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Alle Rezensionen zu Bushman's Revenge
(Genre »Rock«, Land »Norwegen«)

 

Et Hân Mot Overklassen
(2019, Hubro HUBROCD2628)

Nun ist es passiert: Drei Jahre nach dem Doppelschlag mit zwei zeitgleich veröffentlichten Platten hat auch das 2003 gegründete Progressive-Rock-Trio, das mit acht Alben zu den großen Namen bei Rune Grammofon zählte, den Wechsel zu Hubro vollzogen. Ein Prä-Rune-Album hinzugerechnet sind Bushman's Revenge also nun im zweistelligen Bereich angekommen. Doch von künstlerischem Stillstand oder von Langweile keine Spur: Gard Nilssen, Rune Nergaard und Even Helte Hermansen greifen zu zahlreichen Instrumenten, alle verfeinern ihr Spiel mit Hilfe von unaufdringlich eingesetzter Elektronik – und legen eine ihrer besten Scheiben vor.

Ihre Klangwelt wurde mit Hilfe von Vibrafon, Wurlitzer, Orgel, Kinderklavier und viel Perkussion reicher – aber nicht überkandidelt, sondern vielmehr klug facettenreich und auch in längeren Stücken immer klar und konzentriert. Selten gibt es mittlerweile noch stärkere Gitarrenausbrüche, und doch sind die zehn Nummern, die zwischen viereinhalb und über 14 Minuten dauern und wie eine lange, epische Komposition ineinander gleiten, von einer Power durchzogen, die soundcollagenhaft auch mal ins poetisch Noisige geht, häufig eine wunderbar bluesige Note trägt, immer wieder auch ans Hypnotisch-Psychedelische von Pink Floyd erinnert und im fast viertelstündigen Schluss-Stück an den souveränen, unprätentiösen Postrock jazziger Färbung der Marke Tortoise und Co. anknüpft. Auf ein derart reiches, verzauberndes und über die Länge von weit mehr als einer Stunde einnehmendes Album hätte man von Bushman's Revenge kaum zu hoffen gewagt, nicht nach 15 Jahren im Geschäft. (ijb)



Siehe auch:
Red Kite
Exoterm
FIRE!
SpaceMonkey

 Bushman

Der »Senf« unserer Autoren ...
Nicht immer sind wir alle einer Meinung. Zur »CD des Monats« wählen wir deshalb gern eine CD, die Meinungen polarisiert.
Dazu geben - neben dem Rezensenten selbst - immer vier unserer Autoren ihren Senf dazu ab.

Mit Prog Rock kann man mich normalerweise jagen, aber diese Buschmänner machen das so, dass man fast gar nicht merkt, dass das Prog – egal, Schubladen raus! Was die drei Norweger machen, ist sehr spannend, variabel und klug. Die Reminiszenzen an Tortoise etc. passen, die mochte ich auch.
Tim Jonathan Kleinecke

Mit wilden, unberechenbaren und klug-experimentellen Tönen kann man bei mir immer punkten, Ingo! Die Buschmänner bewegen sich mit entschlossenen Schritten heraus aus der Komfortzone. Applaus hierfür!
Eva-Maria Vochazer

Ich muss gestehen, dass mich dieses Album nicht so sehr in seinen Bann gezogen hat. Ich hätte mir mehr dieser »Ausbrüche« gewünscht, wie Du es beschrieben hast, lieber Ingo. Da bin ich momentan eher bei den Kollegen von Red Kite und somit etwas im Widerspruch zu Dir, was ja sehr selten vorkommt.
Stefan Vinaricky


Peter Bickel

   

Jazz, Fritt Etter Hukommelsen
(2016, Rune Grammofon/Grappa RCD2185/RLP3185)

Das ist nun eine erfreuliche Überraschung: mit ihrer neunten Platte (rechnet man »BUSHMAN'S FIRE«, das zeitgleich veröffentlichte, aber zwei Jahre früher aufgenommene Livealbum, als Nummer 8) emanzipieren sich Bushman's Revenge von der Fülle ähnlicher Trios, die in Oslo rauen Bluesrock-Jazz der altmodischen Sorte mit Hang zum »Prog-« machen. Nun geht es von Black Sabbath zu McCoy Tyner und Albert Ayler. Zwölf Jahre zuvor hatten die drei Jungs als Studenten der Musikhochschule Coltrane und Shorter verehrt, und wie der Titel dieser CD/LP zum Ausdruck bringt, spielen sie hier »Jazz wie aus der Erinnerung«. Sogar eine melancholisch-bluesige Jan-Johansson-Hommage haben sie im Gepäck – mit dem deutschen Titel »Lola mit dem Gorgonzola«.

So vollständig wie man anhand der Ankündigung vermuten würde haben sie sich der lyrischen Postbop-Tradition dann doch nicht verschrieben. Gitarrist Even Helte Hermansen hat noch immer den Hendrix im Blut, doch der Grundton ist einer, der weniger auf Lautstärke und Tempo setzt, als es bislang der Fall war. Bushman's Revenge gehen einen Schritt in Richtung reiferer Jazzmusiker und harmonischer Kompositionen – jedoch ohne dass sie dabei ihre leidenschaftliche Energie verlören. Selbstredend sind die drei näher an Led Zeppelin als am späten ECM-Sound. Eine starke Scheibe, die gerade in der Rückbesinnung eine fokussiertere Klasse zeigt. (ijb)



Siehe auch:
Jan Johansson

   

A little bit of big Bonanza
(2012, Rune Grammofon RCD 2123)

Die letzten beiden Alben der Rune-Rocker hatten wir ja doch sehr gelobt, vor allem die Ausflüge ins Balladenfach auf Nummer zwei - davon müssen wir nun leider wieder ein Stück zurücktreten. Das aktuelle Werk überzeugt nicht wirklich. Es ist nicht wirklich schlecht gedacht oder gemacht - es ist nur immer dasselbe. Dicke Riffs, treibendes Pock-pock-pock von Bass und Schlagzeug, alles sehr nett. Aber irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass da ein Fehler passiert ist und nach der Aufnahme im Studio irgendwie verpeilt hat, wirklich alle Tracks aufs Album zu pressen. So dass nun irgendwie ein Sänger fehlt, ein Keyboard, irgendwas, was Linien über die Riffs spannen würde.

Denn die sind allein nicht auf die Länge eines Albums tragfähig, weil dann doch zu unspektakulär. Manch Metal-Gitarreros würden da aus dem Stegreif atemberaubenderes Geschraddel zustande bringen. Nichts gegen Rock-Purismus. Aber bitte nicht so... (sep)

   

Jitterbug
(2010, Rune Grammofon/Cargo RCD 2097)

Da hatten wir in der Rezension zum Album »You lost me at Hello« grad noch von den harten Gitarren von Bushman's Revenge geschwärmt – da besinnen sich die Jungs und werden balladesk. Was dem großen Bogen ihres Albums »JITTERBUG« nur gut tut – und außerdem von Reife zeugt. Für zwei Tracks hat sich das Trio zudem Ståle Storløkken dazugeholt, der Hammondorgel-Sounds aus den gloriosen 70ern heranbeamt. Was ja passt, da der ganze Sound der Band in diese Richtung schaut.

Zur Beruhigung: Natürlich gibt es auch hier die fetzigen Schrammel-Tracks, wildes Gitarrengeheul und dicke Riffs. Aber die Balladen sind die eigentlichen Aufhorcher. »While My Guitar Gently Breaks« zum Beispiel. Die Ballade hat einen fetten, herrlich pathetischen Unterton, die Orgel jault und schleudert. Das ist Musik, zu der man lauthals im Auto zweite Stimmen singt und dazu im Takt aufs Lenkrad schlägt. Der nächste Track: Noch 'ne Ballade! »Too Old To Die Young« heißt die, ebenso ironisch und wort(an)spielungsreich betitelt wie alle Tracks. Diesen Song würde man indes gern Quentin Tarantino für seine nächste große tragische Liebesszene empfehlen. Cooles Pärchen irgendwo in einer staubigen US-Wüste oder so ... (sep)



Siehe auch:
Ståle Storløkken / Humcrush
Scent Of Soil
Puma
Astro Sonic

   

You Lost Me At Hello
(2009, Rune Grammofon/Cargo RCD 2083)

Es ist wohl nicht mehr abzustreiten: Das Label Rune Grammofon wird rockig. Und zwar hallo. So richtig roh und dreckig, mit schrubbernden Gitarren und Bassgewühle. Zumindest auf diesem Album vom Trio Bushman's Revenge. Gitarre, Bass und Schlagzeug, das ist das Starterkit einer jeden Rockkapelle, und mit dieser Basisausrüstung machen die drei ordentlichen Lärm. Das Ergebnis liegt irgendwo zwischen Jimi Hendrix, Doom-Metal und Bluesrock der alten Schule. Was nicht heißen soll, dass es hier um einfach gestrickte Songs geht, ganz im Gegenteil.

Oft verwickeln sich die Strukturen heillos, und es gibt Soli und Feedbacks und humpelnde Rhythmen, um dann erlösend in einem knallenden Riff zu enden. Ziemlich aufreibend, ziemlich spannend – aber was den Abwechslungsreichtum angeht, durchaus noch ausbaubar. Jedenfalls, zum Headbangen und Luftgitarrespielen reicht's dicke! Wir sind gespannt auf mehr solcher Racheaktionen. (sep)



Siehe auch:
Espen Eriksen Trio
El Doom & The Born Electric
Motorpsycho



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