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Alle Rezensionen zu Mental Overdrive
(Genre »Beats«, Land »Norwegen«)

 

Cycls
(2013, Love OD Communications LoD1307)

Es ist ein wenig wie in einem Film von Terry Gilliam: Anfang der 1990er Jahre, als die Jungs (und Mädels), die gerade mit Techno die Musikwelt umkrempelten und elektronische Musik am Puls der Zeit produzierten, welche einem jeden Hörer das Gefühl verlieh, schon ein wenig in der Zukunft zu sein, da schien die Vorstellung irgendwie unmöglich, dass jene Produzent(inn)en 20, 25 Jahre später auch mal ältere Damen und Herren sein würden, die noch immer an der Idee dieser Musik bastelten, die dann jedoch plötzlich anachronistisch und mit dem Schleier der Vergangenheit umhangen sein würde. So entdeckt man derzeit immer wieder diese Figuren der Technoszene, die mit ergrauten Haaren wie überraschend wieder da sind (dabei waren sie zumeist ja gar nicht weg gewesen) und weiter ihr Ding machen. Den Puls der Zeit gestalten deren Platten nun zwar nicht mehr (oder gar selten), selbst Moritz von Oswald ist heute kein Avantgardist mehr, doch abzuschreiben braucht man sie ebenfalls noch nicht.

So taucht gerade wieder mal Altmeister Per Martinsen aus Tromsø mit gleich zwei neuen Platten auf, die —bereits im Design sichtbar— dort weitermachen, wo 2008 »You Are Being Manipulated« auf dem Cover stand: Einfache, geradlinige Tracks »alter Schule«. »CYCLS«, das luftigere der beiden, war ursprünglich konzipiert als eine Art Adventskalender zum letzten Tag des Maya-Kalenders — bekanntlich so gewagt wie ergebnislos als »Ende der Welt« prognostiziert. Von dem thematischen Überbau befreit unterhält »CYCLS« meist elegant und fein atmosphärisch mit zehn glücklicherweise nicht über Gebühr zerdehnten Clubtracks. Reife Leistung. (ijb)



Siehe auch:
Moritz von Oswald & Nils Petter Molvær
Jimi Tenor
Frost
Illumination/Chilluminati

 Mental Overdrive: Cycls

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.myspace.com/mentaloverdrive

   

Everything is Connected
(2014, Love OD Communications/Bandcamp LOD1401)

Ähnlich wie das zwei Monate zuvor erschienene »Cycls« versammelt auch Martinsens zehntes Album Tracks, die bereits auf dem Markt waren, nämlich die im November 2011 bzw. Februar 2012 veröffentlichten EPs »EVERYTHING IS CONNECTED« Vol. 1 und 2. Dazu gibt es zwei neue Nummern und einen Bonus Track beim Bandcamp-Download des kompletten Albums, dessen Release mit einem von Martinsen geschriebenen und musikalisch gestaltetem, semi-experimentellen Kurzfilm zusammenfällt, der im Januar 2014 beim Filmfestival in Tromsø Premiere feierte.

Die zehn Tracks des Albums zielen, mehr als »Cycls«, auf den Tanzboden, konstant und konsequent dem Rhythmus folgend zwar, jedoch nicht als Techno-Bretter, sondern oft recht fluffig und leichtfüßig, mit einer sympathischen Liebe zu älteren Synth-Sounds. Ein wenig Rave-Gefühl, ein Hauch von House, hier und dort ein paar überraschende Ideen, die den Autoren hinter der Funktionsmusik verraten, welcher sich in »Shinjuku Station« und »The Tower« recht aktuellen Dubstep-Techno-Trends zugeneigt zeigt. (ijb)

Audio-Link Video-Link

   

You Are Being Manipulated
(2008, Smalltown Supersound STS152CD)

Der Titel lässt hier formidabel auf den Inhalt schließen. Diese Einmann-Tanzkapelle aus Tromsø spielt mit der Ästhetik des Futuristischen und bedient sich dabei natürlich ausschließlich Elementen der Vergangenheit. Es ist die Zukunft, wie sie sich damals ausgemalt wurde, als sphärische Flächen noch Synonym für unendliche Weiten waren und zackige Beats roboterhafte Ekstase darboten. Dennoch klingt diese Platte geradezu zeitgemäß in ihrer gefrosteten Produktion, die viele Freiräume lässt und Übersichtlichkeit zur Maxime erhebt. Per Martinsen ist endlich einmal wieder nah dran am elektronischen Zeitgeschehen.

Schnörkellos und gradlinig sind die Tracks wie auf einer Schnur gereiht, düsterem Flair gespickt und jederzeit klar ausformuliert. »Europa« ist ebenso in der besseren Indiedisko zuhause wie im Digitalklub, und »Elephantastic« kommt ebenso stampfend und monströs daher, wie sich das bereits andeutete. Überhaupt wird man bei Mental Overdrive an keiner Stelle wirklich überrascht. Allerdings auch nie enttäuscht. (maw)

   

The Phuture That Never Happend
(2005, Smalltown Supersound STS096)

Der Begriff »Retro« erzeugt inzwischen durch seine inflationäre Verwendung eher negative Konnotationen, das Wort »nostalgisch« hingegen ist wertneutral bis positiv geladen. Retro in Reinform ist auch das, was Herr Martinsen macht: Es klingt nach 90er Jahre-House, nach sämigem und ebenso flachem Synthie-Einsatz, nach kitschigem Farbpomp. Es klebt und klingt nach »Oldskool«.

Viele seiner Entwürfe geraten geradezu flach. Veraltete Beats und wenig packende Ideen reichen sich die Hände uns sehnen sich nach einer Zeit, in der diese Melange wieder reizvoll erscheint. Nur, es ist nicht die unsrige. (maw)

   

083
(2004, Smalltown Supersound STS-083CD)

Er wechselt seine Identitäten wie Unterwäsche. Per Martinsen kennt man als Gründer des Labels Love OD Communications, als Syamese oder Confusion Club. Oder eben als Mental Overdrive, das für ihn vor allem Kooperationsmöglichkeiten eröffnet. Mit Samy Birnbach und Geir Jenssen hat er ein Album geschaffen, das zwischen Disco und Elektronika changiert und dabei mit minimaler Effektlast auskommt.

Ein wenig unentschlossen klingen manche Tracks, naiv gar, wie er mit den Stilmitteln der Vergangenheit versucht, für die Jetztzeit noch Relevanz zu schöpfen. Sein Experimentiergeist ist ungebrochen und war für die Entwicklung elektronischer Musik in Norwegen sicherlich grundlegender Baustein, aber mit diesem Album – benannt einfach nach der Lebel-Bestellnummer – gelingen ihm keine neuerlichen Impulse. (maw)



Siehe auch:
Geir Jenssen



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