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Alle Rezensionen zu Susanne Sundfør
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

Ten Love Songs
(2015, Sonnet Sound Ltd./Kobalt SONSOU10CD)

Mit dem schwebenden Intro »Darlings« erweckt Susanne Sundførs fünftes Album tatsächlich erst einmal den Eindruck, es handle sich hierbei um eine Kollektion von Liebesliedern, wie bereits das eher zarte Cover verspricht. Nicht mehr ganz so exaltiert und ornamental wie auf den beiden erfolgreichen Vorgängern scheint es nun zur Sache zu gehen. Doch mit »Accelerate« legt die Dame gleich los: Es geht ebenso um Verletzung und Obsession, um Leidenschaft, Lust und Gewalt wie es um die Liebe geht. Und Frau Sundfør macht diesmal ernst mit ihrem ganz großen Popentwurf, der bislang eher zu ahnen als zu erleben war. Schlag auf Schlag folgen Pophits, die eingängig und tanzbar sind und vor Energie bersten.

Die Norwegerin, die »TEN LOVE SONGS« selbst produzierte, geizt weiterhin nicht mit Einfällen und komplexen Arrangements. Neben den gewohnt vielseitigen Musikern, 15 an der Zahl, darunter ihrem exzellenten Tourschlagzeuger Gard Nilssen, Anthony »M83« Gonzalez und die Jungs von Røyksopp, wirkt das 16-köpfige Kammerstreichorchester TrondheimSolistene mit. In der Mitte steht ein zehnminütiges, grenz- und genreüberschreitendes Opus Magnum, das Björks »Black Lake« das Wasser reichen kann, Lieder wie »Delirious« und »Kamikaze« mixen Achtziger-Jahre-Synthpop mit völlig gegenwärtigen Sounds, und immer bilden ins Schwarze treffende Popsongs das Fundament, die, ganz erstaunlich, gleichzeitig direkt und eingängig wie mutig und extrem sind. Mit diesem nahezu durchweg brillanten Album legt Susanne Sundfør ihr bislang bestes Werk vor. (ijb)



Siehe auch:
Gard Nilssen
TrondheimSolistene
Nikolai Hængsle Eilertsen
Röyksopp

Susanne Sundfør: Ten Love Songs

Offizielle Website

Offizielle Website      http://susannesundfor.com/

   

The Silicone Veil
(2012, Grönland CDGRON120)

Auf der Bühne versteckt sich Susanne Sundfør heutzutage gerne hinter überlangen Wimpern, und die ausgeklügelte Lichtführung erweckt den Anschein eines Ablenkungsmanövers. Dabei strotzt sie vor Talent und verfügt über eine Stimmkraft, mit der sie schon das Publikum in ihren Bann zu schlagen wusste, als sie noch nahezu unbekannt war und ohne jeglichen Firlefanz auftrat. Doch das scheint ihr nicht mehr zu genügen.

Auch im Studio werden mittlerweile schwere Geschütze aufgefahren. Wie »THE BROTHEL« ist »THE SILICONE VEIL« in enger Zusammenarbeit mit Lars Horntveth entstanden. Erneut ächzen die eher schmächtigen Lieder unter der Last überbordender Arrangements. Das ambitionierte Konzept kann nicht übertünchen, dass Sundfør noch die Reife zu fehlen scheint, um das Songwriting in Einklang mit ihren künstlerischen Ambitionen zu bringen. »White Foxes« und »The Silicone Veil« dienen als kleines Trostpflaster und zeigen, dass mehr in Sundfør steckt. Hoffentlich läuft sie beim nächsten Mal zur Höchstform auf. (mau)

   

The Brothel
(2010, Grönland/Rough Trade CDGRON117)

Leider kann »THE BROTHEL«, Susanne Sundførs drittes, auf den internationalen Durchbruch abzielendes Album, nicht so rundweg überzeugen wie man es gerne hätte. Ein Teil Songwriting, ein Teil Elektronik, neblige Texte – und vor allem eine zu dominante Produktion, zu viel Feenhaftigkeit, und so bleibt ein zerstreuter Gesamteindruck zwischen Heute und Gestern. Cover und Design unterstreichen das mit allzu nachdrücklicher Vagheit.

Sundfør bzw. zumindest diesem Album mangelt es leider an der künstlerischen Präsenz einer Jenny Hval oder am klaren Fokus einer Susanna Wallumrød. Irgendwie scheint sie alles auf einmal zu wollen. »I search for something, or whatever, I don’t really care,« schreibt sie selbst in einem Liedtext. Die Einzelteile sind teils höchst faszinierend: die fantasievolle Extravaganz und emotionale Eindringlichkeit des Titelsongs, die elektronischen Rhythmuspartikel in »Lullaby«, die Vielseitig- und Vielschichtigkeit der Instrumentierung... Ja, die Songs sind ambitioniert, aber nicht immer auf dem Niveau der ausgefeilten Verpackung, die meist mit Lars Horntveth und anderen Jaga-Jazzist-Musikern erarbeitet wurde.

Es bleibt der Eindruck, dass Susanne Sundfør zwar viel kann (und will) und für die Umsetzung ihrer Ideen Musiker, Mittel und Publikum mobilisieren kann, aber sie sich nicht ganz traut, sich zu öffnen, sich hinter zu viel Drumherum versteckt. Was schade ist, denn wahrscheinlich hat sie dies gar nicht nötig. Den vielen Vorablobeshymnen und den großen Vorbildern gerecht zu werden schafft Susanne Sundfør mit »THE BROTHEL« noch nicht. Aber sie hat mit ihren 25 Jahren ja noch Zeit. Ein willkommenes Antidot zu Lady Gaga und der Fixierung auf Oberflächen im Pop ist sie allemal. (ijb)



Siehe auch:
Lars Horntveth
Susanna Wallumrød
Jenny Hval
Jaga Jazzist

   

Take One
(2008, Your Favourite Music YFM-2008-04)

Es ist ein langer Weg von Haugesund nach Hollywood – aber eine begnadete Sängerin wie Susanne Sundfør findet natürlich eine Abkürzung. Deshalb schwebt ihre Stimme über dem bombastischen Synthesizerteppich, mit dem die französischen Elektronikfrickler M83 den Abspann von Tom Cruise' neuestem Kassenschlager »Oblivion« unterlegt haben. Losgelöst vom Film stellt das Lied allerdings keine große Überraschung dar. Schließlich hat sich Sundfør schon längst von dem bodenständigen Klangbild ihres Debüts verabschiedet.

Wer sich dennoch für ihre Wurzeln interessiert, kommt ihnen mit »TAKE ONE« sehr nahe. Weil Sundfør die ziemlich zahnlosen Arrangements auf dem namenlosen ersten Album im Nachhinein missfielen, hat sie fast alle Lieder noch einmal aufgenommen. Nur das misslungene Duett »Morocco« fiel der Schere zum Opfer, »Interlude« und »After You Left« haben sich neu hinzugesellt. Die Begleitung wurde wie bei den frühen Solokonzerten durchweg auf ein Instrument reduziert. Das Ergebnis klingt ansprechend, ist jedoch überraschungsarm. (mau)

   

Susanne Sundfør
(2007, Your Favourite Music N 50048-2)

»Mein Gott, was ist denn das für eine Jacke? Und die Frisur! Von der lenkt ja noch nicht mal die Zahnspange ab!« Beim Betrachten eines Fotoalbums ist man oft peinlich berührt. Ähnlich geht es Musikern, die mit alten Aufnahmen konfrontiert werden. Das gilt insbesondere für Debütalben, weil sie im Rückblick zu viel Unsicherheit und Unerfahrenheit zutage treten lassen. Doch so wie man Fotos anderer Leute unbefangener betrachten kann, konzentriert man sich als Außenstehender auch bei Musik auf andere Aspekte und schätzt die Frische und Unbekümmertheit.

Susanne Sundførs erste Schritte sind noch etwas vorsichtig und tastend, aber sie sind beileibe nicht unbeholfen. Die Auswahl der Lieder ist typisch für einen Erstling, denn das Album erscheint nicht wie aus einem Guss. Es werden verschiedene Seiten einer außergewöhnlichen Künstlerin präsentiert, die lange an ihrem Gesangsstil und an ihren Melodien gefeilt zu haben scheint. Höhepunkte sind »I Resign«, »Walls« und »Gravity«. Andere Stücke fallen dagegen merklich ab, allen voran die einzige Fremdkomposition »Morocco«. (mau)



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