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Alle Rezensionen zu Wilhelm Stenhammar
(Genre »Klassik«, Land »Schweden«)

 

Wilhelm Stenhammar: Klaviersonate g-Moll (1890), Sensommarnätter op. 33, Drei Fantasien op. 11, Klaviersonate As-Dur op. 12
(2008, Hyperion CDA 67689)

Er zählt zu den großen schwedischen Romantikern – und doch ist sein Name immer noch nicht so geläufig, wie er es sein sollte: Wilhelm Stenhammar (1871–1927). Vielleicht liegt das an seinem rätselhaften Charakter. Denn so sehr er sich seines außerordentlichen Talents bewusst war, so sehr quälten ihn zerstörerische Selbstzweifel. In den letzten Jahren seines Lebens hatte Stenhammar gar zu komponieren aufgehört – und verlegte sich ganz auf das Konzertieren.

Angesichts seiner hinreißenden Musik eine fatale Entscheidung. Wie kaum bei einem anderen seiner skandinavischen Zeitgenossen steht bei ihm ganz die von innen kommende lyrische Tonsprache im Vordergrund, oft kombiniert mit zupackenden dramatischen Elementen – und doch glaubt man aus seinen melancholischen Melodien ein Stück skandinavischer Landschaft herauszuhören. Martin Sturfält läßt mit seinem Spiel jedenfalls tiefes Fernweh aufkommen. (mku)



Siehe auch:
Erik Westbergs Vokalensemble

Wilhelm Stenhammar: Wilhelm Stenhammar: Klaviersonate g-Moll (1890), Sensommarnätter op. 33, Drei Fantasien op. 11, Klaviersonate As-Dur op. 12

 

Verschiedene schwedische Komponisten: Live from Swedish Concerts London
(2010, Nota Bene Productions)

Seit einiger Zeit gibt es in London die Konzertreihe »Swedish Concerts«, die Zusammenarbeiten zwischen der schwedischen und der englischen Musikszene anregen soll. Dabei werden sowohl junge zeitgenössische als auch bedeutende Komponisten der Vergangenheit zur Aufführung gebracht, von denen die meisten wohl nur Eingeweihten ein Begriff sein dürften. Die vorliegende CD stellt nun einige in diesem Konzertrahmen aufgeführte und aufgezeichnete Werke vor. Größtenteils handelt es sich hier um klassische bzw. minimalistisch-postromantische Musik. Abwegiges und Unverdauliches braucht hier nicht erwartet zu werden.

So gibt es aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts Lars-Erik Larssons klassizistisches Streichquartett und einen eingängigen kleinen Liedzyklus von Wilhelm Stenhammar und Ture Rangström. Vom Nachwuchs fällt vor allem die zwischen lyrisch spröde und fragmentarischen Melodien changierende Etüde für Violine solo des anfang-dreißigjährigen Benjamin Staern von der Musikakademie Malmö auf. Ein Komponist, den man im Auge behalten sollte, denn laut Beiheft ist sein kompositorisches Spektrum breit und ambitioniert. Im Gegensatz zu den drei kaum in Erinnerung bleibenden, leisen (Studien?-)Werken von Albert Schnelzer (*1972) und Sebastian Rapacki (*1985) springt dann den Hörer das abschließende dritte Streichquartett des 1965 geborenen und recht aktiven Mats Larsson Gothe geradezu direkt an. Mit einer Vielzahl an Effekten, Techniken und Stil- wie Tempowechseln scheint Gothe hier gleich einiges aus der Musikgeschichte aufgreifen und unmittelbar zerlegen zu wollen, sei es Schostakowitsch, Beethoven, Glass und wer weiß was noch alles. Und doch gelingt ihm – und dem Stenhammar Quartet – damit etwas beeindruckend, fast euphorisierend Eigenes, das gehört werden will – und sollte. (ijb)

Wilhelm Stenhammar: Verschiedene schwedische Komponisten: Live from Swedish Concerts London

 

Stenhammar String Quartets (Volume 2)
(SACD, 2013, BIS 2009-SACD)

Die zweite Folge der Gesamteinspielung von Stenhammars Streichquartetten durch das gleichnamige Ensemble enthält nicht nur seine beiden letzten, Nrn. 5 und 6, sondern in Weltureinspielung auch das ohne Nummer und Opuszahl gebliebene Quartett aus dem Jahr 1898, quasi sein »erstes Drittes«, das er aus Unzufriedenheit — und ungeachtet positiver Kritikerstimmen — nach der Premiere zurückzog und das er immer wieder zu überarbeiten versuchte, bis er es 1916 endgültig in die Schublade legte. Speziell das Finale hielt er für »sehr schlecht«, denn er interessiere sich ja »nur für die Mittelsätze, die frisch und lustig sind.«

Frisch und lustig, aber auch einfallsreich und schwungvoll sind Stenhammars Quartette oftmals in der Tat, direkt im ersten Satz »Allegro molto con spirito« des Fünften (1910), der er den Titel »Serenade« gab. Die Spätromantik hat ihn zwar maßgeblich beeinflusst, im Besonderen findet man bei ihm häufig Beethovens Klarheit; obgleich er mit dem Fünften erst einmal ein paar Schritte in Richtung Wiener Klassik ging und auch den Freigeist Haydns aufgriff. Speziell der längste, zweite Satz, »Ballata. Allegretto scherzando«, erzählt eine tragikomische, mit Ironie durchzogene Geschichte vom Ritter Komfusenfej, der aufgrund des mühsamen Brautwerbungszeremoniells am Ende vor der Hochzeit stirbt. Man erinnert sich bei diesem spritzigen Quartett durchaus auch an Mozart, wozu die hingebungsvoll gespielte Energie des Stenhammar Quartets maßgeblich beiträgt.

Steinhammars leider letztes Quartett aus dem Jahr 1916 fällt dann wiederum in die Hochphase seiner Ambitionen einer sehr klaren Gegenwartsmusik unter dem Einfluss nordischer Traditionen und kann als Höhepunkt seines Kammermusik-schaffens angesehen werden. So verwundert es nach wie vor sehr, dass diese sieben Werke nicht weitaus häufiger auf den Programmen unserer Konzerthäuser zu finden sind. Ohne sich der »Neuen Musik« vor hundert Jahren anzubiedern, war er Schwede vollkommen auf der Höhe seiner Zeit — und seiner Kunst. Im Gegenteil fand Stenhammar seinen eigenen Weg, die neuen Klangideen der 1910er Jahre in einer oberflächlich klassischen Form detailreich und äußerst spannungsvoll zu kanalisieren. Spätromantisch ist dieses kompromisslose, kontrastreiche und emotional komplexe Werk nur auf den ersten Blick. (ijb)

Wilhelm Stenhammar: Stenhammar String Quartets (Volume 2)

 

Stenhammar: Serenade | Excelsior!
(SACD, 2014, BIS BIS-2058 SACD)

Auf die exzellente Trilogie mit Stenhammars gesamtem Streichquartettwerk lässt BIS nun eine weitere Referenzeinspielung des noch immer erstaunlich wenig bekannten schwedischen Komponisten folgen. Der stets engagierte und energische Maestro Christian Lindberg beeindruckte in letzter Zeit mit zahlreichen famosen CDs (etwa der Pettersson-Reihe, die auch bei uns »CD des Monats« wurde), und er bringt auch dieses halb vergessene, rund hundert Jahre alte Werk souverän in die Gegenwart.

Gerade im direkten Vergleich mit den über allen anderen thronenden Kollegen Sibelius (Finnland), Grieg (Norwegen) und Nielsen (Dänemark) wird oft unterschlagen, dass in Schweden Wilhelm Stenhammar für Schweden einen ähnlichen Status innehaben müsste, jedoch ist er international sehr viel weniger auf den Spielplänen der Konzerthäuser zu finden. Was ungerecht ist, denn auch Stenhammar (1871–1927) steht ebenso für jene, seine Zeit, die späte Romantik und den Übergang ins 20. Jahrhundert.

Die vorliegende Neuerscheinung lädt nun ein, drei Orchesterwerke (neu) zu entdecken, darunter vor allem die »Serenade« in F-Dur, mit 37 Minuten und fünf Sätzen sicherlich eine Art verkappte Sinfonie, jedoch deutlich leichter und luftiger als das sinfonische Werk, oft als Stenhammars schönstes Orchesterwerk bezeichnet. Zuerst, bei der Uraufführung 1914 aus sechs Sätzen bestehend, zog der Komponist sie, unzufrieden mit der künstlerischen Qualität, umgehend zurück und präsentierte sie fünf Jahre später in einer neuen Fassung, die hier eingespielt wurde. Die »Serenade« ist inspiriert vom Karneval in Florenz, zugleich eine poetische Hommage an das Licht des schwedischen Nordens. Eine wunderbar optimistische, feierliche Musik.

Mit dem enthusiastischen »Excelsior!« schrieb Stenhammar 1896 für die Berliner Philharmoniker, eine nicht ganz viertelstündige sinfonische Ouvertüre, die unverkennbar an die (spät-)romantische und die deutsche Konzertmoden des ausgehenden 19. Jahrhunders anknüpft. Nicht zuletzt ist »Excelsior!«, obgleich es seinerzeit weder in Berlin noch in Göteborg ein Erfolg wurde, von Stenhammars Interesse an Goethe, speziell am »Faust« inspiriert. Als Übergang zwischen den beiden Werken gibt es hier außerdem ein Zwischenspiel aus der Kantate »Sången« (»Das Lied«, 1921). Insgesamt eine wertvolle und anregende CD, um ein reiches sinfonisches Oeuvre dieses ebenso prägnanten wie vielschichtigen Komponisten zu entdecken. (ijb)



Siehe auch:
Christian Lindberg & Allan Pettersson

Wilhelm Stenhammar: Stenhammar: Serenade | Excelsior!



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