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Alle Rezensionen zu Årabrot
(Genre »Rock«, Land »Norwegen«)

 

The Gospel
(2016, Fysisk Format/Bandcamp FY090CD / FY090LP)

Diesmal wollen wir nicht schon wieder eine Platte von Årabrot verpassen. »Solar Anus« war vor fünf Jahren eher ein Ding für Liebhaber einer rau hingeworfenen Metal-Punk-Melange und überzeugte uns nicht so recht, obwohl es dafür später sogar den wichtigen und begehrten Spellemannpris (den »norwegischen Grammy«) gab. Die unbetitelte Nachfolge-CD 2013 und die 45rpm-LP »I Modi« (2014) sowie mehrere experimentelle Noise-Rock-EPs mit u.a. Lasse Marhaug haben wir aufgrund von Aufmerksamkeitdefiziten unbeachtet gelassen...

Doch nun haben Årabrot mit dem achtem Album einen großen Wurf vorgelegt. Weit entfernt vom schmutzigen und lärmigen Sound früherer Platten, die mal exzessiv an »Metal Machine Music«, mal an Boys Next Door oder an die frühen Sonic Youth anknüpften, haben die Norweger für »THE GOSPEL« alles zusammengeworfen, was ihre Kräfte hergaben. Hier kommen Experimental-Rock, Noise, Hardcore, Doom Metal und dunkler Blues zusammen, und man kann sich das Ergebnis vielleicht als eine Kollaboration zwischen Liars und Swans vorstellen, Orgeln und Metallica obendrauf. Zu diesem Zweck hat sich die Band für dieses Album opulent um Gäste erweitert: der kalifornische Doom-Metaller Stephen O’Malley steuert »guitar drones and solos« bei, die schwedische Pop-Artistin Karin Park Piano, Mellotron und Gesang, Kristoffer Lo von den Hipster-Lieblingen Highasakite und vom Radikal-Minimal-Tubatrio Microtub spielt verstärkte Tuba und »Flugabone«, Emil Nikolaisen und Andrew Liles sind mit »Noise« verzeichnet und Erlend Hjelvik von Kvelertak mit »Norse shouts«.

Bei all dem apokalytischen Lärm, Geschrei und epischen Konzept-Progressive-Monstern wie »Faustus« beweisen Årabrot aber auch eine gesunde Portion Humor, und das erstaunt und beeindruckt schon deshalb, weil bei Frontmann Kjetil Nernes 2014 während der Tour Kehlkopfkrebs diagnostiziert wurde, er die Tournee dennoch nach Plan zu Ende führte, bevor er sich in Behandlung begab, und schon früher als von Ärzten gedacht mit der Band wieder ins Studio ging. Und nun geht's wieder auf Tour. Dieser (Über-)Lebenswille prägt die Platte, noch mehr aber ist sie geprägt von der bezwingenden Kreativität der Band. »THE GOSPEL« ist radikal, spektakulär, aufreibend, mitreißend und eingängig, hat Pop-Appeal. Ein großes, großartiges, grenzensprengendes Rockalbum. (ijb)



Siehe auch:
Erlend Hjelvik mit Kvelertak
Kristoffer Lo mit Highasakite
Emil Nikolaisen mit Misty Range
Karin Park

 Årabrot: The Gospel

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.arabrot.com/thegospel/

   

Who Do You Love
(2018, Pelagic/Cargo 2xLP/CD/digital)

Ihr Album »THE GOSPEL« war wohl der Karrierezenit, der kaum zu übertreffen sein wird. Daher überrascht es nicht, dass der Nachfolger nun merklich entspannter ausgefallen ist, aber auch neue Wege beschreitet, den Kosmos der Band stilistisch (weiter) öffnet, hin zu mehr Blues- und Art-Rock, mehr »Classic Rock« gar. Sänger Kjetil Nernes lebt nun im ländlichen Schweden und hat sich für »WHO DO YOU LOVE« in einer ehemaligen Kirche in den Wäldern Dalarnas Inspiration gesucht und letztlich auch das Album mit der Band eingespielt. Dieser zählt nun auch seine Gemahlin Karin Park, die ebenfalls Alben und Videos in dieser Kirche produziert hat, als festes Mitglied. Das erklärt den Albumtitel, wenngleich das Covermotiv der CD die Beziehung der beiden als skurrile Beauty-and-the-Beast-Paarung aufgreift. Auch erinnert Årabrots Musik nun zunehmend an die »mittlere Phase« der Swans, als Michael Gira den Platz am Mikrofon mit seiner Partnerin Jarboe Deveraux wechselte und die Songs weniger brachial als vielmehr düster-melodisch, teils sogar ungewohnt sanft wurden.

Auch Nick Cave and The Bad Seeds kommen einem bei Årabrots neuen Songs des öfteren in den Sinn, nicht so sehr wegen der »Wild Rose«- und »Henry Lee«-Duette, sondern wegen Nernes' Hang zu ergriffener Dramatik in bluesigem Songwriting, existenzialistischen Themen und religiös-romantischen Texten. Wie gewohnt bedient er sich einer Vielzahl an Referenzen und Zitaten, die Årabrots Musik weit über den Durchschnitt von Noise-Rock-Bands hinaushieven. (ijb)

Video-Link

   

Solar Anus
(2011, Fysisk Format/Cargo FY050CD / FY050LP)

Årabrot aus dem norwegischen Haugesund hauen die fünfte Platte raus. Rock'n'Roll, yes! Fern jeder Trendschielerei. Dass hier nur ein Duo aus Gitarre und Schlagzeug am Werk ist, erinnert natürlich an die beerdigten White Stripes, doch gegen die Norweger sind die rot-weißen Zwei aus Detroit zahme Kätzchen. Eine schnodderige Punk-Attitüde und Lust am Noiserock-Geballer stecken den Rahmen für Årabrots unfreundliche Rebellenmusik. Im Produzentenstuhl saß immerhin der mittlerweile ein bisschen legendäre Steve Albini.

Dabei darf man natürlich keine intellektuellen Faxen erwarten, nein, hier ist pubertäre Launigkeit angesagt, und musikalisch bedient man sich halt nach Tagesstimmung in der Geschichte des LoFi-Rocks. Tja, wollen die Jungs nicht ganz ernst genommen werden - oder sind sie eher schlecht gelaunt? Wer auf das Gegröhle und Gebolze keinen Bock hat, soll halt zu Hause bleiben. Oder wieder die White Stripes kaufen, ey, diese Mädchenmusik. Mir doch egal. Wirklich provokant ist das freilich nicht. Und LoFi, naja, Geschmackssache. Hab schon besseres gehört. (ijb)

Video-Link



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