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Alle Rezensionen zu Bring The Mourning On
(Genre »Pop«, Land »Schweden«)

 

Going Going Gone
(2011, Stargazer Records/Broken Silence 06125)

Es will nicht hell werden in der Welt von Bring The Mourning On. Das Quartett aus Malmö verharrt auf seinem Debütalbum »GOING GOING GONE« in der dunkelsten Stunde der Nacht, wenn alte Verletzungen am meisten schmerzen und die Ausreden für falsche Entscheidungen endgültig ausgehen. Ehrliches Leiden, kraftvolles Beharren: Henning Petersson und Erika Schröder, die beiden Stimmen der Band, sitzen tief im Alternative-Americana-Land abseits des Highways in einem Late-Night-Diner und pflegen altmodische Werten wie Beharrlichkeit und Bescheidenheit. Setzen auf die Macht der Verlangsamung, um ihrer tapferen Melancholie eine fast schmerzende Innigkeit zu verleihen. Wie in »Gone, Gone, Gone«. Vorbei. Aber aufgeben? Niemals. Wilco und Kristofer Åström sitzen am Nebentisch und nicken zustimmend. Gary Moore lächelt von oben und weiß, dass der rauhe Schmerz des Blues seine Spuren im schwedischen Singer-Songwriterland hinterlassen hat.

Erst beim dritten Hören sind die Sinne dafür geschärft, dass die Schweden ein Händchen für behutsame, aber feine Arrangements haben. »42« etwa kommt als trauriger Walzer daher. Mitunter geben Posaune und Cello knappe Gastaufritte und werden dann wieder von der Nacht verschluckt. Ein Piano flackert auf wie ein Irrlicht. In »Eye Of The Beholder« schnuppert man kurzzeitig die Morgenluft des Countryrock. Wer hilf uns, einen weiteren Winter zu überleben, wird in »Rise Till Summer« gefragt. Bring The Mourning On tun es, voll samtschwarzer Wärme. (emv)



Siehe auch:
Kristofer Åström

 Bring The Mourning On: Going Going Gone

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.bringthemourningon.com/

   

Northern Ghost
(2014, Stargazer Records/Broken Silence)

Die traurige Prärie fängt gleich hinter Malmö an: Wer wehleidigkeitsfreie Americana-Melancholie goutieren will, ohne dabei einen Ozean zu überqueren, ist in der südschwedischen Stadt genau richtig: Denn das Leben scheint Henning Petersson dauerhaft beuteln zu wollen. Der Sänger und Gitarrist der schwedischen Neo-Folkster Bring The Mourning On bemüht sich auf seinem dritten Album »NORTHERN GHOST« weiter vergeblich, einen Zipfel des Glücks zu erhaschen. Betont reduziert und gemessenen Tempos kommen diese Tracks daher. Wärme können Petersson und seine Mitstreiter, allen voran Sängerin Erika Axelsson, nur tief in sich selbst finden. Und in tröstlichen Instrumenten, wie einer gefühlig puckernden Gitarre und Keyboards, die wie das Harmonium im Gemeindesaal klingen. In Songs wie dem hoffnungslosen »Fading Trail« ist alles aufs Wesentliche reduziert. Wichtig ist nur die Kunst, den Schmerz ertragen zu lernen.

Und doch sind die Schweden keine vom Leben zerzauste Trübsalblaser, die nur vor sich hinjammern. Wer sich damit abfinden kann, dass es in der Welt von Bring The Mourning On meistens düster ist, kann hier viele Schattierungen der Farbe Dunkelgrau entdecken. Wird auch zarte Töne hören. Und wunderbare Harmoniegesänge zwischen Mann und Frau. Einziges Manko hier: Die mangelnde Abwechslung. Denn diese Tracks bewegen sich alle in einer Geschwindigkeit. Und manchmal wäre es schön, wenn der treue Gaul in der Prärie auch mal ein bisschen traben würde. (emv)

   

Ukiah
(2013, Stargazer Records/Broken Silence)

In der Rolle des vom Schicksal gebeutelten Schmerzensmannes hat sich Henning Pettersson gut eingerichtet. Vom Leben mehr wollen, als man bekommt, ist eine menschliche Grunderfahrung, die der Schwede und die Seinen auf dem zweiten Album »UKIAH« (übrigens derr Name einer nordkalifornischen Kleinstadt) in einer Andachtsstunde in Form des schlichten Countryfolk beklagen. Mit bemerkenswerter Lakonie übrigens und beileibe nicht jammernd! Wobei die Vier hier hörbar einen Schwenk ins Singer-Songwriter-Lager vollziehen. Nachdenklich und verlangsamt geht es hier zu, hemdsärmelig sowieso. Die Instrumentierung bleibt reduziert. Ein einsames Banjo puckert. Dass sich die Vier hier zu Experten in Sachen Verlust aufschwingen, liegt vielleicht auch daran, dass auf dem langen Treck durch die Prärien der Melancholie gleich mehrere der ursprünglichen Bandmitglieder verloren gegangen sind.

Frohnaturen werden die Schweden in diesem Leben wohl nicht mehr. Aber wer Melancholie nicht mit Depression verwechselt, der wird auf diesem Album neue, innige Schattierungen der Klangfarbe dunkelgrau entdecken. Und mag bei getragenen, harmoniumunschmeichelten Tracks wie »Times Are Passing« Trost daraus ziehen, dass auch andere im Regen stehen. Und mit trotziger Zärtlichkeit die Schultern hochziehen und weitermachen. (emv)



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