Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Jóel Pálsson
(Genre »Jazz«, Land »Island«)

 

Horn
(2010, Flugur/12 Tonar FLUGUR003)

Jóel Pálsson wurde 1972 in eine musikalische Familie in Reykjavík geboren; anfänglich lernte er Klarinette, bis er sich mit 15 fürs Tenorsaxofon entschied. Seither tauchte er auf über hundert CDs auf, doch erstaunlicherweise blieb sein Name hierzulande ein (noch) unbeschriebenes Blatt. »HORN« ist sein fünftes Album als Leader, das zweite auf seinem eigenen Label Flugur (Fliegen). Bei den Isländischen Musikpreisen wurde es als bestes Jazzalbum des Jahres 2010 ausgezeichnet, eine Ehre, die Pálsson davor bereits drei Mal zuteil wurde.

Nach dem frenetischen Vorgänger »Varp« ist »HORN« insgesamt etwas entspannter und mäandernder ausgefallen. Was nicht heißen soll, dass hier Musik zum romantischen Stelldichein oder zum Chillen geboten würde - vom pianolastigen Spätnachtstück »Þel« mal abgesehen. Pálsson hat wieder einmal (fast) seine komplette Band ausgewechselt; geblieben von »Varp« ist nur Multiinstrumentalist Davíð Þór Jónsson, mit Hammond, Minimoog, Saxofon und E-Bass offenkundig Pálssons wichtigster Mann im Quintett. Trompete bzw. Flügelhorn, Schlagzeug und erwähntes Piano (Eyþór Gunnarsson spielt auch mal Rhodes oder Moog) vervollständigen das Instrumentarium.

Man sieht schon: »HORN« verweist auf den Fusion-Sound der Siebziger Jahre, doch wäre es zu kurz gegriffen, diese knappe Stunde Musik - trotz eines Titels wie »Pigs in Space«, inklusive spaciger Soundeffekte - als altmodisch einzustufen. Pálsson hat kein Interesse an Retro; er baut aus alten Zutaten Neues. Und die Songs entwickeln sich nie in erwartbare Richtungen, wobei sie durchweg eingängig, fantasievoll und erstklassig musiziert, sowie als Gesamtheit spannungsvoll strukturiert sind. Im abschließenden »Bíslang« kommt man dann streckenweise kaum hinterher mit dem Hören, wer da gerade spielt, oder woher plötzlich dieser E-Gitarrensound kommt. Mitreißend. (ijb)



Siehe auch:
Einar Scheving
Jaga Jazzist
Skúli Sverrisson

Jóel Pálsson: Horn

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.joelpalsson.is

   

Varp
(2006, Flugur/12 Tonar FLUGUR002)

»VARP« beginnt als scheinbar traditionelles, entspanntes Late Night Jazz Album. Pálsson bläst ins Tenorsaxofon, als wolle er den Abend gemütlich ausklingen lassen. Seine vier Mitmusiker swingen unaufgeregt mit. Ungewohnt allerdings der Einsatz von Orgel und Moog und ab dem zweiten Stück, »Andrúm«, der markanten elektrischen Gitarre, die man vorher kaum wahrgenommen hatte. Und fast unmerklich zieht Pálsson das Tempo an; zumeist leitet er die neun Songs sehr präsent durch Melodien mit einigem Drive, als wolle er die anderen aus der Reserve locken.

Nach dem rauhen Schluss von »Andrúm« geben in »Hotel Bristol« dann Schlagzeuger Matthias Hemstock und Bassist Vladimar Sigurjónsson das Tempo vor. Rasant rockt Pálssons Truppe, hier mit einer mitreißenden Kombination aus Piano und Gitarre, das Hotel, äh Haus, und keiner möchte in diesem Energiestrudel untergehen. Etwas abgedreht und rauschhaft wird es schließlich im gut achtminütigen »Brot«, und trotz der Moogeffekte und Gitarrenfeedbacks kommt nie der Eindruck von Retro-Progjazz auf. »VARP« findet ganz in der Gegenwart statt. (ijb)



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2019, Design & Programmierung: Polarpixel