Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu FIRE!
(Genre »Rock«, Land »Schweden«)

 

with Jim O'Rourke: Unreleased?
(2011, Rune Grammofon/Cargo RCD2111)

Die Jungs sind Spaßvögel, müsste man vermuten, wenn man mit dieser CD in der Hand im Laden steht, einen Kauf abwägend. Eine Band, die sich »FEUER!« (mit Großbuchstaben und Ausrufezeichen, anders als noch beim Debüt) nennt und ihr Album »Unreleased?«, und dann gibt es vier Titel mit folgenden Namen: »Are you both still unreleased?«, »... Please, I am released«, »By whom any why am I previously unreleased?« und »Happy Ending borrowing yours«, versucht offenbar, mit dadaistischem Humor die Vermarktungsmechanismen zu ironisieren. Das Coverdesign ist allerdings typisch Rune Grammofon / Kim Hiorthøy. Also sollte man sich nicht täuschen lassen: Die Musik hat nichts Ironisches oder Albernes, sie ist im Gegenteil so stark, dass sie für sich spricht und ebenso gut mit einem komplett weißen Cover und ohne Titelnamen Bestand haben könnte.

Die vier Musiker - das FIRE!-Kerntrio ergänzt um den umtriebigen Jim O'Rourke (E-Gitarre, Synthesizer, Harmonika), der bereits auf einige international bekannte Rockbands, unter anderem Sonic Youth, Wilco oder Gastr del Sol, einen die subtile Klanggestaltung verstärkenden Einfluss hatte - haben viel Erfahrung in unterschiedlichsten Bands zwischen Jazz und Rock. Und so lässt sich die Musik von FIRE! in etwa vorstellen als fünfzig Prozent Krautrock à la NEU! (daher vielleicht der Namenseinfluss?) oder Can und fünfzig Prozent Free Jazz. Von ersterem die in den bis zu siebzehn Minuten langen Stücken sich nur langsam verändernde, pulsierende Rhythmussektion, vom Jazz die expressiven Bläser, die sich hier immer wieder mal ein- oder unterordnen und mal ausbrechen. Die Energie dieses Quartetts scheint über weite Strecken wie in einem kochenden Dampfkessel, stetig den echten Ausbruch herbeizusehnen, und daraus speist sich eine eindringliche Prägnanz. Das ist Musik, die unbedingt raumfüllend laut gehört werden will. (ijb)



Siehe auch:
Fire! Orchestra
The Thing
Mats Gustafsson & Colin Stetson
Wildbirds & Peacedrums

 FIRE!: with Jim O

   

The Hands
(2018, Rune Grammofon/Grappa RCD 2197)

Tatsächlich legen FIRE! mit diesem sechsten Album (Fire! Orchestra nicht mitgezählt) im zehnten Jahr seit dem Debüt erst ihre zweite Platte vor, auf der sie komplett als Trio zu erleben sind. Ähnlich wie zuletzt auf »SHE SLEEPS, SHE SLEEPS« präsentieren FIRE! mit »THE HANDS« einen rohen, bassigen und Blues-durchtränkten Jazzrock, der auf jeden Fall mehr mit Jimi Hendrix oder Black Sabbath gemein hat als mit so ziemlich allem, was aus der skandinavischen Jazzszene kommt.

Die sieben Stücke wurden mit einem ungeschminkten – fast möchte man sagen: »unproduziert« rohen – Live-Sound aufgezeichnet, der viel dumpfen Raum hat, ähnlich einer Fabriketage. Da die Platte diesmal nur rund 36 Minuten kurz ist, halten sich FIRE! mit ausufernden progressive-rockigen Stücken deutlich zurück. »THE HANDS« ist ein kompaktes, konzises Album, dennoch voll von der Energie und der Präsenz, für die FIRE! seit zehn Jahren bekannt sind. (ijb)

Audio-Link

   

She Sleeps, She Sleeps
(2016, Rune Grammofon/Grappa RCD2178 / RLP 3178)

Nach drei entfesselten, in die Breite gehenden »Orchestra«-Platten entschied sich das Psychedelic-Jazzrock-Trio zur Gegenreaktion und legt mit FIRE!-Album Nr.5 eine wahre Stripped-down-Scheibe vor. Sogar auf Elektronik wurde erstmals verzichtet. Dennoch: Wie schon auf vorigen Alben (erst mit Jim O'Rourkes, dann mit Oren Ambarchis Gitarre) treten FIRE! zumeist als Quartett auf. Hier ist es wieder Ambarchi, bei zwei Stücken darf diesmal auch mal Cellist Leo Svensson an die Saiten. Ganz ohne Gäste waren Fire! bekanntlich von Anfang an nicht.

Und auch wenn Schlagzeuger Anders Werliin zusätzlich zur (akustischen Lap-Steel-)Gitarre greift, ist »SHE SLEEPS, SHE SLEEPS« eindeutig Fire!s ruhigstes Album geworden. Dunkel, fast beklemmend, doch in einer schwebenden Art, also gar nicht so druckvoll wie auf ihrem bislang einzigen echten Trioalbum »Without Noticing«, zeigen uns die Schweden eine ganz neue Facette. Mehr ungeschminkter, dräuender Bluesrock als nordischer Genremix. Zuverlässig prägnant, verlässlich gut! Nur das Cover: So einfallslos und schlecht wie nie, gerade so, dass es im Auge weh tut. (ijb)

   

You Liked Me Five Minutes Ago
(2009, Rune Grammofon/Cargo RCD2091)

Während man Mats Gustafsson vor allem als wilden Free- bis Noise-Jazzer kennt, zum Beispiel bei The Thing, veröffentlichte Andreas Werliin mit Mariam Wallentin als Wildbirds & Peacedrums zwei vielgepriesene Alben mit Blues-Folk, und Johan Berthling ist neben seiner Tätigkeit als Bassist bei Animes und im Trio mit Sten Sandell und Paal Nilssen-Love Produzent und Plattenfirmengründer.

Das Triodebüt der drei Schweden zeugt von ihrer Liebe für treibenden 1970er-Krautrock, den sie mit einem kraftvollen, freejazzigen und dabei sehr fokussierten Noise-Grundton aufmischen. Zwei Stücke donnern ganz grob eine Viertelstunde lang, wobei Gustafssons Saxofon, Berthlings E-Gitarre, Werliins Schlagzeug und Gastsängerin Mariam Wallentin dem Song »But Sometimes I Am« zu einer zunehmend schlagkräftigen Power-Band auswachsen. Fire! sind offenkundig hervorragende Impro-Jazzer, und doch belassen sie es nicht beim Jammen, sondern fügten zur Steigerung der Komplexität nachträglich Hammondorgel und Fender Rhodes hinzu. Dynamisch und euphorisch, hypnotisch bis latent psychedelisch stellen Fire! auf diesen vier Stücken die Bandbreite ihres Könnens vor. Wir freuen uns auf mehr. (ijb)



Siehe auch:
Johan Berthling bei Tape
Tonbruket
Sten Sandell Trio
Mats Gustafsson & Sonic Youth with Friends



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2018, Design & Programmierung: Polarpixel