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Alle Rezensionen zu Ballrogg
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Cabin Music
(2012, Hubro/Grappa HUBROCD2515)

Zuerst die wichtigste Neuerung: Das Duo ist zum Trio geworden. Zu Sax und Bass hat sich Gitarrist Ivar Grydeland gesellt - und mit ihm zieht das in die Musik ein, was wir beim Vorgänger noch sanft kritisiert hatten: Die großen Linien, die über das Album tragen.

Tatsächlich macht Ballrogg Musik quasi mit der Pinzette. Die Musiker tragen winzige Schnipsel, Motive, Klangspreu zusammen und arrangieren daraus mit Präzision und Ideenreichtum Strukturen, ebenso simpel wie komplex sind. Geloopt breiten sie sich über Minuten aus, ständig in leichter Veränderung. Unter der Lupe der Wiederholung kann man dann bis in den letzten Winkel schauen und all die feinen Kleinigkeiten betrachten, die die Musiker zusammengetragen haben.

Oder, zweiter Höransatz, man schaltet das Analysemodul einfach ab und lässt sich treiben. Auf diese Weise wird aus Ballroggs Feinarbeit plötzlich die schönste Kiffermusik. Und das sollte jetzt ein Kompliment sein. (sep)



Siehe auch:
Huntsville
Ivar Grydeland
Chrome Hill
Klaus Ellerhusen Holm / Muringa

 Ballrogg: Cabin Music

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.ballrogg.no/

   

Abaft The Beam
(2017, Clean Feed Records / Trem Azul CF403CD)

Ballroggs viertes Album (nach zweien als Duo) ist nun das zweite und zugleich wohl letzte mit Ivar Grydeland, der mit den country-angehauchten Melodien auf akustischer Gitarre, Banjo und Pedal-Steel-Gitarre der surrealen Klangwelt eine wundersame, sanft-folkige Americana-Note verlieh. Nach den Albumsessions verließ er aus Zeitgründen die Band; seinen Platz hat seither der Schwede David Stackenäs eingenommen. Weiters ist bemerkenswert, dass Ballrogg erstaunlicherweise nicht bei Hubro geblieben sind, sondern nun beim portugiesischen Clean Feed ein neues Zuhause gefunden haben.

Als »Free Chamber Americana« bezeichnen Ballrogg ihre Musik sehr treffend. Dabei ist »ABAFT THE BEAM«, bereits Ende 2014 und 2015 gemeinsam mit Morten Qvenild in dessen eigenem Studio »The Green Room« aufgenommen, bei aller elegischen und kinomäßigen Grundstimmung leiser und feiner ausgefallen als der Vorgänger. Sympathisch unprätentiös, aber auch mal heiter geräuschhaft und perkussiv oder flirrend bis nervös erzählen Ballrogg in sieben verträumten Stücken, durchweg sparsam, fast minimalistisch ihre kleinen Geschichten vom Rande der Genres, denen zu lauschen nicht selten Ohr und Geist verzaubert. (ijb)

   

Insomnia
(2010, Bolage BLGCD010)

Hinter dem Namen, der irgendwie an den Herrn der Ringe erinnert, stecken der Saxophonist Klaus Ellerhusen Holm und der Bassist Roger Arntzen. Die Musik, die sie machen, wildert ein bisschen im Jazz, in der Neuen Musik, in atmosphärischer Filmmusik und Elektronik-Avantgarde. Was das Duo, hier teilweise unterstützt von Laptop-Gitarrist Lars Myrvoll und den Geigern Ole-Henrik Moe und Kari Rønnekleiv, tatsächlich gut hinbekommt, ist die Entwicklung von überraschenden musikalischen Ideen aus einfachsten Bausteinen. Da reicht ein Dreiton-Muster im Bass und ein schimmernder Doppelton vom Saxophon, um ein ganzes Stück zu tragen. Und im Titeltrack »Insomnia« fangen sie die flirrende Müdigkeit eines schlaflosen Zustands stimmungsvoll ein.

Wozu es nicht ganz reicht, sind die großen Bögen, die aus den einzelnen Ideen ein packendes Ganzes machen. So betrachtet zersplittert die CD, die sehr direkte, komplett Hall-lose und daher brutal trockene Aufnahme unterstützt das noch. Es stimmt schon, was die norwegische Presse konstatiert: Ballroggs Musik ist strukturell ähnlich zu Lyrik-Texten. Aber wie man weiß, ist das nun mal die schwierigste Literatur-Form überhaupt. Die Anlage zum Dichter-Duo ist da - in ein paar Jahren kommt dann vielleicht das Meisterwerk. (sep)



Siehe auch:
In The Country
Ole Henrik Moe
Sheriffs of Nothingness
Trondheim Jazz Orchestra

   

Ballrogg
(2008, Bolage BLGCD 003)

Das Duo ist eine der schwierigsten Formate im Jazz, diese beiden jungen Norweger wagen es trotzdem: Auf ihrem Erstling widmen sich Klaus Ellerhusen Holm und Roger Arntzen einigen Kompositionen ihrer Jazz-Favoriten: Allein von Eric Dolphy sind vier Stücke vertreten, darunter »Out To Lunch«, der Titeltrack eines der wichtigsten Dolphy-Alben, und »Straight Up And Down«. Zwei Stücke stammen von Ornette Coleman, »Sex Spy« und »Lorraine«, dazu kommt »Emphasis« von Jimmy Giuffre und drei eigene Stücke.

Das Duo spielt recht spartanisch: Mehr als den Kontrabass von Arntzen und Holms Altsaxophon – gelegentlich steigt er auf B-Klarinette um – gönnen sich die beiden Norweger nicht. Mit dem Material gehen sie teilweise recht frei um, aber die Stücke sind ja auch von Haus aus schon keine leichte Kost. Arntzen hält die rhythmischen und harmonischen Fäden in der Hand, Holm spielt klare, lange Linien darüber und lockt den Bassisten öfters aus den Harmonien heraus. Der Klang der CD ist ausgesprochen trocken, was der Musik nicht unbedingt gut tut. (tjk)



Siehe auch:
Northern Concept
Large Unit
S/S MotSol
Ingebrigt Håker Flaten Quintet



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