Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Murmansk
(Genre »Rock«, Land »Finnland«)

 

Chinese Locks
(2008, Around Your Neck Records AYN004)

Murmansk meinen es ernst. Sie spielen nicht herum, sie kämpfen, sie wüten. Sie sind gewaltbereit, aber gefühlsbetont. In den Weg stellen möchte man sich dem Quartett aus Helsinki nicht, das auf seinem Debütalbum »CHINESE LOCKS« mit düsterer, bassgetriebener Intensität sein Territorium absteckt: eine etwas abseits gelegene Parzelle zwischen den Endloschleifen des Postrock, der Empfindsamkeit des Shoegaze und dem Lärm des 90er-Alternative-Rock-Helden wie den Pixies oder Sonic Youth. Und einer Stimme, die den Unterschied macht: Die gehört Laura Soininen. Die Sängerin balanciert schlafwandlerisch auf einem schmalen Grat, wo Hysterie, Angst, Aggressivität und Schönheit ausnahmsweise zusammenlaufen.

Blumen pflücken kann man zu den Songs von Murmansk nicht. Aber aufbegehren, experimentieren oder ein leeres Bierglas voller Wut gegen die Wand schleudern. Und vor allem auch: loslassen. Sich von endlosen Variationen über wenige Akkorde in dunkle Trancezustände versetzen lassen. Und in Momenten friedlich sein. Etwa wenn Gitarrist Jari es sich erlaubt, eine halbe Minute zu träumen und dabei scheinbar vergisst, dass sein Instrument eine Waffe ist. Murmansk, die sich nach der nördlichsten Großstadt der Welt benannt haben, sind auf der Nachtseite zuhause. Und von dort heben sie ab in Richtung eines fernen, denkelrot glühenden Leuchtens. Sie sind bereits auf gutem Weg. (emv)

 Murmansk: Chinese Locks

Offizielle Website

Offizielle Website      http:// www.murmansk-helsinki.com

   

Rüütli
(2014, Around Your Neck Records/Rough Trade)

Murmansk leben schon lange in düsteren, gewalttätigen Welten, in die kaum ein Hoffnungsschimmer dringt. Wäre da nicht die Stimme von Laura Soininen, die es schafft, gleichzeitig aggressiv und verletzlich zu klingen: Man könnte fast verzweifeln. Auf ihrem dritten Longplayer »RÜÜTLI« aber stellen sich die Vier aus Helsinki tastend neu auf. »RÜÜTLI« ist ein Übergangsalbum. Murmansk lassen hier bewusst Widersprüche zu: Selbst in sehr noiserockigen Tracks wie »Mercury« schwingt eine unberechenbare Empfindsamkeit mit, die schon fast in Richtung Pop-Noir-Gefilden driftet. in »Hungry Hippos« flirtet das Quartett gar verhalten mit coolem New Yorker Slackertum, das Julian Casablancas seine Freude daran hätte. Doch damit nicht genug: Im kryptisch »123.4« betitelten Track geht es gar in Richtung grausamer Rock-Hymnen, zu denen man kaum mitzusingen wagte. Die Gitarrenwälle reichen himmelhoch!

Um eins klarzustellen: Leicht goutierbar sind die Songs von Murmansk noch lange nicht: Sie sind anstrengend, fordernd und intensiv. Und unbedingt laut zu hören! Sie sind bisweilen schmerzhaft experimentell und ausgedehnt postrockig ausufernd. Kritische Gemüter mögen meckern, das auf dem Drittling der rote Faden fehlt. Was aber nur folgerichtig ist! Denn die Vier wollen hörbar nicht in der dunkelschwarzen Wut-Ecke verharren, sondern neue, leichtere Schattierungen der Farbe grau entdecken. (emv)

   

Eleven Eyes To Shade
(2009, Ranch Ranch 44)

Grausame Schönheit. Gewalttätige Zärtlichkeit. Gitarrenwälle, so hoch wie Festungsmauern. Rückkopplungen, Lärm und eine Intensität, die an die Schmerzgrenze geht. Murmansk setzen auf dem Zweitling »ELEVEN EYES TO SHADE« die Reise an die unwirtlicheren Ecken des Noiserock fort, dort, wo die Grenzgebiete zwischen Wut und Empfindsamkeit auf unbestimmte Weise ineinander übergehen. Murmansk sind laut zu hören, unbedingt, vor allem der Opener »Sweet Trio«, der einem mit der Macht einer Dampfwalze rückwärts gegen die Wand drückt. Das Quartett ist kompromisslos in seinem Bemühen, Lärmschicht auf Lärmschicht zu setzen, entwickelt aber in all dieser Brutalität ein hinterhältiges Feingefühl.

Diese wütende Sensibilität ist es, die sich hier hinterrücks einschleicht, vor allem in der Stimme von Laura Soinenen. Die schreit und berserkert, aber in Momenten fast so seelenvoll wie Harriet Wheeler klingt, die Sängerin der sanften britischen Indie-Heroen The Sundays. Auf »ELEVEN EYES TO SHADE« deutet sich im Untergrund ein leiser Umbruch im Murmansk-Universum an, ein Vortasten in Richtung aggressive Nachdenklichkeit und trotzige Zartheit. Noch keine echte Weiterentwicklung. Aber ein Ahnen, dass bald eine Entscheidung ansteht. (emv)



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2019, Design & Programmierung: Polarpixel