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Alle Rezensionen zu Niels Lyhne Løkkegaard
(Genre »Avantgarde«, Land »Dänemark«)

 

Vesper
(2012, Hiatus/Pladekisten.dk Hiatus004CD/LP)

Laut war der Vorgänger ohnehin nicht gerade, mit »VESPER« legt Saxofonist Niels Lyhne Løkkegaard jedoch ein spektakulär leises, zurückhaltendes Album vor. Dass er in einer Gruppe mit sieben weiteren Musikern, darunter einem Klarinettenquartett, diese sechzigminütige, introspektive Studie in Reduktion und Fokus eingespielt hat, mag man kaum glauben. Es ist anzunehmen, dass das CD-Format hier klangliche Einschränkungen mit sich bringt, weshalb es allzu konsequent und angebracht scheint, dass Løkkegaard sein viertes Album auch auf Doppelvinyl veröffentlicht. Wer feine, klanglich ausgefeilte Musik liebt, sollte daher die Mehrkosten nicht scheuen und sich um eine gute alte Schallplatte bemühen, zumal auch das gleichermaßen sensible und reduzierte Coverdesign unter dem CD-Miniformat leidet.

Was nicht heißen soll, dass »VESPER« den Audiophilen und Vinylspezialisten vorberhalten sein sollte. Im Gegenteil! Zwar darf darauf hingewiesen werden, dass Løkkegaards Vision von Jazz wenig mit dem allgemein vorherrschenden Verständnis und dem Mainstream dieses Genres verbindet. Doch für dunkel-sinnliche Einkehr (und das steht hier nicht vorrangig aufgrund des Albumtitels) und Krafttanken mit Hilfe von Ensemblespiel großer Klarheit und starken Charakters bietet »VESPER« für jeden Musikfreund mit offenem Geist eine hervorragende Stunde Musik. Neben den erwähnten vier Klarinettistinnen konnte Løkkegaard Jakob Buchanan am Flügelhorn, Jakob Bro an der Gitarre und last but not least ECM-Starpercussionistin Marilyn Mazur ins Studio laden, und mit dieser vollkommen neuen, aber erstklassigen Gruppe ist es fast ein Wunder, dass »VESPER« nicht als international top beworbenes Jazz-Highlight bei ECM erscheint. Es wäre absolut verdient - und die Aufmerksamkeit dem Saxofonisten sehr zu wünschen. Beim nächsten Mal aber hoffentlich - Herr Eicher, übernehmen Sie, bitte! (ijb)



Siehe auch:
Marilyn Mazur
Jakob Bro
Jakob Buchanan Kvartet
Søren Dahl Jeppesen

Niels Lyhne Løkkegaard: Vesper

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.nielsloekkegaard.dk

   

Sikorsky
(2013, Hiatus Hiatus008)

Vom Jazz in die Avantgarde. Bereits Løkkegaards Album »VESPER« wandelte auf dem schmalen Grat zwischen (improvisiertem) Free Jazz und wohlkomponierter »Neuer Musik«. Schon dort zeigte sich des Saxofonisten große Faszination der Klarinette, die er ebenso vervielfacht wie minimalistisch zur Grundlage einer erhebenden Suite machte. Hier tritt er noch mehr als Komponist denn als Jazzer in Erscheinung, doch der Klangs dieses von Klarinetten dominierten Ensembles erinnert ob der ziselierten Klanginterferenzen stark an irritierende Noise- und Ambient-Jazz-Werke à la Sofa Music oder vielleicht auch ein wenig an Stockhausens Hubschrauber-Quartett.

Dass neben acht Klarinetten gleich vier gestrichene Kontrabässe, vier Percussionisten und Løkkegaard selbst am Alt-Sax sowie Tobias Wiklund an der Trompete auftreten, würde man angesichts der extrem reduzierten Komposition nicht vermuten. Die Reduktion ist es wohl auch, was den Zugang schwer macht, doch ganz besonders für Kenner und Liebhaber Neuer Musik bietet Løkkegaard mit seinem Jazz-Hintergrund eine allzu lohnende, mystische Klang(kunst)welt, in der nichts ist, wie es scheint. (ijb)



Siehe auch:
Lars Greve
Stefan Pasborg
Anders Banke
Thommy Andersson

Video-Link

   

The Scale Of Grey. The Tone Of Black.
(2010, Gateway Music nelsonian rec NLS001)

So zart und zurückhaltend wie Løkkegaards drittes Album sich visuell präsentiert, erweisen sich auch die neun reduziert benannten Titel. Erst ab Nummer vier, »The Unspeakable«, gewinnt das vorsichtige Treiben ein wenig an Fahrt, doch das Tempo wird nur sehr sporadisch angezogen. Weitestgehend spielt sich dieser impressionistische, im Trio bis Quintett eingespielte Kammerjazz in introspektiven Schattierungen und klanglich sehr einheitlichen Farben ab. Es dominieren Løkkegaards gedämpftes Saxofon und Jeppe Kjellbergs Gitarre; das Piano (Christoffer Steen Møller) fügt sich meist so weich ins Klangbild ein, dass es kaum Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Der Albumtitel macht die Richtung deutlich, doch ganz so düster ist diese kompositorisch stringente Erzählung nicht ausgefallen. Es darf auch mal luftig und fast fröhlich zugehen, und das ausgerechnet in einem Lied, das den Namen »The Wasteland« trägt. Bei vier Stücken gastieren Kontrabass und Schlagzeug, und dann kommt in »The Unheard« sogar mal so etwas wie der Schwung einer altmodischen Jazzband auf, unterwandert von geisterhaft wehenden »Aaah«-Stimmen im Hintergrund. Ein starkes - selbst produziertes - Statement, das der zum Zeitpunkt der Aufnahme 30-jährige, mit bereits einigen renommierten Preisen gelobte Däne hier abgibt. Eines, das sich oberflächlichem Hören strikt verweigert. (ijb)



Siehe auch:
Johannes Richter



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