Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Hirundo Maris
(Genre »Klassik«, Land »Grenzgänger«)

 

Chants du Sud et du Nord
(2012, ECM/Universal ECM New Series 2227)

Schön, dass wir Arianna Savall nach ihrer Mitwirkung in Rolf Lislevands Ensemble und ein paar eigenen CDs, die über Alte-Musik-Kreise hinaus kaum Beachtung fanden, nun mit einem so meisterlichen Album über ECM näher kennenlernen dürfen – mit dem sie hoffentlich weitreichend wahrgenommen wird. Wie bereits einige Male präsentiert Manfred Eicher eine traumhaft bewegende, niemals lahm oder angestrengt daherkommende Kombination Alter Musik mit traditionellen Volksliedern. Savall, natürlich die Tochter von Jordi Savall und Montserrat Figueras, spielt verschiedene Harfen, während ihr Partner Petter Udland Johansen auf der Hardangerfiedel und der Mandoline musiziert, beide singen zudem, wie die übrigen drei Mitglieder ihres Quintetts Hirundo Maris (lateinisch für Seeschwalbe), die gelegentlich Gitarre, Perkussion und Kontrabass beisteuern.

Der Albumtitel und die Besetzung und Herkunft der Musiker – Katalanien und Norwegen – deuten es an: Die siebzehn Lieder wagen den Schulterschluss der Traditionen des Mittelmeers und Skandinaviens. Dazu gesellen sich ein paar sephardische und schottische Weisen. Diese besondere künstlerische Verbindung wird beseelt von der Intimität des Paars Savall und Johansen, so dass »Chants du Sud et du Nord« letztlich vor allem auch ein Album von Liebesliedern, Grenzen überschreitend, Meere überfliegend geworden ist.

Es fällt schwer, diesem superben Debüt von Hirundo Maris in einer unserer Kategorien nicht die höchste Wertung zu geben. Das Ensemble spielt einfach zu gut, die Texte und Arrangements sind zu eindringlich, der Klang der Aufnahmen aus der Propstei St. Gerold unter Manfred Eicher könnte präsenter, filigraner nicht sein — und die Liedauswahl eröffnet mit jedem Hören weite(re) ungeahnte Assoziationen, Emotionen und musikalische Entdeckungen. Großartig. (ijb)



Siehe auch:
Rolf Lislevand
Benedicte Maurseth & Åsne Valland Nordli
Susanna Wallumrød & Giovanna Pessi

 Hirundo Maris: Chants du Sud et du Nord

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://ariannasavall.com

 

Il viaggio d'Amore
(2015, Carpe Diem Records CD 16307)

Vor drei Jahren bewunderten und lobten wir das Debütalbum des Ensembles Hirundo Maris in den höchsten Tönen. Mit Hilfe von Manfred Eichers ECM-Produktion wurden Arianna Savall und Petter Udland Johansen einem neuen, breiteren Publikum bekannt. Nun wiederum verhelfen Savall und Johansen Jonas Niederstadts famosen Kleinlabel Carpe Diem zu einem neuen Interessentenkreis. Der in Berlin lebende Niederstadt produzierte seit 2007 bislang fast 40 Alben mit Fokus auf Europa vor 1800 und traditionelle Musik, sowie spannende Verschränkungen dessen. Bislang finden sich auf Carpe Diem Records zwar nur wenige Aufnahmen mit »nordischer Musik«, eine von ihnen war beispielsweise Slagr-Mitglied Anne Hytta mit ihrem Hardangerfiedel-Solodebüt.

Zurück zu Hirundo Maris, bei denen die Hardangerfiedel auch eine wesentliche Rolle spielt: Nach »Vox Cosmica« mit Musik von Hildegard von Bingen und Petter U. Johansen, inklusive einer temporären Umbesetzung, setzt das Ensemble in fast der gleichen Besetzung (der polnische Gitarrist Michał Nagy kam zwischenzeitlich hinzu) die eindringliche Linie von »Chants du Sud et du Nord« fort: Liebeslieder quer durch (noch mehr) Länder und Jahrhunderte, und so haben sie das Album direkt unmissverständlich »IL VIAGGIO D'AMORE« (»Der Weg der Liebe«) betitelt. Darunter finden sich alte und überlieferte Lieder aus Spanien, Frankreich, Katalonien, Italien (Monteverdi), Galizien, der Schweiz und England, sowie aus Österreich Franz Schuberts »Heidenröslein« nach Goethe. Aus den nordischen Ländern gibt es diesmal nur das norwegische Volkslied »Astri, mi Astri« sowie abschließend eine Interpretation von »Gracias a la vida« der chilenischen Folkloremusikerin Violeta del Carmen Parra Sandoval, die sich 1967 im Alter von 50 Jahren das Leben nahm; das Lied hat ein paar Verse des schwedischen Liedermachers Jan Hammarlund (*1951).

Das gegenüber dem Debüt – etwas erstaunlich – ein wenig verhaltenere Album ist klug strukturiert, wie eine Reise aus Südeuropa über die Alpen und England nach Norwegen, auf den eindringlichen chilenischen Höhe- und Schlusspunkt hin. Interessanterweise hatten die Interpreten jedoch offenbar nicht das Ziel, regionale Unterschiede in der Musik herauszuarbeiten, eher im Gegenteil: Mit einer nahezu verzaubernd utopischen Note werden durch die Hände und Stimmen von Hirundo Maris alle Teil eines größeren, etliche Jahrhunderte überspannenden Volkes mit gemeinsamer Identität. (ijb)



Siehe auch:
Anne Hytta

 Hirundo Maris: Il viaggio d

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://ariannasavall.com

 

The Wind Rose
(2017, Carpe Diem Records CD-16314)

Auf ihrem bereits vierten Album tragen Hirundo Maris, wieder in der gleichen Sextettbesetzung wie zwei Jahre zuvor auf dem Liebeslieder-Album, erneut Lieder aus zahlreichen Himmelsrichtungen zu einem intensiven 75-minütigen Programm zusammen. Wie gehabt spielt sich diese hochpoetische, überaus lyrische Musik in einem selten so stimmig zusammengeführten Grenzbereich von Folk und Alter Musik ab. Eigenkompositionen wie Johansens »Sea Fever«, mit dem die Reise in seiner südnorwegischen Heimat beginnt, gehen Hand in Hand mit nordamerikanischen, irischen, schottischen oder englischen Volksliedern, Barockstücken aus dem Frankreich des frühen 17. Jahrhunderts und Arianna Savalls Vertonung des lateinischen Hymnus »Ave maris stella« aus dem 9. Jahrhundert.

Mediterranes kommt diesmal nur am Rande vor, in einem Wiegenlied des nordkatalonischen Dichters Tomàs Gracés (1901-1993), mit dem Hirundo Maris die ihnen eigene Brücke von südlichen zu nördlichen Meeren schlagen. Mit dem Titel »Die Windrose« weisen sie diesmal nämlich explizit auf die vier Himmelsrichtungen hin, in dem Sinne, dass die Musiker eine Reise durch die Ozeane antreten, die Liedauswahl sich an Geschichten um Küsten und Inseln entlang hangelt. Und es ist geradezu ein Wunder, dass diese ambitionierte Mischung über Jahrhunderte, Kulturkreise und Stile nicht wie ein heillos beliebiger Flickenteppich wirkt, sondern von großer Souveränität und Dichte getragen voll ins Herz trifft. Wieder einmal. (ijb)



Siehe auch:
Trio Mediæval

 Hirundo Maris: The Wind Rose

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://ariannasavall.com



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2019, Design & Programmierung: Polarpixel