Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Mathias Eick
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Midwest
(2015, ECM/Universal ECM 2410)

Streckenweise klingt Mathias Eicks lang erwartetes drittes ECM-Album wie eine direkte Fortsetzung des einnehmenden Popappeals von »SKALA«, etwa wenn in »Dakota« oder »Fargo« elegante Melodien erklingen, die man sich ebenso gut als gesungene Lieder vorstellen kann, so stark tritt der Trompeter als Bandleader und vor allem Songwriter auf. Dennoch ist »MIDWEST« ein klares Bekenntnis zum Jazz, zumal die Mitglieder des Quintetts, das Eick nun zusammengestellt hat, im Grenzbereich von nordischem Folk und Jazz beheimatet sind.

Obgleich das Ensemble keinen aus der Besetzung hervorhebt, kommt die markanteste stilistische Neuerung durch Gjermund Larsens Violine, die einen ausgeprägten folkloristischen Einschlag mitbringt. Doch überhaupt hat sich hier eine brillante Band aus Meistern ihres Fachs eingefunden, um unter Manfred Eichers Produzentenschaft im Rainbow Studio Oslo die neuen Stücke des 35-jährigen Trompeters zu interpretieren. Eine Freude vor allem, dass Jon Balke (p) wieder dabei ist; man hört ihn viel zu selten als Sideman. Hier setzt er einige zauberhaft bewegende Akzente. Mats Eilertsen (b) und Helge Norbakken (perc), aus zahlreichen Bands als ausgezeichnete Mitglieder bekannt, glänzen auch in diesem Quintett mit Farben- und Variantenreichtum. Die Titel freilich verraten schon, dass Eick diesmal von US-Amerika inspiriert wurde. Fahrten durch die Weiten des Mittleren Westens erinnerten den Norweger überraschend an seine Heimatregion Hedmark: Zahlreiche skandinavische Aussiedler hatten sich einst im Midwest niedergelassen, ihre Nachfahren finden sich dort bis heute. Und so entstand mit diesem Album eine vielschichtige kulturelle Reise, in luftigerem und gegenüber »SKALA« wieder leicht melancholischerem Grundton erzählend.

»MIDWEST« präsentiert nicht nur Eicks bislang eindringlichste und emotionalste Songs, sondern auch seine konsistenteste Band. Tritt die Liedersammlung auch auf den ersten Eindruck noch unaufdringlicher auf als jene auf »THE DOOR« und »SKALA«, es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der in den letzten Jahren auf ausgesprochen vielen »Hochzeiten« aktive Musiker (ein zweites Kind hat er unlängst übrigens auch noch bekommen und zog mit der Familie daher aus der Wohnung nahe dem Rainbow Studio in ein Haus am Stadtrand Oslos) hiermit unter eigenem Namen sein bisheriges Meisterstück eingespielt hat.
Unbedingt zu erwähnen: Die Aufnahmen sind auch klanglich grandios. (ijb)



Siehe auch:
Gjermund Larsen
Mats Eilertsen
Jon Balke
Hoff Ensemble

Mathias Eick: Midwest

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.myspace.com/mathiaseick

   

Ravensburg
(2018, ECM/Universal ECM 2584 | 6710239)

Mathias Eick schreibt weiter an seiner Autobiografie in Form poetischer Jazzsongs – und diesmal legt er zwischendurch tatsächlich auch mal die Trompete zur Seite und singt (wie er es zu Hause für seine Kinder tut). Denn nach der rührend volksmusikalisch angehauchten Reise durch den Mittleren Westen endet Eicks Familienforschung nun in Ravensburg bei der Generation seiner Großeltern. Ein erfrischend kompaktes Album ist »RAVENSBURG«, sein viertes bei ECM, und wieder findet Eick neue Kombinationen der Besetzung: Schlagzeuger Torstein Lofthus und E-Bassist Audun Erlien bringen, wie schon auf »SKALA« und »THE DOOR«, einen groovigen Rockmusik-Einschlag in die Band, während der junge Håkon Aase, bekannt von Time Is A Blind Guide, Yūgen und der fantasievollen Nakama-Truppe, mit seiner Violine die Songs mit reizvollen Klangideen aufbricht.

Raffiniert zwischen schönen Melodien und fragmentarisch-atmosphärischen Einfällen sind Eicks Kompositionen und Arrangements häufiger, und hier setzt auch Andreas Ulvo immer wieder unerwartete Klavierakzente; sein Spiel sorgt, wie schon auf »SKALA«, eher für eine popmusikalische Farbe, während bei Jon Balke die Jazzpoesie durchkam. Als Gegenüber zu Lofthus bringt Helge A. Norbakken mit seinen Schlaginstrumenten recht freigeistiges Flair zu diesem vitalen Ensemble. Wie Eick seine Band scheinbar gerade durch souveräne Zurückhaltung zu Esprit und Elan anregt, verführt dazu, dass man diese dichte, vielgestaltige Suite wieder und wieder neu erkunden möchte. (ijb)



Siehe auch:
Håkon Aase
Time is a blind Guide
Helge Andreas Norbakken
Eple Trio

   

Skala
(2010, ECM/Universal ECM2187)

Jazz ja, aber dann auch wieder nicht. Im ECM-Katalog fällt auf, dass es in letzter Zeit vermehrt Platten an der Grenze zum Pop gibt, üblicherweise schwer vom Jazz herkommend. So auch dieses, Mathias Eicks zweites Album. »SKALA« ist genau genommen Popmusik, aber von einer Besetzung dargeboten, die hier wie dort zu Hause sein könnte. Für Eick passt das, denn er ist als Trompeter ja selbst überall zu Hause, ob im Rock von Motorpsycho, im Prog-Jazz-Elektro von Jaga Jazzist oder auf zahlreichen ECM-Alben, aktuell auf Iro Haarlas »VESPERS«. Seine eigene Band ist (mit Ausnahme von Bassist Audun Erlien) eine komplett andere als bei »THE DOOR«: im Kern ein kompaktes Quartett mit E-Bass, Piano und Schlagzeug, manchmal mit einem zweiten Schlagzeuger – und als Gäste hier und dort Keyboards, Saxofon und Harfe.

Kompakt sind auch die acht Stücke, 42 Minuten lang, nicht im Moment improvisiert, sondern in langer Produktionszeit ausgefeilt und zu eingängigen Songs verdichtet. Neben den druckvollen Schlagzeugern sorgt vor allem auch das Piano (Andreas Ulvo) für den Pop-Appeal; mal ist es der Stil von Elton Johns Glanzzeiten (»Day After«), anderswo verbeugt sich Eick vor Joni Mitchell und Jan Garbarek, und mehrere Stücken verraten einen unüberhörbaren Radiohead-Einfluss, so dass man vergisst, ein ECM-Album im CD-Spieler zu haben. Manfred Eicher äußerte einmal in einem Interview, Radiohead sei die einzige Rockband, mit der er gern als Produzent arbeiten würde. Leider unwahrscheinlich, dass das je passieren wird. »SKALA« gibt einen theoretischen Vorgeschmack darauf, wie eine solche Zusammenarbeit klingen könnte. Insofern ist dies kein Album für Jazzpuristen, eher für Pophörer, die gerne Jazz oder ECM kennenlernen würden, aber vom Begriff Jazz schnell abgeschreckt sind. (ijb)



Siehe auch:
Iro Haarla
Motorpsycho
Jaga Jazzist
Jan Garbarek

   

The Door
(2008, ECM/Universal 175 7979)

Ganz behutsam, ganz langsam baut sich das die CD eröffnende Titelstück auf, mit wenigen Klaviertupfern, einem vorsichtigen Bass, der Drummer wartet noch, dann kommt Mathias Eick und mit seiner Trompete eine wunderschöne, fast einschmeichelnde Melodie. Diese schwillt langsam an, der Rhythmus verdichtet sich, wird sogar fast rockig – und entschwindet, wie er gekommen war. Ein passenderes Stück hätte der »Rising Star« unter den norwegischen Jazzmusikern nicht an den Anfang seiner CD stellen können.

Wäre »The Door« ein Wattebausch, so ist das folgende »Stavanger« nur das diesen Wattebausch umgebende, definierende molekulare Gitternetz: So reduziert agieren, so wenig spielen Eick und seine Mitstreiter hier. Von Audun Kleive (dr, perc) ist man anderes, heftigeres gewöhnt; Audun Erlien (b, g) kennt man etwa von Molvær, Seglem oder Aarset. Bei drei Stücken, u.a. dem hymnischen »Cologne Blues«, spielt Stian Carstensen Pedal Steel guitar – im Jazz kommt das nicht oft vor, hier aber gut! Wichtigster Partner von Eick ist allerdings der Pianist Jon Balke, der Räume öffnet und schließt, Harmonien ausbreitet und wieder einsammelt – er, der in seinen eigenen Projekten viele Stimmen dirigiert, lenkt hier sich und damit das Quartett. Mathias Eick (auch g und vib) schreibt acht wunderbar ruhige, mit manch traumhaften Melodien beseelte Stücke, spielt mit Hingabe, klarem, gelegentlich etwas verhangenem Ton. Vorher Telefon und Licht aus, Kerze an, dazu darf's auch ein Barolo sein. (tjk)



Siehe auch:
Jon Balke
Audun Kleive
Stian Carstensen



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2018, Design & Programmierung: Polarpixel