Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Vertex
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Vertex/Dörner/Neumann: sustain ability
(2014, Gigafon/Musikkoperatørene GIGA012)

Welche Freude, dass Vertex fünf Jahre nach ihrem Debüt endlich Zeit gefunden haben, eine zweite CD zu veröffentlichen! So umtriebig wie Tor Haugerud und Petter Vågan in ihren anderen, zahlreichen Bands sind, nimmt es nicht Wunder, dass es so lange gedauert hat. Dabei wurde »sustain ability« bereits im September 2012 aufgenommen. Die Jungs von Sofa Music, Label ihrer ersten, tollen CD »Shapes & Phases« waren in der Zwischenzeit ebenfalls sehr beschäftigt, so dass der Nachfolger im Herbst 2015 auf Vågans eigenem Label (mit Gard Nilssen) Gigafon erschien.

Dass die Platte als Live-Album beschrieben wird, ist ein wenig irreführend, allerdings liegt das Besondere der Aufnahme in der Zusammenkunft mit zwei (nicht nur) im Experimentaljazz renommierten MusikerInnen aus Deutschland: Pianistin Andrea Neumann und Trompeter Axel Dörner. »sustain ability« ist sozusagen das Dokument (oder »Souvenir«) gemeinsamer Tourneen in Quartettbesetzung. Stattgefunden hat die hier zu hörende Aufzeichnung im Emanuel Vigeland Mausoleum, das unlängst immer mehr bekannten Kollegen als Aufnahmeort für klanglich extravagante CDs diente; Stian Westerhus, Frode Haltli, Maja Ratkje, Huntsville, um nur einige zu nennen. Ein wenig beschleicht einen bei diesen Aufnahmen immer wieder das Gefühl, dass es den Künstlern vor allem um die einzigartig morbide Atmosphäre und den 20 Sekunden langen Hall geht — beides Elemente, die auf gewöhnlichen (Stereo-)CDs schließlich nur bedingt nacherlebbar sind. Aber sei's drum: Atmosphäre wird bei Vertex ohnehin groß geschrieben, und diese ist weitestgehend auch die hervorstechende Stärke von »sustain ability«.

Deutlich ruhiger als das Debüt, fast ambient-mäßig schwebt diese vorwiegend minimalistische Avantgarde-Soundcollage durch den Raum. Die vier Musiker betasten ihre Instrumente bald mehr, als dass sie auf ihnen spielten. Alle setzen Elektronik im Zusammenspiel mit ihrem jeweiligen Instrument ein, bei Schlagzeuger Haugerud wird konkret ein Signalgenerator verzeichnet. Die wie schon im Duo organisch-skurrile Verquickung elektronischer und spröde akustischer Sounds tritt in einen reizvollen Dialog mit der Akustik des Raums, ähnlich wie Huntsville auf ihrem Mausoleum-Album »Past Increasing«. Vertex/Dörner/Neumann allerdings loten die Möglichkeiten freier, radikaler und im Endeffekt schlüssiger und bestechender aus. (ijb)



Siehe auch:
Trondheim Jazz Orchestra & Kim Myhr
Huntsville
Frode Haltli
Stein Westerhus

 Vertex: Vertex/Dörner/Neumann: sustain ability

Video-Link

   

Shapes & Phases
(2010, Sofa/Musikkoperatørene SOFA529)

Vertex sind der noch nicht dreißigjährige Gitarrist Petter Vågan und der knapp fünfzigjährige Schlagzeuger und Percussionist Tor Haugerud aus Trondheim. Ihre abstrakten Hörspiele sind kleinteilige Basteleien, die sie aus elektro-akustischen Improvisationen, gesammelten Geräuschen und verschiedenen elektronischen Klangerzeugern zusammensetzen. Zwischendurch, wenn verzerrte Industrial-Klangwände dröhnen, fühlt man sich auch mal an einen Besuch im Sägewerk erinnert, doch selbst dann folgen die Stücke von Vertex einer sensiblen, organisch erscheinenden Mechanik; mäandernd, nicht formal streng. Man hört einer Klangpflanze beim Wachsen zu. Sicherlich ist das Coverdesign (innen und außen) daher von pflanzenartigen Formen bewachsen. Oder musizierenden Mäusen?

Der Albumtitel ist also programmatisch: Musikalische Form und Gestalt entfaltet sich, und diese Gebilde haben, ob fragil oder massig, eine physische Qualität, wie man sie im Kosmos des norwegischen »Sofa Music«-Labels häufig findet. Die Improvisationen von Vertex wurden mit Liebe zum Detail gemischt und nachproduziert, um präzise Akzente herauszuarbeiten. Von Petter Vågan und seinem genrefreien Gitarren-Interpretationsstil, der eigenwillige Effekte und Klangerzeugungsmethoden anwendet, möchte man nach diesem »Sofa«-Debüt gern mehr hören. Tor Haugerud hat man bereits als unermüdlichen Klangbastler in zahlreichen Kollaborationen erlebt, als Mitglied der Trios BOL (mit Tone Åse und Ståle Storløkken) und En En En (mit Michael Duch und Eirik Hegdal), aber auch als Mitglied im Trondheim Jazz Orchester und im Alpaca Ensemble. Das Duo Vertex taugt nicht als Hintergrundmusik, sondern möchte wache Ohren für akustische Reisen. (ijb)



Siehe auch:
BOL
en en en
Peloton
Muringa



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2018, Design & Programmierung: Polarpixel