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Alle Rezensionen zu Koboku Senjû
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Selektiv hogst
(2010, Sofa 530)

Koboku Senjû ist kein japanischer Performancekünstler, sondern ein fünfköpfiges Impro-Ensemble - zwei Japaner, der Gitarrist Tetzui Akiyama und der »No-Input Mixing Board«-Spieler Toshimaru Nakamura, und drei junge Norweger, die bereits im Christian Wallumrød Ensemble oder im Trondheim Jazz Orchestra aktiv waren: Espen Reinertsen (Saxofon, Flöte), Eivind Lønning (Trompete) und Martin Taxt (Tuba). Sound-Artistin/Autorin Jenny Hval schrieb für die CD einen assoziativ tagebuchartigen Text über einen winterlichen Besuch bei ihren Eltern in einer südnorwegischen Kleinstadt. Hval erläutert, dass die Songtitel sich auf Texturen von Holz und Fell beziehen und dass die Wörter mit Wachstum und Fäulnis, mit Frieden und Angst in der Natur zusammenhängen. Sie imaginiert die Welt eines umherwandernden Tieres in einem so bedrohlichen wie schönen Wald. Und nach dem Hören der CD wandert sie selbst durch die Straßen, als wäre die Stadt dieser Wald und sie dieses Tier, während um sie herum Eisblöcke von den Dächern fallen und auf dem Asphalt in diamantene Splitter zerbersten. Am Ende des Berichts verbindet sie die Musik von Koboku Senjû mit Verrotten und Verfall, überhaupt mit Leben und Tod.

Soweit der Ausgangspunkt. Von den beteiligten Instrumenten sind oftmals kaum mehr als Spuren und Splitter zu hören, getupft, skizziert, hingeworfen, hingeschmiert, gar geschleudert, angerissene Töne, unvollständige Formen, und immer wieder Geräusche, Verzerrungen, Schlieren, Rauschen und sehr hohes Fiepen und Klingen. Die Ursprünge all dessen kann man nicht so leicht nachvollziehen. Was ist eigentlich ein »No-Input Mixing Board«? Nakamura verbindet wohl den Ausgang mit dem Eingang und arbeitet so ausschließlich mit den daraus entstehenden Feedbacks.

Ja, dies ist Jazz, ohne Zweifel. Aber eben auch ohne Grenzen. Damit kein Missverständnis aufkommt: »SELEKTIV HOGST« ist kein impulsives, lärmendes oder schrilles Werk, überhaupt nicht. Von Anfang bis Ende pulsiert und schwebt dieses Quintett durch die Texturen, als hätte sie jemand zur Zurückhaltung gezwungen, gerade so als wollte stets einer nach dem anderen aus der Enge ausbrechen und sich eines Drucks befreien, der sich doch nie lösen lässt. Bis zum Schluss, am Ende des achteinhalb Minuten langen letzten Stücks, bleibt diese Spannung, doch das Quintett verbindet sich zu einem Miteinander eines lang gehaltenen Tons, der sich zuerst im Vibrieren, dann im reinen Rauschen verliert und schließlich abbricht. Atemberaubend. (ijb)



Siehe auch:
Jenny Hval
Christian Wallumrød Ensemble
Skogen
Streifenjunko

 Koboku Senjû: Selektiv hogst

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.kobokusenju.no



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