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Alle Rezensionen zu Johannes Richter
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

13 pieces
(LP, 2013, Hiatus/Bandcamp Hiatus006LP)

Tja, gilt Johannes Richters Solo-Piano-Album nun als Jazz oder wird man ihm eher gerecht, wenn man diese »13 PIECES« als (neo-)klassische Musik oder Avantgarde verbucht? Die »pieces« hat er mit »klassisch« geprägten Titeln wie »Fantasie« und »Intermezzo« benannt, aber auch »Osculation«, »Contraction« und »Stilleben« sind vorhanden, und von fast allen gibt es zuerst eine Nummer »I« und dann eine »II«. Das noch junge Hiatus-Label in Kopenhagen beschreibt das eigene Programm als »konzeptionell angereicherte Diskografie jazz-verwandter progressiver europäischer Musik« – sympathisch, diese ambitionierte, zugleich offene Selbstdarstellung. Nachdem die bisherigen Veröffentlichungen, darunter zwei hervorragende zurückgenommene Alben von Niels Lyhne Løkkegaard und mehrere von und mit dem ebenfalls noch sehr jungen Pianisten August Rosenbaum, guten Gewissens als Jazz, ausgesprochen progressiver Art gleichwohl, durchgehen, behalten wir die Kategorie für Richters »13 Stücke« bei.

Während die genannten Labelkollegen recht fest in Dänemark verankert sind, wuchs der 1987 in Kopenhagen geborene Sohn einer dänischen Mutter und eines deutschen Vaters auch in Moskau, Berlin und Zürich auf und lebt derzeit in New York City, wie es sich für einen ambitionierten jungen Jazzpianisten gehört, der selbstbewusst an die Musik der Moderne anknüpft. Sportlich – und von einiger Überzeugung getragen – auch, dass sein Album gar erst nicht als CD erscheint, sondern vor allem als 180-Gramm-Vinyl für den erlesenen Geschmack.

Die 13 Stücke faszinieren durch ihre permanent zwischen notiert und improvisiert changierende Charakteristik. Zwar steht »All tracks composed by Johannes Richter« auf dem Cover, doch wie viel ist angesichts dieses sehr intuitiv wirkenden Spiels wohl ausgeschrieben, wie viel anskizziert und wie viel Freiheit gibt sich Richter, wenn er seine Kompositionen heraussprudelt? Wie viel raffinierte Mechanik eines Nancarrow spielt hier mit – und wie viel Aleatorik sagen wir eines Cage? Mit dem frühen Jarrett wurde er auch schon verglichen, nicht ganz zu Unrecht angesichts der emotionalen Idiosynkrasie dieser 13 persönlichen »Pieces«. Lassen wir es komponierte Improvisation genannt sein und tauchen ein ins aufmerksame Hören dieses prägnanten Talents!

Nachtrag: Wie Niels Lyhne Løkkegaard später aufklärte, handelt es sich bei Johannes Richter um ein Pseudonym, hinter dem sich der vielseitige dänische Saxofonist selbst versteckte. (ijb)



Siehe auch:
Niels Lyhne Løkkegaard
Sven-Åke Johansson, Lars Greve, August Rosenbaum

Johannes Richter: 13 pieces

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.johannesrichter.dk

   

2 Pieces
(LP, 2016, Hiatus 015, auf 80 Ex. ltd.)

Drei Jahre nach der vorzüglichen und ungewöhnlichen LP »13 PIECES« legt Johannes Richter, der deutsch-dänische Wahl-New-Yorker den Nachfolger vor, wiederum auf einer limitierten LP, wiederum mit einem generischen Albumtitel, diesmal nur »2 PIECES«. Diese allerdings füllen mit 15 bzw. 12 Minuten jeweils eine LP-Seite. Dazu gibt es keine Titel, keine Bilder, kein Design, nur die reine, auf dem Piano improvisierte Musik auf 80 Exemplaren.

Der mittlerweile 29-Jährige legt auf der A-Seite, »Piano part #1«, eine radikal expressive, sprunghafte und rasante freie Avantgarde-Improvisation vor, wild, aggressiv und doch episch. »Part #2« bleibt weitaus verhaltener, zerbrochen melodisch, immer wieder die Auflösung der Erzählformen im »Classic Jazz« und in der Klavierliteratur des späten 20. Jahrhundert aufgreifend, irgendwo dazwischen sucht Johannes Richter seinen Platz, zwischen Cage und Glass, zwischen Kunst und Selbstausdruck, zwischen Euphorie, Wahn und Poesie-Witz. Nicht mehr so charmant wie die »13 Stücke«, eher ein bisschen hermetisch. (ijb)



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