautavaara: Rautavaara: Rubáiyát · Balada · Canto V · 4 Songs from Rasputin



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