Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Sheriffs of Nothingness
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

An Autumn Night at the Crooked Forest, four fireplaces (in reality only one)
(2020, Sofa 583)

Zum vierten Mal begaben sich Kari Rønnekleiv und Ole-Henrik Moe im Oktober 2019 mit Geige, Bratsche und Toningenieur Audun Strype in die einsame Hütte im »Crooked Forest« (=die Region Krokskogen im Nordwesten von Oslo), um eine minimalistische Hommage an die Stille und den Wald, konkret aber auch an die Feuerstelle und das Feuerholz aufzunehmen. Man sollte nun keine romantischen, volkstümlichen Streicherduos erwarten; die »Sheriffs« betonen gerne, dass ihre prägenden Einflüsse die Klangfarbenkomponisten seit der Avantgarde der Nachkriegszeit bis zu den Minimalisten der Gegenwart sind und sie sich in deren Tradition sehen – von Scelsi und Ligeti über Grisey, Lachenmann, Feldman und Lucier bis hin zu Phill Niblock und Walter Fähndrich. Damit passen sie natürlich (nach wie vor) bestens in die Sofa-Schublade, aber auch zu einigen jüngeren Veröffentlichungen bei den Kolleginnen und Kollegen von Hubro.

Fünf Jahre sind seit dem letzten »Crooked Forest«-Album vergangen (nach »Summer« und »Winter« erschien 2015 das »Weihnachtsalbum«), und anders als bisher gibt es diesmal vier epische, jeweils bis zu 20 Minuten lange Stücke statt vieler kürzerer. Dies verstärkt den Aspekt von »Kaminmusik«, d.h. die Nähe zum Ambient, zur Raumklang- bzw. Stimmungsmusik ist diesmal eindeutig Teil der Idee. Und das funktioniert hervorragend. Die Klangwelt der vier Stücke unterscheidet sich teils subtil, aber entscheidend: Während der eine oder andere zu Beginn beim ersten Stück das Grundbrummen womöglich etwas anstrengend als eine Art Störgeräusch im Raum erlebt, erinnern folgende Stücke mehr an den Gedanken einer Feuerstelle (»Fireplace«), was ja schon seit dem ersten Album der Reihe präsent war. Schön zu sehen, wie Moe und Rønnekleiv aus dieser simplen Idee über die Jahre hinweg eine so (abwechslungs-)reiche und immer weiter vertiefte organische Musik kreieren. Sie schaffen ihre ganz eigene faszinierende Welt an der Schnittstelle der genannten zeitgenössischen Komponisten und dem Ambient-Genre. (ijb)



Siehe auch:
Ensemble neoN: Phill Niblock
Håkon Stene & Kristine Tjøgersen
Vilde&Inga
Ole-Henrik Moe

 Sheriffs of Nothingness: An Autumn Night at the Crooked Forest, four fireplaces (in reality only one)

Offizielle Website

Offizielle Website      https://www.sofamusic.no/artist/sheriffs-nothingness

   

A Summer's Night At The Crooked Forest
(2010, Sofa 533)

Zwar sind Sheriffs Of Nothingness an sich ein Duo – Ole-Henrik Moe und Kari Rønnekleiv, die auf Rune Grammofon mit einer hochambitionierten und extremen Doppel-CD von sich reden machten. Ihr Projekt unter dem Namen Sheriffs of Nothingness darf man letztlich aber als Trio bezeichnen, denn Klang-Genie Audun Strype begab sich mit dem Musiker-Ehepaar für ein paar Tage in eine Hütte im »center of the crooked forest«, wo es nur Solarstrom gab. Und der Klang, den Strype durch Aufnahme, Mix und Mastering prägte, darf hier als gleichberechtigte Stimme im Trio gelten, nicht nur wenn dies explizit bei einem Track »featuring A. Strype on fireplace« vermerkt wird. Grandios wird die Feuerstelle hier zu Bienenschwarm-Clustern.

Wie auf dem erwähnten (ebenfalls mit Strype entstandenen) Album sind die Sheriffs of Nothingness auch hier komplett jenseits von allem, was man landläufig als Streicherduos kennt und erwartet. Hypnotische Improvisationen, die oftmals gar wie nur ein Instrument klingen. Trotz großer Ernsthaftigkeit hat diese Avantgarde-Musik einigen Witz, wie bereits ein Blick auf die Songtitel zeigt. Neben der 56 Sekunden kurzen »Opera Interruptus« finden sich dort allerdings auch Cecilie Ore, Deathprod und Arne Nordheim gewidmete Titel.

Moe, der unter anderem bei Xenakis studierte, erhielt 2006 den renommierten Nordheim-Kompositionspreis, und das »Epitaph (for A. Nordheim)« wurde in unmittelbarer Reaktion auf dessen Tod geschrieben und nur wenige Tage später aufgenommen. Mit acht Minuten ist dies das längste sowie das am eindeutigsten komponierte Stück, extrem minimalistisch, reduziert als ob nur letzte Spuren von Musik übrig bleiben. Daneben können auch Scelsi und Feldman mühelos als Referenzpunkte für diese außergewöhnliche CD herhalten. (ijb)



Siehe auch:
The Island Band
Audun Strype mit Nils Økland
Arne Nordheim
The Touchables



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2020, Design & Programmierung: Polarpixel