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Alle Rezensionen zu Kjetil Husebø
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Steps
(2015, Optical Substance Prod./Musikkoperatørene OSP006)

NM: Du hast nun eine eindrucksvolle Trilogie von Solo-Piano-Alben fertiggestellt. In welcher Verbindung stehen die drei Alben für dich?
KH: Danke. Obwohl alle drei komplett im Studio improvisiert sind, unterscheiden sie sich in inhaltlicher, stilistischer und atmosphärischer Hinsicht deutlich. Schon die Herangehensweise war jeweils eine andere. Vor der Aufnahmesession von »Contradictions« habe ich nicht geprobt, vor »STEPS« allerdings recht viel.

»STEPS« ist dein erstes rein akustisches Pianoalbum, ohne Elektronik. Wie kommt das?
Da die Musik auf »Contradictions« und »Sources« eine Kombination aus Flügel und Live-Sampling war, entschied ich, die beiden Ausdrucksformen einmal zu trennen. [Nach dem komplett elektronischen Skyggespill-Album] wollte ich ein rein akustisches Album ohne Elektronik machen, herausfinden, ob ich das kann.

Die neuen Stücke scheinen mir eher dunkel und introvertiert. Wie entstanden sie?
Nicht alle der neuen Songs sind so dunkel, aber ich stimme zu, dass die meisten recht introvertiert sind. Es ist wohl ein ziemlich meditatives Album. Beim Spielen und Improvisieren sollte man ganz präsent sein und sich für den Moment öffnen. Bevor ich ins Studio ging, plante ich zum Beispiel zwei oder drei Songs in dem einen Stil aufzunehmen und zwei oder drei in einem anderen, so dass ich eine Auswahl hatte, aus der ich das Album zusammenstellen konnte.

Wie viel hast du vorab komponiert, und wie viel wurde improvisiert?
Vor dem Studiotag habe ich viel Free-Improv-Zeug geübt, darunter komplexeres und schwieriges Material, aber auch ein paar Cover-Songs. Erst beim Anhören hinterher wurde mir klar, dass »STEPS« ein reines Impro-Album wird. Eine Ausnahme gibt es doch: »Carousel« basiert auf einem kleinen Thema meines Optical-Substance-Tracks »Karusell«. Aber die Platte ist im Grunde komplett improvisiert.

Warum heißt das Album »STEPS«/»Schritte«, und wird ist dein nächster musikalischer Schritt sein?
»Steps« steht natürlich in Verbindung mit dem Weiter- und Vorangehen, und für mich war es auch tatsächlich ein »musikalischer Schritt«, da es eben mein erstes Akustikalbum ist und meine erste Aufnahme in einem der besten Studios. Mein nächster Schritt wird ein Pianoalbum mit Live-Sampling und Live-Elektronik auf allen Stücken. Es wird wahrscheinlich viel experimenteller als »STEPS«. Und ich werde es wieder im Rainbow-Studio aufnehmen. (ijb)



Siehe auch:
Optical Substance
Skyggespill

Kjetil Husebø: Steps

Offizielle Website

Offizielle Website      optical-substance.com

   

Piano Transformed
(2017, Optical Substance Prod. OSP007)

Wer meint, Kjetil Husebø wäre ein Pianist, sollte diese Vermutung schnellstens revidieren – der Norweger macht nämlich noch viel mehr bzw. viel mehr zu Klängen und aus Klängen. Husebø macht im Grunde da weiter, wo er bei »CONTRADICTIONS« und »SOURCES« vielleicht nicht aufgehört, aber zumindest schon mal gelandet war.

Der Opener »Reflection« lässt noch am ehesten reine Piano-Musik vermuten/erhoffen/befürchten oder was auch immer, doch schon im zweiten Stück, »HulterTil Bulter« lotet Husebø eher Klänge aus – die Saiten des Flügels in Kontrast zu diversen elektronischen Samples und Sound. Das klingt dann mal wie Cello oder Bassklarinette und mal wie der Soundtrack eines ganz schlechten Science Fiction-Films. Das bleibt im Grunde auch weiterhin so: Ein paar schüttere Piano-Töne/Akkorde/sogar mal Melodie-ähnliche Linien warten auf Sounds from outer space – die kommen meistens, manchmal aber auch nicht. Interessant ist Husebøs Ansatz und Performance allemal, zumindest beim ersten Anhören. »Lust« beispielsweise ist ein ganz fein ziseliertes Konglomerat aus melancholischen Melodien am Piano und wenig, und deshalb beeindruckend effektiv eingesetzten, elektronischen Effekten. Lässt man die meisterlich zusammengefügten technischen Elemente (oder Mätzchen?) mal außen vor, dann ist die Musik nicht immer spannend. Und so gilt generell: Mehr Tricks als Substanz. Anders gesagt: ziemlich nerdig ist das, leider. (tjk)



Siehe auch:
Reidar Skår

   

Sources
(2013, Optical Substance Prod./Musikkoperatørene OSP003)

Anders als Kjetil Husebøs letztes Album »Contradictions« beginnt »SOURCES« direkt im Innern des Flügels. Seltsame Geräusche sind zu hören, bevor der erste Ton erklingt. Doch Husebø ist kein Interpret eines präparierten Klaviers, er spielt den Steinway einfach vollkommen frei und mit allen Mitteln, in den Saiten und mit fragmentarischen Melodien — und vor allem improvisiert er aus dem Moment heraus eine sehr zeitgemäße Version von Jazz, die diese Bezeichnung wirklich verdient.

»SOURCES« ist zwar ein Solo-Piano-Album, doch die an drei Tagen im Studio mit Audun Kleive aufgenommenen Improvisationen verquicken Elektronik und Akustik auf eine hochspannende, innovative Weise und entwickeln so fort bzw. vertiefen, was auf »Contradictions« bereits angelegt war. Da Husebø alles alleine gestaltet, gelingt ihm eine tiefere und eindringlichere Verbindung der Klangelemente zwischen Pianomelodien, Geräuschen, Live-Sampling und abstrakter Laptop-Elektronik als es Wesseltoft/Schwarz und Molvær/vonOswald mit ihren etwas zahmen Duo-CDs hinbekamen. Dass die Platte dann doch nicht ganz zu einem Triumph wird, liegt an den typisch akustischen Stücken im Mittelteil, die ohne Frage zwischen melancholisch und rasant emphatisch wandelnd zu faszinieren vermögen, aber es mit den innovativen Passagen des ersten und den kraftvoll reduzierten des letzten Drittels nicht aufnehmen können. Ein konsequent kantiges Album mit weniger Sentimentalität wäre unter dem Strich womöglich noch stärker geworden. (ijb)



Siehe auch:
Wesseltoft Schwarz Duo

   

Contradictions
(2012, Optical Substance Prod. OSP002)

Toll, was der Husebø macht! Zwischen dem Projekt Optical Substance und seinem eigenen Osloer Jazzfestival Tape To Zero entstand dieses leise Klavieralbum im Sommer und Herbst 2011. Gerade im Vergleich mit ähnlich vielseitigen NuJazz-Zeitgenossen wie Bugge Wesseltoft, der ebenfalls mit einem neuen Solo-Piano-Album in Erscheinung trat, springt ins Auge, um wie viel spannender Kjetil Husebø mit diesen einfachen Mitteln umgeht. Programmatisch nennt der eine sein Album »Songs«, Husebø seines dagegen »Widersprüche«, wobei das alte Foto auf dem Cover auf eine autobiografische Erzählhaltung hinweist.

Was sich auf den ersten Eindruck als typische Piano-Solo-CD darbietet, erweist sich bei genauerem Hinhören als punktuell und sensibel um Live-Elektronik und Sampling erweiterte Improvisationskunst zwischen Tradition und Gegenwart. Herausragend etwa das Titelstück, mit knapp neun Minuten das längste, in dem am offensichtlichsten eine Zwiesprache zwischen persönlicher abstrakter Elektronik und höchst fragmentierter Klaviermelodie ausgearbeitet wurde. In dieser Richtung dürfte es gerne mehr geben. Auch hier fällt der Vergleich mit der ähnlich gelagerten Duoplatte von Wesseltoft/Schwarz eindeutig zugusten von Kjetil Husebø aus. Und das Zepter des norwegischen Pianojazz, der neue Formen findet, wandert von Wesseltoft und Balke weiter zu Husebø (und vielleicht Anja Lauvdal). (ijb)



Siehe auch:
Bugge Wesseltoft
Anja Lauvdal
Audun Kleive



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