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Alle Rezensionen zu Kobert
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

Off the hook
(2011, Øra Fonogram/Musikklosen AS 7090015630241)

»This is 'your time is up', this is the last cigarette, this is not understanding the language (...) this is the meaning of everything, this is music for leaving« heißt es im eindringlichen »Music for leaving«, dem geheimen Untertitel des Albums. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nehmen Kobert Abschied. Drei Individualisten, die von der zukünftigen Richtung ihrer Band miteinander unvereinbare Vorstellungen haben. Dass Ingrid Lode, Daniel Formo und Erik Nylander das Trio in sehr unterschiedlicher Weise geprägt und es so zu einem leidenschaftlichen und schlagkräftig unkategorisierbaren Trio gemacht haben, musste über vier Alben wohl fast zwangsläufig zu einer Implosion führen. Mit all ihren Erfahrungen im Hinterkopf und der Gewissheit, dass »OFF THE HOOK« ihr Schwanengesang wird, lassen Kobert ihrer Fantasie freien Lauf und scheren sich nicht um Konventionen oder Verkäuflichkeit. Sicher sagt Lode aus diesem Grund, dass dies ihr bestes Album sei. Und somit wahrscheinlich der beste Zeitpunkt, um aufzuhören.

Die zehn Stücke sind mit Wut und Leidenschaft, mit unbändiger Fantasie und Fragen nach Individualität, Kompromissen und Beziehungsthemen aufgeladen. Ausgefallene Instrumentierung (Akai Remix, Omnichord, Hammond, Indian Tabla Beat Box), markante skurrile bis irritierende Elektronik und so persönliche wie souveräne Songwritingkunst gewinnen immer wieder die Oberhand gegenüber einfachen Melodien und intimeren Passagen. Das Ergebnis sind zumeist fragmentierte Songs zwischen dem, was uns prägt, und den Zielen, die noch vor uns liegen. »This is how far I had to go to hear silence, this is how far I had to go to feel empty« und »trying to sketch new routes on the map / Starting a new journey - with broken heart« singt Ingrid Lode am Ende. Nach diesem Album musste sie erst einmal ein Jahr Pause einlegen. Superb. (ijb)



Siehe auch:
Monkeybar
Trondheim Jazz Orchestra
Peloton
Kirsti, Ola & Erik

 Kobert: Off the hook

   

Invasion of Privacy
(2009, Impeller Recordings/Musikkoperatørene IMR002)

Die norwegische Musikszene ist für alle möglichen Genres bekannt, doch nicht unbedingt für sperrig-avantgardistische Popmusik. Kobert hätten es verdient, die musikalische Landkarte diesbezüglich ein wenig ändern zu dürfen. Auf ihren vier Alben loteten sie eine erstaunliche Bandbreite dessen aus, was noch als Pop durchgeht. »INVASION OF PRIVACY« bleibt vielleicht als ihr eingängstes, ihr »großes Pop-Album« in Erinnerung.

Stets zu in etwa gleichen Teilen Jazz, Elektronik und Pop, mal fragil und introspektiv, dann wieder extravagant und humorvoll, nicht immer ganz ernst, doch immer klug, so könnte man den Kosmos von Kobert einkreisen. Die Songtexte ihres zweiten Albums stammen durchweg von Siri Gjære, nur punktuell ergänzte Ingrid Lode eigene Verse, bevor sie auf dem letzten Album alle Texte selbst schrieb. Die von »Glowing« bekannte reduzierte musikalische Besetzung wurde auf »INVASION OF PRIVACY« ein wenig, aber mit großer Wirkung erweitert um Sampling, Orgel und Drumcomputer. Ein (hierzulande) unbekanntes kleines Meisterstück. (ijb)

   

Trondheim Jazz Orchestra & Kobert
(2009, MNJ Records/Musikklosen AS MNJCD007)

Nach dem Achtungserfolg ihres Debüts bekamen Kobert 2007 die großzügig unterstützte Chance, ein Werk für das Trondheim Jazz Orchestra zu schreiben, das 2008 beim Molde Jazz Festival aufgeführt und von NRK im Radio übertragen wurde. Für die Aufnahme im Studio im Januar 2009 durfte Produzent Kåre Vestrheim die über 80 Minuten lange Konzertversion auf ein kompakteres CD-Format verdichten. Beide Fassungen bleiben unbetitelt und verhalten sich zueinander wie zweieiige Zwillinge.

Faszinierend, wie die zur einen Hälfte von Ingrid Lode, zur anderen von Daniel Formo komponierten Stücke durch das klug ausgewählte und überragend spielende 16-köpfige Ensemble den Kosmos von Koberts Avant-Pop ergänzt und zu einer oft neuartigen Genrekreuzung ausweitet. Kontraste sind an der Tagesordnung: vom Melodisch-Lyrischen zum exzentrischen Krach-Klimax, von elegischen Liedern mit neuen Dickinson-Adaptionen zu mitreißendem BigBand-Sound oder frickeligen Elektronikpassagen; Kobert stellen alles nebeneinander, verkreuzen Stile miteinander, loten Dynamik und Volumen aus wie es selten der Fall ist in diesem Genre, das sich Jazz nennt. (ijb)



Siehe auch:
Trondheim Jazz Orchestra (lange Rezensionsvers.)
Erik Johannesen
Sissel Vera Pettersen
Petter Vågan

   

Glowing
(2006, Norcd/Musikkoperatørene 0660)

»Jazz, folk, world music - old traditions, new sounds« heißt es prägnant auf der Webseite des Labels NorCD. Dort wird Koberts Debütalbum als »Jazz« kategorisiert, was nur bedingt zutrifft. Die drei Absolventen des renommierten Jazzinstituts in Trondheim setzten mit ihrem überwiegend verhaltenen, gleichwohl intensiven Debütalbum einen für die nordische Jazzszene recht ausgefallenen Akzent. Ihr unspektakuläres, im Detail jedoch überaus kreatives und filigran improvisiertes Album voller Vertonungen von Gedichten Emily Dickinsons - mit einer Ausnahme (»Don't go« von Mari Boine) - hätte der Startschuss für eine internationale Karriere sein können, nein: sollen.

Eine sehr einfache Instrumentierung: nur Keyboards (Daniel Formo) und Schlagzeug (Erik Nylander), dazu die sensible und erfindungsreiche Interpretation der Dickinson-Gedichte durch die damals 24-jährige Ingrid Lode, die auch mehr als die Hälfte der Lieder komponierte. Ihre beiden Mitmusiker waren sicherlich mit kaum weniger Input beteiligt; das jedenfalls lässt die bei aller Reduktion und Intimität reiche und originelle Instrumentierung vermuten. (ijb)



Siehe auch:
Mari Boine
Roger Johansen
Tor Haugerud / BOL
Vertex



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