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Alle Rezensionen zu Jim Black & Alas No Axis
(Genre »Avantgarde«, Land »Grenzgänger«)

 

Alas No Axis (2000) / Splay (2002) / Habyor (2004) / Dogs Of Great Indifference (2006) / Houseplant (2009)
(2009, Winter & Winter W&W 910061/76/73-2)

Es gibt wenig, was sich musikalisch an dieser Band messen kann. Falsch: es gibt nichts. Nichts. Seit über zehn Jahren hält dieses Quartett in derselben Besetzung eine unerreichte Qualität. Was das mit Nordischer Musik zu tun hat? Zwei der Musiker kommen aus Island, die anderen beiden sind US-Amerikaner. Nun könnte man sagen, die Amis wären die wichtigeren, aber das ist falsch. Denn ohne die beiden Isländer wäre Alas No Axis nicht Alas No Axis.

Aber der Reihe nach. Jim Black: Schreibt alle Stücke, ist die treibende Kraft. Alas No Axis ist seine Band. Spielt Schlagzeug wie kaum ein anderer Drummer rund um den großen Wok Jazz-Szene. Explosiv und kantig trommelt er, ein Polyrhythmiker par excellence! Schräg bis zum Abdriften gestaltet er die Rhythmen und ist doch immer nachvollziehbar, kommt immer wieder auf den Punkt. Extrem heftig hier, extrem sachte dort.

Chris Speed: Hat am Tenorsaxofon eine ähnliche Stellung wie Jim Black. Lässt sein Horn röhren wie ein Hirsch, beherrscht Überblastechniken, lässt die Sau raus und kann doch auch wunderbar sensibel agieren, besonders mit Klarinette.

Hilmar Jensson: Zunächst als Gitarrist unscheinbar hinter den beiden Protagonisten. Weniger an virtuoser Kraftmeierei interessiert denn an mannschaftsdienlichem Understatement. Setzt mit einzelnen Noten Akzente, bricht Akkorde in Stücke, baut andere zusammen, schichtet sie zu Bergen, lässt diese dann explodieren, in sich zusammenfallen. Bis nur noch kleine einzelne Noten übrig bleiben.

Skúli Sverrisson: Spielt im Sitzen. Spielt meist akustische Bass-Gitarre. Wirkt sehr gemütlich. Ist viel mehr als der ruhende Pol. Interpretiert den Bass sehr melodisch. Spielt nicht viele Soli, aber wenn, dann aufgehorcht!

Musikalisch… ist das schwer zu beschreiben. Es ist alles. Jazz, weil viel improvisiert wird. Rock, weil die Rhythmen oft gerade und manchmal ziemlich hart sind. Avantgarde, weil es so ungewohnt und unüblich klingt. Free, weil sich vier Stimmen ab und zu unabhängig voneinander bewegen. Pop, weil es manchmal so unverschämt leicht ist.

Hier und da… mäandern zärtlichste Klarinetten- oder Gitarren-Melodien durch imaginäre Auen, schneiden sich scharfe Saxofonlinien ihren Weg durch steinige Schlagzeug-Massive, bohrt sich der Bass tief durch einen Grand Canon aus Gitarrenwänden, türmen sich alle vier zu einem Klang-Tsunami von bisher unbekanntem Ausmaß.

Jedes Mal, wenn ich eine AlasNoAxis-CD höre, kommen mir an einer Stelle die Tränen und bin hinterher glücklicher als zuvor. (tjk)



Siehe auch:
Referenzen? The Notwist. Motorpsycho. Mingus. Neil Young.
Skúli Sverisson
Exoterm
Hilmar Jensson

Jim Black: Alas No Axis (2000) / Splay (2002) / Habyor (2004) / Dogs Of Great Indifference (2006) / Houseplant (2009)



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