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Alle Rezensionen zu Phaedra
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

The Sea
(2011, Rune Grammofon RCD2107)

Es gibt Dinge, die sich wiederholen. In der norwegischen Musikszene ist das die regelmäßige Entdeckung einer tollen neuen Sängerin - wobei nicht alle wirklich das halten, was die Entdecker lautstark versprechen. Bei Ingvild Langgård ist das anders. Ihr Debutalbum bei Rune Grammofon ist ein ziemlicher Hinhorcher. Was nicht daran liegt, dass diese Stimme so ungeheuer anders wäre als die anderer norwegischer Liedermacherinnen. Sie ist ebenso gut, versteht sich. Doch was wirklich speziell ist, ist ihre Art, Lieder zu machen. Oder vielmehr: zu inszenieren.

Die Schichten durchdringt man erst nach und nach. Erste Schicht: Wunderschöne, melancholische Melodien, seltsam haltlos, nicht in die gängigen Liedschemata gepresst. Und eine Stimme, die manchmal an einen weiblichen Antony erinnert mit ihren Vibrato-Kräuseln. Zweite Schicht: Seltsame Texte, mystisch, traurig, todesverliebt, aber immer ein bisschen uneindeutig. Dritte Schicht, und die spannendste: Die Arrangements. Hier liegt die größte Kunstfertigkeit dieses Albums. Von der Instrumentierung, die Gitarre mit Zither, Streichern, Glöckchen und Perkussion und anderen exquisiten Klängen mischt, über die seltsam verschobenen Akkordmuster und driftenden Strukturen, die ein Stück manchmal sanft aus seiner Form schieben. Bis zu hin zum Ton überhaupt, der satte Tiefe mit klingelnden Höhen verbindet, handgemachte Folk-Anklänge mit verhuschter Elektronik.

Ein durch und durch seltsames Album also - noch bleibt Phaedra darauf schattig, ungreifbar, etwas durchsichtig. Spannend, was aus der neuen Stimme wird, wenn sie mal nicht mehr ganz so neu ist. (sep)



Siehe auch:
Madrugada

 Phaedra: The Sea

Offizielle Website

Offizielle Website      https://www.phaedrasongs.com/

   

Blackwinged Night
(2015, Rune Grammofon/Grappa RCD 2172)

Für Phaedras als zweiter Teil einer Trilogie angekündigte CD könnte man all die obigen, schönen Worte des Kollegen wiederholen, der vor vier Jahren das Debüt »The Sea« in höchsten Tönen lobte. Doch ist »BLACKWINGED NIGHT« nun eine Spur düsterer, noch verstiegener, noch exaltierter. Ingvild Langgårds expressiver Dream-Pop mit Streichern, Holzbläsern, Hammond, Farfisa, Harmonium, Omnichord, Marimba, Vibrafon, Zither, Glockenspiel, Synths, Elektronik, Tape, Steinen und Metall wirkt bald so aufgeblasen und bedeutungsschwer, wie es die lange (zumal unvollständige) Liste der verwendeten Instrumente vermuten lässt.

Und die Ironie der Sache: Obwohl es sich um nur sieben Songs über 40 Minuten handelt, vermisst man bald ein wenig Abwechslungsreichtum. So tragen ihre Songs – zwei von ihnen opulente, acht bis über zehn Minuten lange Epen – passend Titel wie »Too much Sugar« und »The Void«. Lassen wir daher einen anderen Kollegen zu Wort kommen: »Dass mir das nicht gefällt, dürfte klar sein. Immerhin ist mein Weinglas heil geblieben. Handwerklich ist das sehr sauber, aber für mich eher Gruft-Pop für die Generation Kannmirjetztinmeinemjobnichtmehrerlaubenmirdielippen-schwarzzuschminken. Ich hab mir vorgestellt, Kate Bush und Tori Amos machen einen nächtlichen Spaziergang durch den Hauptfriedhof in Oslo. Es ist ziemlich frisch, aber das merken die beiden nicht, weil sie längst zu den Untoten gehören. Und dann singen sie ein Lied, und aus einem frischen Grab entsteigt - nein, nicht Helene Fischer, sondern Ingvild Langgård. Toll, jetzt können sie zu dritt singen. Bzw. jaulen.« Wo soll das beim noch ausstehenden Teil der Trilogie nur hinführen? Bis dahin hören wir fürs erste lieber Joanna Newsom. (ijb)



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