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Alle Rezensionen zu Fartein Valen
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

Fartein Valen: The Churchyard by the Sea, Pastorale, Ode to Solitude, Nachtstück, Violinkonzert, Lied ohne Worte, Sinfonie Nr. 1
(1999, Rune Grammofon RCD 2013)

Er war ein Außenseiter im norwegischen Musikleben und andernorts kaum einmal dem Namen nach bekannt. Und daran hat sich auch mehr als 50 Jahre nach seinem Tod wenig geändert. Leider, denn Fartein Valen (1887–1952) gehört zu den wohl eigenwilligsten Persönlichkeiten in der skandinavischen Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. So experimentierte er unabhängig von Arnold Schönberg und dessen Wiener Schule mit freier Tonalität und zwölftönigen Themenbildungen, nachdem ihm das Studium an der Berliner Musikhochschule zu konservativ und ohne Zukunft erschienen war. Obwohl in seiner Heimat als Theorielehrer angesehen, gelang es Valen zeit seines Lebens nicht, sich als Komponist durchzusetzen.

Umso willkommener ist daher diese Portrait-CD, die bei dem Label Rune Grammofon erschien – und damit vollkommen abseits für Klassik-Liebhaber. Die Aufmachung unter dem Titel »The Eternal« erinnert in ihrem merkwürdigen Understatement ein wenig an ECM – schade nur, dass die Interpreten erst auf der letzten Seite des Booklets im Kleingedruckten genannt werden. Denn diese nehmen sich auf durchwegs hohem Niveau der eigenwilligen und in ihrer Tonsprache höchst originellen Werke an. Freilich muss man sich in die komplexen Strukturen einhören. Am leichtesten gelingt dies mit dem Violinkonzert, das nicht zufällig in machen Details dem von Alban Berg ähnelt. Die Einspielung mit Arve Tellefsen als Solisten ist schlichtweg genial; es handelt sich übrigens um eine Übernahme aus dem Simax-Katalog. (mku)

Fartein Valen: Fartein Valen: The Churchyard by the Sea, Pastorale, Ode to Solitude, Nachtstück, Violinkonzert, Lied ohne Worte, Sinfonie Nr. 1

 

Det Norske Solistkor: Refractions - Chorwerke von Valen, Berg, Messiaen, Webern
(SACD, 2013, BIS/Klassik Center Kassel BIS-1970)

Düstere Wolken ziehen auf. Der vielseitige, 26-köpfige Norwegische Solistenchor, 1950 von dem Komponisten Kurt Nystedt gegründet, widmet sich auf »REFRACTIONS« einer ungewohnten Zusammenstellung von Kompositionen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Auswahl umkreist den Weg von der Spätromantik über die zweite Wiener Schule bis hin zu zwei unnahbar- bruchstückhaften Werken Messiaens, »O Sacrum Convivum« (1937) und den mit knapp zwanzig Minuten raumgreifendsten »Cinq Rechants« (1948), jeweils für gemischte Stimmen a cappella. Schwere, dunkle Kost, wie aus der Unterwelt und ohne Fröhlichkeit. Der zweite Weltkrieg und die ungewisse Zukunft saß noch tief in den Knochen bzw. Noten.

Die drei älteren Komponisten wurden in den 1880ern geboren, Alban Berg und Anton von Webern in Wien, Fartein Valen, in Stavanger. Was führt sie also hier zusammen? Die ältesten Stücke der CD, Bergs »Die Nachtigall« aus den »Sieben frühe[n] Liedern« (1907) und Weberns »Entflieht auf leichten Kähnen, Op.2« (1908) bilden »zart bewegte« Ruhepunkte inmitten der eindringlichen Stimmungswechsel: Zwei flackernde Irrlichter zwischen hochdramatischen und feierlichen vier Kompositionen des christlich geprägten Norwegers. Das Covermotiv bringt dies markant zum Ausdruck. Entgegen den früheren Werken für Chor und Orchester, »Ave Maria« und »Der 121. Psalm«, nähern sich die Motette »Hvad est du dog skiøn« und »Kom regn fra det høie« dem fragileren Webernschen Gestus an.

Gerade aufgrund der auf den ersten Eindruck unkonventionellen Kombination erweist sich »REFRACTIONS« als überaus gelungene und anregende CD, interpretatorisch wie klanglich hervorragend. Wer Angst vor der Begegnung mit Dissonanzen und sperrigen Chorwerken hat, wird vom Norwegischen Solistenchor sanft an die Hand genommen und durch die Dunkelheit gelotst. (ijb)



Siehe auch:
Kurt Nystedt
As Dreams – Choral Music

Fartein Valen: Det Norske Solistkor: Refractions - Chorwerke von Valen, Berg, Messiaen, Webern

 

Valen Trio: Valen · Egge · Hvoslef
(SACD, 2012, LAWO Classics/New Arts International LWC 1037)

Innerhalb kurzer Zeit ist dies bereits die zweite Veröffentlichung mit Klaus Egges halbstündigem Trio; beide wurden interessanterweise 2011 in der Sofienberg-Kirche in Oslo aufgenommen und bilden jeweils den erzählerischen Schlusspunkt der Kammermusik-CD, auf der sie vertreten sind. Das zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entstandene Trio scheint derzeit eine kleine Renaissance zu genießen, erfreulich für das Schaffen Egges, wurde er doch lange als Komponist unterschätzt, im direkten Vergleich zu seinen Aktivitäten als Autor und Leiter des Norwegischen Komponistenverbands.

Die Musiker des Valen Trios kombinieren das Werk mit dem nur wenige Jahre älteren Trio von Egges Lehrer Fartein Valen und dem sehr jungen Trio des 1939 geborenen Ketil Hvoslef. Sie unterfüttern ihre Interpretation mit mehr Feuer und Dringlichkeit als die kurze Zeit später aufgenommene Lesart, die auf Simax' Porträt-CD mit Egge-Kammermusik zu finden ist und die im direkten Vergleich altmodischer und gemütlicher in Erscheinung tritt. Dabei ist überhaupt faszinierend, welche Präsenz und Zeitlosigkeit das Valen Trio allen drei Werken zu verleihen imstande ist. Gleichzeitig wirkt Egges viersätziges Trio, als sei es älter als das Fartein Valens, welcher einst viele Jahre der Auseinandersetzung mit der Musik seiner Zeit, der Jahre zwischen den Kriegen, Übergangsjahre auch in kultureller Hinsicht, und seiner eigenen Kunst gekostet hat. Entsprechend war es für die Hörer damals eine echte Herausforderung, die Entwicklung aus dem spätromantischen, tonalen Stil hin zum atonalen Ausdruck, für den der Komponist heute bekannt ist, anzunehmen. Und die Interpreten machen eben diese (aus damaliger Sicht) kühne Haltung nachvollziehbar, nacherfahrbar, wenngleich das Werk für heutige Ohren sehr leicht zu hören ist, Reger trifft auf Schönberg.

Das norwegische Trio, das sich nach Valen benannt hat, formierte sich 2009 und legte 2012 mit diesem exzellenten Programm sein Debüt vor. Für Interpretationen spätromantischer Werke wurden sie gepriesen, doch ihr Verdienst liegt bislang eher darin, prominente Komponisten um Auftragswerke für die Triobesetzung zu bitten. So entstand Ketil Hvoslefs ebenfalls nur »Trio« genannter Einsätzer ist entgegen Arvid Vollsnes' Liner Notes nicht wirklich schwer zugänglich, nutzt vor allem vertraute Elemente, obwohl es 2010 entstand, eher schon klar, ruhig, teils fast kontemplativ. Unter anderem eröffnet es deshalb das Programm, obwohl eine umgekehrte Reihenfolge naheliegender wäre. (ijb)

Fartein Valen: Valen Trio: Valen · Egge · Hvoslef



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