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Alle Rezensionen zu Josefine Cronholm
(Genre »Jazz«, Land »Schweden«)

 

Ember
(2018, Stunt STUCD 18122)

Ganz sacht, ganz langsam entwickelt sich der Opener »Sing«, und auch wenn die ganze Band aktiv ist, bleibt dieser Song zunächst reduziert. Mit Torben Snekkestads Solo kommt Bewegung, wie mit etwas Wind sich Wellen entwickeln. »EMBER« hat einen ruhigen, aber sehr organischen Flow: Die schwedische Sängerin hat klare Vorstellungen, wie ihre Songs klingen sollen.

Mit diesen Musikern ist auch ambitioniertes, song- und klangorientiertes Spielen kein Problem: Thommy Anderssons Bass-Zupfen ist manchmal mehr ein Tupfen, die geniale Percussionistin Lisbeth Diers findet genau die richtige Balance aus Verspieltheit und Zurückhaltung. Torben Snekkestad kennt man eigentlich aus eher avantgardistischem Umfeld, er spielt neben Saxophonen und Klarinetten hier auch Trompete – und sehr feine Soli. Überraschung am Flügel: Die Japanerin Makiko Hirabayashi lebt in Norwegen und ist in verschiedenen anspruchsvollen Projekten aktiv. Sie ist für diese Band eine absolute Bereicherung mit manch ungewöhnlichen Einfällen. Josefine Cronholm selbst singt ganz leicht verhangen und schnörkellos, erst in »Horses« erlaubt sie sich ein paar freiere Takte und ein Duo mit Snekkestad. Song und Gesamtklang scheinen ihr wichtiger als das eigene Rampenlicht. Eine einzige Fremdkomposition hat es auf »EMBER« geschafft und passt sehr gut zu ihren eigenen Stücken: Mit Vögelgezwitscher beginnt »Blackbird« von Lennon/McCartney, Cronholm und Diers übernehmen die erste Strophe, bis der Rest der Band einsteigt – auch das ist klug und einfühlsam inszeniert, wie eben diese gesamte CD. (tjk)



Siehe auch:
Torben Snekkestad
Lisbeth Diers
Makiko Hirabayashi
Thommy Andersson

Josefine Cronholm: Ember

   

Songs Of The Falling Feather
(2010, ACT/Contraire 9495-2)

Josefine Cronholm braucht nicht viel, um Großes zu schaffen: eine Gitarre hier, ein Piano da, oder auch ein Streichquartett (»Paralysed«). Ihre Stimme hat seltene Souveränität und Präsenz, auch wenn sie sich eher zurücknimmt. Eine rare Ruhe strahlen die Songs aus, man hört jedes Detail wie die sprichwörtliche Feder.

Henrik Lindstrand ist diesmal ihr Partner (p, g, key, prog und Arrangements), dazu tupfen Gunnar Halle (tp), Gustaf Ljunggren (g), Thommy Andersson (b) und Per Ekdahl (dr) wenige und sachte Töne, über denen Josefine Cronholms Stimme schwebt, schwelgt und schweigt. Ein traumhafter Zauber liegt über Stücken wie »Angel«, »Sailor« oder dem abschließenden »Mystery«, auf ganz natürliche Weise entsteht hier aus Ruhe, Raum und Reduktion ein weiterer Fixstern in Josefine Cronholms faszinierendem Klangkosmos. (tjk)



Siehe auch:
Gustaf Ljunggren
Gunnar Halle

   

Hotel Paradise
(2003, Stunt/Sunny Moon STUCD 03082)

Die tolle Stimme allein wäre eigentlich schon genug Argument für die verträumte junge Schwedin im Nachthemd. Doch das faszinierendste an »HOTEL PARADISE« sind die traumtrunkenen Songs und Zeitlupen-Arrangements. Mit der vierköpfigen Band IBIS breitet Josefine Cronholm ihre zartbitteren Jazzpop-Romanzen »Silent Moon«, »Memory Of A Lover« oder »Another Day In Paradise« wie edle Gewirke aus Samt und Seide vor uns aus – vorsichtig und mit melancholischer Färbung hingetupft, oft nur subtil von Piano oder Kontrabass begleitet.

Das introvertierte, fast autistische Grübeln erinnert oft an ihre Pop-Kollegin Stina Nordenstam, doch die derzeit in Dänemark lebende Cronholm ist noch weit mehr von dieser Welt: Sie liebt das Leben und die Liebe, aber sie träumt eben manchmal etwas viel in den Tag (und die Nacht) hinein. (peb)



Siehe auch:
Stina Nordenstam
Pierre Dørge
String Swing
Steen Rasmussen

   

Wild Garden
(2002, Stunt/Sundance STUCD 01232)

Thommy Andersson beginnt mit einer Bassfigur, die das ganze Stück durchläuft, dann diese Stimme: verträumt, zurückhaltend, zerbrechlich wirkend, aber mit unglaublichem Gefühl für Stimmungen. Lisbeth Diers steigt sachte ein mit Becken und Trommeln, Henrik Sundh verbindet alles am Piano, ein zarter Groove entwickelt sich, bis Flemming Agerskov ein luftig-verhalltes Flügelhorn darauf legt. Das Titelstück ist ein Wunder der hohen Kunst der Ballade.

Schon der Vorgänger ihrer hochgelobten »HOTEL PARADISE« besticht durch die selben Qualitäten: feine Texte, ruhige, fast hypnotisch langsame Songs, perfekt arrangiert und ebenso inszeniert von einer famosen Band. Darüber Josefine Cronholms Stimme – Klänge in Pastell erzeugen Momente großen musikalischen Glücks. (tjk)



Siehe auch:
The Best Of Stunt Records Vol. 12
Frans Bak
Maryiin Mazur, Josephine Cronholm, Krister Jonsson

   

Natsange
(2000, Stunt/Sundance STUCD 19917)

Bei diesen Nachtgesängen schläft niemand so schnell ein! Frans Bak hat sich in der dänischen Musikszene viele Lorbeeren verdient, vor allem als Komponist von Filmmusik und als Arrangeur, natürlich ist er auch als Pianist und Keyboarder geschätzt. Mit »NATSANGE« versammelt er meist ruhige Stücke, die teilweise an Volkslieder erinnern, aber auch Raum für Improvisationen lassen.

Hauptgrund für die Faszination, die von dieser CD ausgeht, ist die Sängerin Josefine Cronholm, die mit ihrer Stimme Blech zu Gold verwandeln kann – was hier allerdings nicht nötig ist. Extra für sie wurden die Texte von Gerz Feigenberg ins Schwedische übersetzt; sie drehen sich um Leben, Tod und große Liebeserklärungen. Hans Ulrik (sax, cl) ist brilliant wie immer, ebenso die quirlige Percussionistin Marilyn Mazur, und auch Klavs Hovman (b) trägt zum Sound bei – mehr hingegen Frans Bak selbst, der neben Klavier und diversen Keyboards auch Harmonium spielt und so die Stimmung der Songs trägt. »Du«, gleich das erste Stück, startet sehr fein, »Kil-ma-nin-jae« kommt leicht afrikanisch angehaucht; auch »Elddans« und »Natten« erwärmen das Herz.

Empfohlenes Getränk: Glögg, im Winter zumindest. (tjk)



Siehe auch:
Frans Bak
Hans Ulrik
Marilyn Mazur
Klavs Hovman, Marilyn Mazur & Makiko Hirabayashi



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