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Alle Rezensionen zu Daniel Herskedal
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Slow Eastbound Train
(2015, Edition Records/Soulfood EDN1057)

Schon Herskedals Ensemblewerk »City Stories« und »Choices« mit Lochs und Balthaus waren vollkommene, große Alben. Die etwas maue CD mit Saxofonist Marius Neset dämpfte die hoch gesteckten Erwartungen dann zwar ein wenig, doch mit »SLOW EASTBOUND TRAIN« gelingt dem Tuba-Jungstar ein wieder ganz anderer, zauberhaft fantasievoller Triumph. Im Kern dreht sich die Musik des Westnorwegers hier um ein Trio mit Pianist Eyolf Dale (Albatrosh, Hayden Powell Trio) aus dem südlichen Skien und Percussionist Helge A. Norbakken (Mari Boine, Batagraf u.v.v.a.) aus dem nordnorwegischen Tromsø. Facettenreich erweitert wird das Trio durch ein 15-köpfiges Streichorchester.

Aufbauend auf dem Kosmopolitismus von »City Stories« schrieb Herskedal zehn Stücke (plus ein Mussorgsky-Arrangement) in der Schnittmenge von Nordic Jazz, westlicher und orientalischer Kammermusik (Syrien, Palästina). Zwischen ihnen setzen mit feinen Loops konstruierte Solo-Stücke von minimalistischer Poesie geschickte Ruhepunkte. Immer wieder aber schwingt sich der »langsame Zug Richtung Osten« zu großen Gesten auf, woran die TrondheimSolisten, eines von Norwegens führenden Kammer-Streichorchestern, immer wieder überraschenden Anteil haben. Mal spielen sich Kammerjazz und »Neue Klassik« dann die Bälle zu, etwa im Pizzicato-Charme von »Rainfall« oder im komplexen Call-and-Response von »Snowfall«, andernorts entführen die TrondheimSolisten Herskedals vielschichtige Melodien ins Sinfonische. Bei dem norwegischen Tubisten und Basstrompeter kommen Fantasie, brillante Technik, Emotionalität und kompositorische Reife mit Blick nach vorn zusammen wie selten. (ijb)



Siehe auch:
Eyolf Dale
TrondheimSolistene
Herskedal/Neset
Erik Johanessen

Daniel Herskedal: Slow Eastbound Train

Offizielle Website

Die CD »Slow Eastbound Train« war »CD des Monats« im Monat 5 / 2015.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Ich wär ja doch für Tore Brunborg als »CD des Monats« gewesen, weil dessen Album etwas zupackender ist und mir besser in den Mai passt, aber aus den beiden Alben einen Besseren zu wählen, ist ohnehin unmöglich.
Leif Haugjord

Er hat es schon längst verdient, hier gewählt zu werden. Diese CD ist ein mehr als würdiger Anlass, denn schon mit dem ersten Song »The Mistral Noir« entfaltet sich eine unvergleichliche Magie, die nicht zuletzt in der Klangfarbe des Lead-Instruments begründet liegt. Herskedals Tuba kann fliegen!
Peter Bickel

Am ersten Freitag im Mai ist immer Welt-Tuba-Tag, aber nicht nur deshalb passt Daniel Herskedal perfekt: natürlich ist er ein Virtuose ersten Ranges und führt die Reihe großer Tubisten von Howard Johnson, Bob Stewart, Jon Sass über Michel Godard bis zu Andreas Martin Hofmeir fort. Vor allem aber macht er auch richtig gute Musik, die nicht nur als Vehikel für blastechnische Spitzenleistungen dient.
Tim Jonathan Kleinecke

Die Tuba mal ganz fein und zart und fast schon verträumt - da bin ich doch ein frischgebackener Fan dieses Blasinstruments! Wunderbare Tracks von angenehm zurückhaltender Euphorie. Gefällt!
Eva-Maria Vochazer

Offizielle Website      http://danielherskedal.com

   

Call For Winter
(2020, Edition Records EDNCD1157/EDNLP1157)

Etwas spöttisch gesprochen, kann man dem norwegischen Tubisten attestieren, der Zeit voraus gewesen zu sein: Um sein fünftes Album für Edition Records aufzunehmen, bezog Daniel Herskedal am Femundsee, in der Abgeschiedenheit des mittelnorwegischen Grenzgebietes zu Schweden, eine kleine Hütte. Dort richtete er sich ein Tonstudio ein, um 14 Tage lang auf sich selbst zurückgeworfen und mit einer Tuba und einer Basstrompete an seinem ersten Solo-Album zu arbeiten. Als sein Solo-Werk beendet war, zwang ihn die Corona-Pandemie in die eine erneute – dieses Mal leider nicht selbst gewählte – Isolation.

Doch Hohn und Spott sind in diesen Zeiten wahrlich nicht angebracht, viel mehr aber ein großes Lob für Herskedals »Einzelleistung«. Vordergründig mag man ihr zunächst eine gewisse strukturelle Einförmigkeit unterstellen, denn immer wieder beginnt der Tubist seine Stücke mit Ostinati, die sowohl das rhythmische, als auch das harmonische Fundament bilden. Darüber schichtet Herskedal dann weitere Tonspuren, ähnlich etwa wie sein Landsmann Håkon Kornstad am Saxofon auf dessen Solo-Arbeiten.

Doch bald wird klar, welch großen musikalischen Bogen er mit diesen einfachen Gegebenheiten aufzuspannen vermag. Von kurzen Miniaturen (»Arctic Fox Tracks«) gelingt ihm mühelos der Sprung über eine fast sakral anmutende Musik (»Time of Water«) hin zu eingängigen, ja nahezu poppigen Momenten, etwa im Titelstück. Geräusche mit Mundstück und eigenem Atem bilden dann die Percussion. Auch die endlose Weite, das immerwährende Element in nordischer Musik, bricht sich an einigen Stellen Bahn. Und viel stärker als in seinen Ensemble-Alben wird deutlich, in welche Sphären Herskedal sein Instrument zu hieven vermag: Von tieffrequenten flatternden Lauten in ungeahnte Höhen – und dies manchmal sogar innerhalb eines Laufs. Ein Standardwerk für jeden Tuba-Schüler. (stv)

   

Voyage
(2019, Edition Records/Soulfood EDN1124)

Mit »VOYAGE« setzt sich Daniel Herskedal ein weiteres Mal mit dem Thema Reisen auseinander. Und wer schon in seinem »SLOW EASTBOUND TRAIN« mitgefahren ist und seine musikalischen Reiseeindrücke aus den Ländern des Nahen Ostens auf »THE ROC« erlebt hat, wird bestätigen können, dass ihm hier – anfangs vielleicht sogar ungewollt – eine sehr feine Trilogie gelungen ist. Denn alle diese Veröffentlichungen prägt ein ähnlicher Sound, nicht zuletzt, weil sie neben Herskedals Tuba im Wesentlichen mit der selben Besetzung aus Klavier, Streichinstrument (hier eine Bratsche) und Percussion entstanden sind.
 
Glücklicherweise gibt es aber auch Veränderungen und Fortentwicklungen. Die arabischen Einflüsse, die vor allem den Vorgänger prägten, treten etwas in den Hintergrund. Dafür darf dieses Album als das dichteste Ensemblewerk in dieser Reihe gelten. Der Leader lässt sich mitunter in die Rolle des Begleitmusikers zurückfallen und überlässt seinen Mitstreitern das Ruder (»The Gulls Are Tossed Paper In The Wind«, »The Horizon«), die die Reise sodann in durchaus turbulentere Gefilde als bisher vorantreiben. Herskedal selbst führt seine Tuba durch alle ihr möglichen (und man möchte fast sagen »unmöglichen«) Register und einer der Höhepunkte des Albums ist der Titel »The Mediterranean Passage In The Age Of Refugees«, wenn Maher Mahmoud als einziger Gast seine Oud erklingen lässt. Spätestens hier bemerkt man auch den außerordentlich gut gestaffelten und detailreichen Klang der Aufnahme.
 
Nach gut einer Dreiviertelstunde endet dieses eindrucksvolle Album mit einem Solo-Stück, bei dem Herskedal mit unglaublich weichem Ansatz Tuben- und Basstrompeten-Linien übereinander schichtet. Das alles ist extrem souverän gemacht und seine reifste Arbeit bisher, für die Zukunft darf man aber gerne auch auf etwas gänzlich anderes von ihm hoffen. (stv)



Siehe auch:
Eyolf Dale
Helge A. Norbakken / Batagraf
Herskedal & Neset

Video-Link

   

The Roc
(2017, Edition Records EDN 1084)

Daniel Herskedal versteht zu überraschen, ihm fällt immer wieder etwas Neues ein, das man so bislang weder gekannt noch vermisst hat. Aber was einem früher fehlte, merkt man manchmal erst, wenn es dann da ist – so verhält es sich auch mit dieser CD, die sich standhaft weigert, den Player wieder zu verlassen. Der norwegische Tubist kommt diesmal mit zwei Streichern, Klavier und Percussion. Ebenso ungewöhnlich wie die Besetzung ist auch die Musik.

Bergmund Waal Skaslien (Viola) und Svante Henryson (Cello) sind seine Partner an den Streichinstrumenten, dazu kommt Eyolf Dale am Piano und Percussionist Helge Andreas Norbakken – eine illustre Runde also. Zusammen ergibt das tatsächlich eine innovative kleine Besetzung, die es so bislang kaum gab.

Herskedal hatte einige Reisen nach Syrien, Palästina und in den Libanon unternommen, die Eindrücke davon und auch von der arabischen Musik inspirierten ihn zu den Kompositionen auf »THE ROC« - benannt ist die CD nach dem riesigen Fabelvogel aus der panasiatischer Mythologie. Er leiht sich arabische Skalen und Melodien, Rhythmen und Klangfarben, lässt seine Musiker sowohl präzise wie gelassen agieren. Die Betonung liegt aber klar auf »leihen«, Herskedal erliegt nicht der Versuchung, arabischer als die Araber spielen zu wollen. Dale hält sich manchmal sehr zurück, bestimmt dann wieder mit dichten Akkorden den Gang der Musik. Norbakken groovt klar und doch verspielt, die Streicher tragen die Melodien und Herskedal erweist sich wieder als wahrer Tuba-Meister, schöne Bass-Trompetensoli spielt er auch. Fein ausgedacht und fein gespielt. (tjk)



Siehe auch:
Svante Henryson
Helge A. Norbakken mit Batagraf

   

City Stories
(2010, Norcd NORCD 1094)

In 8 Liedern um die Welt, mit einer Tuba. Daniel Herskedal hat für sein Quintettalbum eine ungewöhnliche Idee zum Ausgangspunkt genommen: Für diesen vom Molde Jazz Festival in Auftrag gegebenen Liedzyklus hat er einige Städte bereist und sich von deren Volksmusik inspirieren lassen. Doch obwohl die Melodien in unterschiedlichsten Gegenden zu Hause sind, von Rio über Damaskus, von Ramallah über Avignon und Kopenhagen bis ins samische Kautokeino und nach Longyearbyen auf Spitzbergen, ist der Gesamteindruck dieser musikalischen Reise alles andere als heterogen. So haben Herskedal und seine eigens für dieses Projekt ausgesuchten Mitmusiker offenbar Wert darauf gelegt, dass die zu womöglich extremen Gegensätze der gewählten Orte nicht offensiv ins Gewicht fallen, sondern sehr im Subtilen liegen.

Es entstand hier also etwas ganz Eigenes zwischen Folk und Jazz. Nicht nur weil ein Tubist als Quintettleiter nun mal weit ungewohnter ist als ein Trompeter oder Saxofonist; ebenso eigen ist etwa mit der Einsatz von Percussion (Terje Isungset) und verschiedenen Gesängen, die allerdings nie Träger von Text, sondern quasi rein emotional eingeflochten werden. Herskedal erweist sich auf seinem Debütalbum nicht nur als hervorragender Instrumentalist, sondern auch als souveräner Bandleader; es erstaunt fast, dass er oder seine Kompositionskunst nirgendwo in dieser sehr starken Dreiviertelstunde aufzutrumpfen versuchen.

»CITY STORIES« ist eine ruhige, langsame Platte, die sich gut an einem entspannten Abend (oder zum multikulturellen Abendessen) hören lässt. Allerdings gewinnen die Stücke ungemein an Eindringlichkeit, wenn man ihnen die volle Aufmerksamkeit schenkt. Wenn man den fünf Musikern sehr genau bei ihrem Zusammenspiel zuhören und auch die eine oder andere Tempovariation oder Improvisation verfolgen kann. Dieses anfangs unscheinbare Album zieht den Hörer in einen Bann, und es ist tatsächlich eine Reise, die zum Entdecken einlädt. Das erinnert teils an Trygve Seims Ensemble-Platten auf ECM und ist in einem hervorragenden Gleichgewicht zwischen Vertrautem und Ungewohnten. (ijb)



Siehe auch:
Lochs Balthaus Herskedal
Trygve Seim
Terje Isungset
Magic Pocket



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