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Alle Rezensionen zu EMO Ensemble
(Genre »Klassik«, Land »Finnland«)

 

Maasta / Of The Earth
(2005, Alba/Klassik Center Kassel NCD26)

Eine sehr starke Entdeckung. Junge Komponisten und junge Chormusiker aus Finnland. Das EMO Ensemble ist ein bereits mit Auszeichnungen beehrter Chor, der 2000 am Espoo Musikinstitut gegründet wurde, um talentierten SängerInnen zwischen 15 und 25 die Chance zu geben, ihre Fähigkeiten zu entfalten und auf der anderen Seite jungen Komponisten in Form dieses Chors ein Instrument zu bieten, auch kurzfristig neues, herausforderndes Material einzustudieren. Dabei sind Austausch mit und Coaching durch professionelle Sänger wesentlicher Teil des Programms.

Diese Lebendigkeit und frische Energie erweist sich durchweg als grandiose Stärke. Nirgends sind die Nachwuchsmusiker und -komponistInnen direkt als solche zu erkennen. Die Chorwerke und ihre Urheber sind allesamt spannende Entdeckungen und zeigen mutige, fantasievolle Auseinandersetzung mit der uralten musikalischen Asdrucksform. Der einzige weitreichend bekannte Name auf dieser ersten CD des EMO Ensembles ist Esa-Pekka Salonen, der hier mit zwei Liedern nach Gedichten von Ann Jäderlund vertreten ist, in denen der Text schrittweise zu Phonemen aufgebrochen wird. Ein wenig ähnlich handhabt es auch Jukka Linkola im abschließenden »Joy«, das mit wilder, exaltierter Spielfreude, Verrücktheiten und rhythmischer Pyrothechnik für einen Gegenpol zu der Vielzahl an existierender ernster und feierlicher Chormusik sorgen will. Nur eines der Werke, Tapani Länsiös »Erlkönig« (ja genau, mit dem Goethe-Text), bedient sich der Mitwirkung eines Streichquartetts, jedoch ausschließlich als subtil auftretenden Partner des Chors, wodurch die emotionale Wirkung ganz sensibel verfeinert und intensiviert wird.

Zugegeben: Die vierzehn Stücke der neun verschiedenen KomponistInnen ergeben keine durchgehende thematische Linie, vom Untertitel der CD - »Finnische Chormusik im neuen Jahrtausend« - mal abgesehen, doch da die kompositorische und interpretatorische Qualität aller Aufnahmen gleichbleibend beeindruckend ist, fällt das nicht ins Gewicht. Zudem sind fast alle der Werke Erstaufnahmen. Weitere CD-Veröffentlichungen des Ensembles dürften nach dem Hören dieser Zusammenstellung mit großer Vorfreude aufgeladen sein und wollen direkt erworben werden. (ijb)



Siehe auch:
Esa-Pekka Salonen
Erik Westbergs Vokalensemble

 EMO Ensemble: Maasta / Of The Earth

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.emoensemble.com

 

Hereillä / Awake
(CD+DVD, 2008, Fuga/YLE EECD-01-FUGA9256)

Die zweite CD des EMO Ensemble geht ein paar Dinge etwas anders an als »MAASTA«, nicht nur weil für den besonderen Klang- und Technikfreund direkt eine DVD im 5.1-Surround-Mix mitgeliefert wird. Vor allem beginnt, im Gegensatz zum Schwerpunkt des Debüts auf unbekannten und jungen Komponisten, »HEREILLÄ / AWAKE« direkt mit dem bekanntesten lebenden Altmeister der finnischen Gegenwartsmusik, mit dem 17 Minuten langen »Katedralen« von Einojuhani Rautavaara, nach dem Text von Edith Södergran. Das flirrende, halbwegs ätherische Werk ist alles andere als ein leichter Einsteig.

Überhaupt sind fast alle der sieben Werke eher leiser, offener Natur, oftmals so wenig durchdringend wie eben das schwache Licht der Glühbirne auf dem Cover oder die zwielichtige Dämmerstimmung auf der Rückseite. Der Titel »Inner Moonlight« des 1953 geborenen Akira Nishimura böte einen ebenso guten Titel für das Gesamtprogramm. So bestechend sich das erste Album nach wie vor ausnimmt, so sehr setzen die Musiker unter der Leitung von Pasi Hyökki diesmal auf fragile, nicht fassbare Stücke. Der abschließende »Mittsommernachtstraum« des 1954 geborenen Schweden Anders Hillborg bringt die Ambivalenzen dieser Zusammenstellung irrlichternd brillant auf dem Punkt, mit einer — Ligeti assoziierenden — Kreuzung schwebender und unruhiger Gesangspassagen, die in mal sanftem Widerspruch stehen, dann sich elegant miteinander verzahnen. (lha)



Siehe auch:
Anders Hillborg
Einojuhani Rautavaara

 EMO Ensemble: Hereillä / Awake

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.emoensemble.com

 

Taivaaseen / To Heaven
(2010, Fuga/YLE EECD-02 FUGA9300)

Auch die dritte Folge der Chorpräsentation des finnischen EMO Ensembles überzeugt auf dem gewohnten exzellenten Niveau. Diesmal liegt der Schwerpunkt der Programmauswahl wiederum auf einer Kombination erstens junger, quasi unbekannter (Ádám Cser, Ville Matvejeff), zweitens bereits halbwegs etablierter Komponisten (Säde Bartling, Jouni Kaipainen) und zweier kurzer Stücke des vor fast hundert Jahren im Alter von gerade mal 35 Jahren verstorbenen Toivo Kuula. Den Abschluss und Höhepunkt bildet das fast zwanzigminütige »Rändaja Õhtulaul« (»Des Wanderers Abendlied«, 2001) des Esten Erkki-Sven Tüür, nach einem Gedicht von Ernst Enno, dem im Rahmen dieser EMO-Ensemble-CD seine Erstveröffentlichung zuteil wurde.

Dabei stehen die insgesamt acht Werke unter dem Gesamtthema Sterblichkeit bzw. »das Jenseits«. Csers Vertonung des Psalm 70 legt mit einer düsteren Vision des jüngsten Gerichts den Ausgangspunkt dieses »Lebenszyklus«, von Bartling folgen »Vanitas« (nach einem mittelalterlichen Text von Remy Belleau) und »Totentanz« (C.F. Meyer), und Kaipainen geht in seinem ambitionierten Doppelchorwerk »Lacrimosa« (1989) so weit, lateinische Requiem-Auszüge parallel mit Texten von William Blake zu stellen. Die dunkle Reise durch verschiedene Sichtweisen auf unsere letzte Reise »TO HEAVEN« mag manch einem schwerverdaulich erscheinen, doch dem Ensemble gelingt es, wieder einmal, auch den ungemütlichsten A-Cappella-Werken eine seltene Eindringlichkeit, Transparenz und, ja, auch Transzendenz zu verleihen. (ijb)



Siehe auch:
Erkki-Sven Tüür
Toivo Kuula

 EMO Ensemble: Taivaaseen / To Heaven

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.emoensemble.com



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